Gammelshäuser wollen Raser bremsen

Eine Tempobremse am Ortseingang, Seniorenwohnungen und neue Grabformen auf dem Friedhof: Wichtige Themen für die Bevölkerung von Gammelshausen wurden in der Bürgerversammlung diskutiert.

|

Ein Raunen geht durch das vollbesetzte Gemeindehaus, als Bürgermeister Daniel Kohl eine Verschwenkung am Ortsausgang Richtung Steige auf die Leinwand wirft. Sie gleicht denen in Dürnau und Hattenhofen und ist wesentlich schärfer als drei andere Varianten, die keine Emotionen im Publikum auslösen. Der Schultes nimmts als Zustimmung für diesen Entwurf, den auch der Gemeinderat favorisiert. So könnten die Autos und Motorräder entschieden heruntergebremst werden, unter denen die Anwohner entlang der ganzen Ortsdurchfahrt leiden. Der Schultes wird jetzt Kurs nehmen auf eine provisorische Verschwenkung, "erst einmal ausprobieren", sagt er. Den Umbau im sechsstelligen Bereich könnte Gammelshausen auch so schnell nicht finanzieren.

Weiter geht es die Ortsdurchfahrt rauf und runter. Geklagt wird über mangelnde Sicherheit am Zebrastreifen in Höhe der Gartenstraße. "Man muss tief Luft holen", so schnell schössen die Autos heran. Ob eine Ampel möglich sei? Mütter fänden die Querung zu gefährlich für den Schulweg der Kinder. Der Schultes nimmt das mit in die nächste Verkehrsschau. Dran sei man an einer Lösung am unteren Ortseingang, bescheidet er einem Zuhörer. Der berichtet von dem bekannten Missstand, das Leute dort einfach über die Landesstraße gehen, obwohl es einen sicheren Fußweg zum Aldi gibt - aber der führt weit außen herum. Eine Querungshilfe ist in der Überlegung, so Kohl.

Wie bewährt sich das neue Parkverbot in der Ortsmitte, auf 200 Meter hangaufwärts bis zur Kirchstraße? Der Schultes will die Situation weiter beobachten. Aber auch gegenüber an der Kirche solle man ein Halteverbot verhängen, fordert ein Zuhörer. Noch ein Punkt für die Verkehrsschau. Schon im Wahlkampf hat Kohl von Seniorenwohnungen am Ort gesprochen - die Vorbereitungen laufen. Er sei in Grundstücksverhandlungen, man habe einen Planer an der Hand, und bald schon sollen Interessierte in einer Bürgerwerkstatt mitplanen - das wäre dann die zweite neben der Bürgerwerkstatt zur Kreiselverschönerung.

Etwas kreisweit Neues soll es werden, sagt Kohl, ein "Bürgermodell". Vielleicht mit Laden, vielleicht auch mit der Option Gästezimmer für Angehörige. Letzteres regt eine Bürgerin an. Der Bedarf sei groß, weiß Kohl, er wisse allein von fünf Senioren in seiner Amtszeit, die Gammelshausen schweren Herzens verlassen hätten. Er denkt an zehn bis 20 Wohnungen, gerne auch als Mehrgenerationenhaus mit jungen Familien. Er rechnet mit einer Planungszeit von ein bis zwei Jahren.

Groß sei die Nachfrage auch nach Wohnraum im Ort, berichtet Kohl. "Jede Woche ruft mindestens einer an: Kann man bei euch bauen?" Der Schultes setzt auf Baulücken und die schon angestoßene Sichtung von Bauplätzen am Ortsrand. Ein Meinungsbild der etwa 130 Bürgern im Saal gibt es auch zu neuen Grabformen. Ein Gemeinschaftsurnengrab mit 16 Plätzen rund um eine Stele - Beispiel Albershausen- kommt gut an. Auch eine Urnenwand mit einzelnen Blöcken wäre den Zuhörern recht. Die könnten am geplanten Erweiterungsgelände zur Landesstraße hin platziert werden und böten auch Lärmschutz, sagt Kohl. "Das bringt unglaublich viel."

Keine Kritik gibt es an der "kleinen" Friedhofserweiterung mit nur noch 24 Doppel-Grabkammern und 20 Urnengräbern, die die Gemeinde ohne Schulden stemmen kann, aber nur acht bis zehn Jahre reicht. Dann werde man im Lichte der veränderten Grabkultur weitersehen, sagt Kohl. Die Urnenbestattung sei jetzt schon häufiger als die Erdbestattung. Kohl gibt auch Rechenschaft über sein erstes Jahr Amtszeit. Auch Kulturelles hat der Rathauschef angestoßen. Kabarettist Klaus Birk würde gerne wiederkommen, das neue Jugendforum "Junga" plant ein Fest für alle Generationen, das mobile Kino macht im Herbst wieder Station und soll im nächsten Sommer ein Open-Air-Kino bieten.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eislinger Urlauber geschockt: Plötzlich explodierte das Nachbarhaus

Familie Schenk aus Eislingen sieht von der Dachterrasse ihres Ferienhauses, wie die mutmaßliche Bombenwerkstatt der Barcelona-Attentäter in die Luft fliegt. weiter lesen