Ganztagesschule macht in Dürnau nicht alle Eltern glücklich

Die Ganztagesschule in Wahlform wirft je nach Schulstandort für manche Eltern Probleme auf. In Dürnau gelang es einer Elterninitiative, eine mittägliche "Betreuungslücke" für Halbtagskinder zu schließen.

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Auf Initiative von Ute Wenger (l.) konnte in Dürnau eine Betreuungslücke in der Grundschule während der Mittagszeit für sogenannte Halbtagskinder geschlossen werden.  Foto: 

Donnerstagmittag 13 Uhr. Im Jugendraum der Gemeinde Dürnau ist mächtig was los. Ein Teil der sogenannten Halbtageskinder der Grundschule Dürnau überbrückt hier unter der ehrenamtlichen Aufsicht von Jürgen Gäb die Zeit zwischen Vor- und Nachmittagsunterricht. Auch montags stopft der Rentner für eine Elterninitiative ein "Betreuungsloch". Entstanden ist dies durch das im Sommer 2014 eingeführte Ganztagsschulkonzept.

Anfang 2014 schien die Schulwelt von Dürnau und Gammelshausen noch für fast alle in Ordnung. "Bei einer Befragung äußerten sich 95 Prozent der Eltern zufrieden mit der offenen Ganztagesschule, an der bis dato nur vormittags Unterricht stattfand", berichtet die Initiatorin der Elterninitiative, Ute Wenger. "Das Betreuungsangebot vor Beginn des Unterrichtes, das Mittagessen und die Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr konnte kostenpflichtig dazu gebucht werden." Dennoch sei im März 2014 ein Ganztagesschulkonzept in Wahlform vorgestellt worden. Ute Wenger ärgert, dass von 130 Kindern nur 30 für den Ganztagesbetrieb angemeldet werden mussten, um die Ganztagsschule in Wahlform einzuführen, mit der ein späterer Schulbeginn, Nachmittagsunterricht und die Abschaffung der Kernzeitenbetreuung nach Schulschluss einherging.

Dass der neue "Halbtag" ein komplett anderer war als zuvor, sieht Ute Wenger als Indiz dafür, wie stark von Interessen geleitet die Einführung der Ganztagesschule war. Die Mutter befürchtet, dass Eltern immer mehr in die Statistenrolle gedrängt werden und sieht die Vorgehensweise als strukturelle Gewalt an. Viele Eltern hätten sich nur für das Ganztagesmodell entschieden, um Betreuungslücken zu vermeiden. Wie die der "Mittagslücke" bei Nachmittagsunterricht, die nun in Eigeninitiative geschlossen wer-den konnte.

Unbefriedigend sei jedoch, dass Halbtageskinder im Gegensatz zu Ganztageskindern in der Mensa nicht vespern dürfen und das Mensaessen in Anspruch nehmen müssten. Außerdem werde beim Spielen im Freien strikt darauf geachtet, dass sich Halb- und Ganztageskinder nicht "vermischen", obwohl nach Auskunft des Kultusministeriums von der Gemeinde eingesetzte Aufsichtspersonen die Halbtageskinder mit beaufsichtigen dürften.

"Wir sehen ein haftungsrechtliches Problem, wenn auf dem Schulgelände etwas passiert", erklärt die Dürnauer Gemeindeverwaltung. Im Gegensatz zu einigen Eltern sind Bürgermeister Friedrich Buchmaier und Schulleiterin Carola Bär der Meinung, dass eineinhalb Stunden Mittagspause für die Halbtageskinder lang genug seien, um zum Essen nach Hause zu gehen.

Trotzdem seien die Bemühungen der Eltern um eine "Mittagslösung" so weit wie möglich unterstützt worden. Die Kinder hätten die Möglichkeit, in der Mensa zu essen, und Betreuer Jürgen Gäb sei über den Förderverein versicherungsrechtlich abgesichert worden.

Gegen Wengers Meinung, der Wegfall der ersten Schulstunde sei vertane Lebenszeit der Kinder, argumentiert die Schulleiterin, dass sich die Kinder in der morgendlichen Kernzeitenbetreuung, die allen Kindern offen steht, austauschen und austoben können und so im Unterricht anschließend konzentrierter seien. Buchmaier erklärt: "Wir bemühen uns sehr um für alle verträgliche Lösungen und bessern auch immer wieder nach." Allerdings seien Schulen und Gemeinden auch an Landesvorgaben gebunden und Dürnau finanziell nicht in der Lage, alle individuellen Wünsche zu erfüllen.

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