Für eine verlässliche Gemeinschaft

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Heike Kuhn, Ulrike Metzger-Kielkopf, Simone Priester und Caterina Bühler  (von links) haben die Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen. Sie hoffen, dass die Bürgerinitiative weiter wächst.  Foto: 

Im Winter für den älteren Nachbarn den Gehweg mitschippen, die Großtante zum Einkaufen mitnehmen oder bei der kränkelnden Bekannten mal nach dem Rechten sehen –  gerade in Dorfgemeinschaften waren solche kleinen Alltagshilfen früher oft selbstverständlich, teilweise sind sie das auch heute noch. Aber auch in kleinen Gemeinden wird das Zusammenleben anonymer und es gibt zunehmend ältere Menschen, die keine Familienmitglieder vor Ort haben oder die ihre Kinder, die beruflich oder mit der eigenen Familie stark eingespannt sind, nicht belasten wollen.

In Kuchen gibt es deshalb seit Anfang des Jahres die Nachbarschaftshilfe „Bürger für ein starkes Kuchen“. Die Gemeinderätinnen Simone Priester und Ulrike Metzger-Kielkopf sowie die Kuchenerin Caterina Bühler und Heike Kuhn vom Pflegestützpunkt des Landkreises Göppingen haben die Initiative ins Leben gerufen. Kuchener, die Hilfe im Alltag brauchen, können sich mit ihren Anliegen telefonisch an sie wenden (siehe Info), das Organisationsteam koordiniert dann die Anfragen  mit den momentan 17 Ehrenamtlichen.   Die Helfer übernehmen zum Beispiel den Einkauf oder kürzere Fahrten innerhalb Kuchens – etwa zur Bank, auf den Friedhof oder zum Kaffeetrinken – und erledigen kleinere Dinge im Haushalt. „Wir holen auch mal die Gardinen zum Waschen runter, bringen etwas Schweres in den Keller oder helfen beim Blumengießen im Garten“, erläutert Caterina Bühler. Das Angebot stehe nicht nur älteren Menschen offen, fügt sie hinzu. Schließlich können auch jüngere Menschen plötzlich krank werden und jemand brauchen, der schnell eine Besorgung macht. Und auch, wer einfach mal jemand zum „Schwätzen“ braucht, ist bei der Nachbarschaftshilfe richtig.

Der Bedarf ist da: Etwa zwölf „Stammkunden“ nehmen das kostenlose Angebot der Nachbarschaftshilfe inzwischen regelmäßig in Anspruch. Die vier Initiatorinnen vermuten, dass noch viel mehr Menschen in Kuchen Hilfe brauchen könnten. „Viele scheuen sich am Anfang zuzugeben, dass sie Hilfe brauchen“, weiß Heike Kuhn aus Erfahrung. „In diesem Bereich gibt es viel  Scham und viele Tabus.“ Die Leute müssten erst einmal Vertrauen zu den Ehrenamtlichen fassen. Im Moment seien es noch nicht die „Ur-Kuchener“, die sich an die Nachbarschaftshilfe wenden, merkt Ulrike Metzger-Kielkopf an. Obwohl Kuchen eine recht übersichtliche Gemeinde ist, kommen die Helfer so mit ganz neuen Menschen, in Kontakt

Die Nachbarschaftshilfe sei allerdings nicht dazu da, Taxis oder gar Pflegediensten Konkurrenz zu machen, stellt Simone Priester klar. Vielmehr ist sie eine Ergänzung zu professionellen Diensten. Pflegerische Aufgaben übernehmen die Ehrenamtlichen grundsätzlich nicht, fügt Heike Kuhn hinzu. Die Nachbarschaftshilfe könne aber trotzdem dazu beitragen, dass Senioren länger in den eigenen vier Wänden zurechtkommen.

Jetzt müsse die Nachbarschaftshilfe aber erst einmal wachsen, meint Simone Priester. Weitere Ehrenamtliche seien jederzeit willkommen. Langfristiges Ziel ist dazu beizutragen, die Gemeinschaft in Kuchen zu stärken – eine Gemeinschaft, in der man aufeinander achtet und sich aufeinander verlassen kann:  „So wie`s früher im Flecken war“, sagt Priester.

Info Jeweils dienstags und freitags von 10 Uhr bis 11.30 können Bürger aus Kuchen bei der Nachbarschaftshilfe anrufen (☎ 0162/5885486). Die Helfer organisieren dann die einzelnen Termine. Das Angebot ist kostenlos.

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