Furchenrutscher: Narren suchen den Ruf-Nachfolger

Das lokale Geschehen nahmen die Furchenrutscher in Rechberghausen bei der Prunksitzung zum Fasnetsauftakt aufs Korn – beispielsweise mit einer Kandidatenliste für die anstehende Bürgermeisterwahl.

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Dass die Schwaben entgegen eines preußischen Vorurteils zum Lachen doch nicht in den Keller gehen, das bewiesen am Samstagabend die Rechberghäuser Narren. Die lachten herzhaft, manchmal auch schenkelklopfend, im Haug-Erkinger-Festsaal während der Prunksitzung der Rechberghäuser Furchenrutscher.

Allerdings hätte einem Besucher mit nichtschwäbischem Hintergrund ein Simultandolmetscher sprachlich auf die Sprünge helfen müssen. Den Dolmetscher gab es nicht. Die Fasnetsfans aus dem östlichen Schurwald delektierten sich um so mehr am gewollt breitgetretenen Dialekt.

Bürgermeister Reiner Ruf, der kurz zuvor seinen Rückzug für das nächste Jahr angekündigt hatte, war häufig Ziel der närrischen Attacken, wie die Kommunalpolitik überhaupt. Die Dorftratschweiber „Sofie und Paile“ nahmen kein Blatt vor den Mund, dafür unter anderem die Hundeklos aufs Korn. Warum die keiner nutzt: Wie soll ein Hund da auch rein treffen? So hoch wie die hängen und bei dem schmalen Schlitz. Thema Waldkindergarten: Was machen die Kinder den ganzen Tag da? Sie erkunden den Wald. Sind sie den eingezäunt? Nein, freilaufend. Thema Schranke auf dem Lidl-Parkplatz. Die einzelne Schranke an der Zufahrt von der Lorcher Straße wurde aufgestellt, um zu verhindern, dass die Autofahrer damit den Weg zwischen Hauptstraße und Lorcher Straße abkürzen: „Aber was hilft’s?“ fragten die Tratschen, „wenn die Schranke nur nachts zu ist?“

Mit den Eigenarten der Schwaben setzte sich Evi Ertinger in ihrer Büttenrede auseinander. Mit Putzturban und Kittelschürze angetan, fragte sie: „Wer ist der Schwoab?“ Und stellte fest, es ist ein geschlechterübergreifender Begriff: „Der Schwoab kann auch eine Frau sein!“ Dennoch habe er mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen: Er fährt Mercedes, kauft nur Sonderangebote, ist arbeitsam, aber sparsam: „En Holzzahnstocher nur oimol zom verwenda, des tät beim Schwoab net vorkomma!“ Und auch beim Essen sei er sparsam: „Lieber dr Mage verrenke, als em Wirt ebbes schenke.“

Als Evi diese Weisheit oben auf der Bühne verkündete, räumten unten die Bedienungen grade die Tische vom Abendessen ab. Eine gute Gelegenheit, das Vorurteil zu überprüfen: „Haben die Gäste denn viel auf den Tellern zurückgelassen?“ - „Nein, gar nix“, lautete die erstaunte Antwort auf die offenbar ungewöhnliche Frage.

Auf der Bühne zeigte die Schlossgarde ihre Tanzkünste. 24 Beine flogen wechselweise hoch in die Luft und auch der Nachwuchs, die „Lollypops“ im Alter zwischen fünf und sieben Jahren warfen die Beinchen schon hoch. Okay, manches Kind verwechselte schon mal das Bein und warf das linke in die Luft, als eigentlich das rechte dran war – oder umgekehrt – aber auch das taten die Kleinen mit einer naturbelassenen Begeisterung, die man als preußisch sozialisierter Beobachter vom Norden so nicht kennt.

Inzwischen machte sich der Hofnarr bereit. Stefan Friedrich füllt diese Rolle seit 2010 aus. Nach einem Rundumschlag durch die Weltpolitik (nicht flugtaugliche Bundeswehr, Deutschlands 18. Platz beim Eurovison Song-Contest), arbeitete er sich in lokale Gefilde vor und kaprizierte sich auf den verkündeten Rücktritt von Bürgermeister Reiner Ruf. Der will seine fünfte Amtsperiode frühzeitig im Sommer 2015 beenden. Wer wird Nachfolger? Da hatte Hofnarr Friedrich einige Namen im Köcher: Philipp Rösler, ehemaliger FDP-Gesundheitsminister.

Wäre womöglich geeignet, denn „Hausa isch kloi, will gega die große astinka und lobt sich gern über dr grüne Klee – des isch’s gleiche Prinzip wie des dr FDP“. Ex-Nationalspieler Phillip Lahm stünde ebenso auf seiner Kandidatenliste, wie sich auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann beworben habe: „Wenn die nägschde Wahl geht voll in d’Hos, ha no isch au der ganz fix arbeitslos!“ Auch eine „berühmte Herrscherin“ habe sich beworben, „die hat im aktuelle Job nämlich grad gar nix zum lacha, s’Volk huldigt ihr nicht, es jubelt ihr nicht mal zu – also komm, Carmen Marquardt aus Adelberg, Nummer vier auf der Liste bischt du."

Aber zum Trost von Volk und scheidendem Bürgermeister hatte Hofnarr Friedrich noch einen Namen in petto, falls doch Zweifel an den genannten Kandidaten bestehen sollten: „Im Zweifel mach halt au des no d’Helene Fischer!“

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