Bad Ditzenbacher legen Wert auf ein faires Miteinander

Im „Treffpunkt Miteinander“ in Bad Ditzenbach kann man jeden Montag fair gehandelte Produkte kaufen. Wird Ditzenbach eine Fair-Trade-Gemeinde?

|
Vorherige Inhalte
  • Der „Fair-Stand“ auf dem Bad Ditzenbacher Wochenmarkt zieht  mittwochs die Kunden an. Jetzt kann man in der Badgemeinde auch am Montagnachmittag fair einkaufen. 1/2
    Der „Fair-Stand“ auf dem Bad Ditzenbacher Wochenmarkt zieht  mittwochs die Kunden an. Jetzt kann man in der Badgemeinde auch am Montagnachmittag fair einkaufen. Foto: 
  • Gudrun Lamparter 2/2
    Gudrun Lamparter Foto: 
Nächste Inhalte

Auf dem Bad Ditzenbacher Wochenmarkt ist er nicht mehr wegzudenken und ein beliebter Anziehungspunkt: der „Fair-Stand“. Dort gibt es Orangensaft, Schokolade, Honig, Reis, Kaffee, Bananen und vieles mehr zu kaufen – alle Waren sind fair gehandelt, die meisten davon in Bio-Qualität. Seit Kurzem haben die sechs ehrenamtlichen Helfer um Gudrun Lamparter ein drittes Standbein: Sie bieten die Produkte nun nicht mehr nur auf dem Wochenmarkt und im Rahmen von kirchlichen Veranstaltungen der evangelischen Christuskirchengemeinde im Täle an, sondern auch jeden Montag von 15.30 bis 18 Uhr im „Treffpunkt Miteinander“ in der Ortsmitte.

In diesem Treffpunkt kommen Bürger und Flüchtlinge zusammen und lernen sich besser kennen. Es ist eine Begegnungsstätte, die der Freundeskreis Asyl eingerichtet hat. „Mit dem Verkauf der fair gehandelten Produkte wollen wir verdeutlichen, dass wir durch fairen Handel das Leben der Menschen in vielen Regionen der Welt verbessern können“, betont Gudrun Lamparter, die vor 27 Jahren die Aktion „Fairer Welthandel“ in Bad Ditzenbach ins Leben gerufen hat. Ihr ist bewusst, dass die Flüchtlinge nicht die besten Kunden des „Fair-Standes“ werden; „aber sie sollten eigentlich gar nicht in diese Situation kommen, in der sie nun sind“. Würden mehr Menschen auf fair gehandelte Produkte setzen, hätten viele der heutigen Flüchtlinge die Möglichkeit, in ihren Heimatländern ein würdiges Leben zu führen, ist die 60-Jährige überzeugt. „Wir können selbst entscheiden. Es ist Politik mit dem Einkaufskorb.“

Das bestätigt der evangelische Pfarrer Wolfgang Krimmer: „Man kann durch Konsum Gerechtigkeit verwirklichen und im Kleinen etwas bewegen“. Jedes Produkt transportiere eine Botschaft. Es reiche nicht, sonntags im Gottesdienst Gerechtigkeit zu predigen – man müsse es im Alltag leben. Der Verbraucher könne bestimmen, wie die Wirtschaft ablaufe, verdeutlicht Krimmer. Der Verkauf im „Treffpunkt Miteinander“ biete außerdem den Vorteil, dass ein bisschen mehr Leben in die Ortsmitte einkehre. Denn wie vielerorts gelte auch für Bad Ditzenbach der Spruch: „Die Ortsmitte ist halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot“.

Dass es sozial zugeht in der Marktwirtschaft und dass „der kleine Mann nicht ausgebeutet wird“, ist auch ein Anliegen von Gertrud Duwe aus Deggingen, die den Bad Ditzenbacher „Fair-Stand“ regelmäßig besucht. Die 31-Jährige ist Mitglied der Degginger Pfadfinder, die sich ebenfalls für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einsetzen, betont sie. Gudrun Lamparter beliefert die Pfadfinder seit vielen Jahren mit fair gehandelten Produkten, die diese im Rahmen von Spendenaktionen weiterverkaufen, berichtet Gertrud Duwe. Die Erlöse gehen dann an soziale Projekte.

Auch Anna Bucher aus Bad Ditzenbach gehört zu den Stammgästen bei Gudrun Lamparter und ihren Helfern. Die 86-Jährige begrüßt es, dass die fair gehandelten Produkte nun auch in der Ortsmitte erhältlich sind und sie nicht mehr den weiteren Weg zum Wochenmarkt beim Thermalbad-Parkplatz auf sich nehmen muss, um Bananen, Schokolade und Orangensaft einzukaufen. „So ist es für mich praktischer“, sagt die Seniorin. „Außerdem kann ich gleichzeitig etwas Gutes tun.“

Sortiment Die Bio-Bananen aus Ecuador sind der Renner bei den Kunden“, berichtet Gudrun Lamparter. „Sie machen den halben Umsatz aus.“ Aber auch ungewöhnlichere Produkte wie getrocknete Mangos oder die Reis-Quinoa-Knabberei „Popquins“ kämen sehr gut an. „Man kann hier Produkte entdecken, die es sonst nicht zu kaufen gibt. Und es sind auch tolle Geschenkideen dabei“, ergänzt Pfarrer Wolfgang Krimmer.

Aktionen Immer wieder veranstalten die ehrenamtlichen Helfer Projekte, wie zum Beispiel eine Handy-
sammel-Aktion: Dabei kann man derzeit bei Gudrun Lamparter und den anderen Ehrenamtlichen sein altes Gerät abgeben, dessen Rohstoffe recycelt werden.

Kommune Ein Wunsch der Helfer ist, dass sich Bad Ditzenbach zur Fair-
Trade-Gemeinde entwickelt. Damit sich die Badgemeinde so nennen darf, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Zum Beispiel müssen Einzelhändler, Vereine und Gastronomen mitmachen und jeweils mindestens zwei Fair-Trade-Produkte anbieten. Ein entsprechender Antrag soll demnächst im Gemeinderat gestellt werden. Bürgermeister Herbert Juhn ist voll des Lobes für die Idee: Im Rathaus werde mittlerweile nur noch fairer Kaffee getrunken, sagt er. Es sei wichtig, dass jeder einen kleinen Teil an Hilfe leistet.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mehrheit lehnt Messstelle an der Sternkreuzung ab

Die Mehrheit im Göppinger Gemeinderat hat eine Messstelle für Luftschadstoffe an der Sternkreuzung abgelehnt. Auch die Verwaltung war dagegen. weiter lesen