Führung durch die Obere Mühle

Eine Führung durch die Mühle in Gosbach sowie ein kulinarischer Streifzug durch die Region standen auf dem Programm beim "Sommer der Ver-Führungen".

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Ruth Erhardt-Zonka (Vordergrund) erklärt den Besuchern, wie man qualitativ hochwertiges Backmehl herstellt.  Foto: 

Ruth Erhardt-Zonka, geschäftsführende Inhaberin der Oberen Mühle in Gosbach weiß, wovon sie spricht. Die Verarbeitung von Weizen und Dinkel zu qualitativ hochwertigem Mehl ist ihr bestens vertraut und fest in ihrer Familiengeschichte verwurzelt. Schon ihr Urgroßvater war Müller. Die Fachkompetenz der Urenkelin begeisterte auch die 25 Besucher einer Führung durch die Obere Mühle.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sommer der Ver-Führungen“  stand nicht nur ein Rundgang durch das Mühlengebäude auf dem Programm. Ein Streifzug durch die Kultur und die kulinarischen Spezialitäten aus der Region im angrenzenden Natur-Genuss-Zentrum machten die zweieinhalbstündige Veranstaltung zum abwechslungsreichen und kurzweiligen Event. Dabei gab Christel Mühlhäuser von der Schwäbischen Landpartie Informationen, Geschichten und Anekdoten zum Besten.

Die erste urkundliche Erwähnung der Oberen Mühle in Gosbach stammt aus dem Jahre 1331, betont Ruth Erhardt-Zonka. Vom 14. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts habe es mehrere Besitzerwechsel gegeben, bis schließlich ihr Urgroßvater Georg Erhardt die am Kraftwerkskanal der Fils gelegene Mühle im Jahr 1927 erwarb. Im Gegensatz zu heute bekam der Müller damals für das Mahlen von Getreide einen „Mahllohn“. Das Mehl nahmen die Bauern wieder mit. Die Zeiten haben sich geändert. Zehn Bauern aus der näheren Umgebung auf der Schwäbischen Alb liefern heute insgesamt 300 Tonnen Eliteweizen, der höchste Qualitätsanforderungen erfüllen muss. Der Weizen wird im Silo bei Temperaturen um sieben Grad Celsius kühl und trocken gelagert.

Bis zu 20 Euro kassieren die Bauern pro 100 Kilogramm, wobei der Weltmarktpreis letztendlich den Preisrahmen vorgibt. „Insgesamt verarbeiten wir im Jahr 600 Tonnen, wobei das Mahlen von Dinkel dabei mit eingeschlossen ist,“ sagt die Chefin der Oberen Mühle. Das Mehl geht an Gastronomie-Betriebe, nahe gelegene Bäckereien oder wird im eigenen Laden verkauft. Bis aus den Körnern des Weizens endlich backfertiges Mehl wird, durchläuft es eine Vielzahl von Verarbeitungsstufen. Es wird mehrfach gereinigt, die Spreu vom Weizen getrennt, gesiebt, Steinchen und Unkrautsamen herausgeholt und selbst ein Magnet ist im Einsatz, der kleine Metallteile entfernt. „Büroklammern, Nägel und Metallsplitter haben wir schon öfter herausgefischt,“ so Ruth Erhardt-Zonka. Doch all dies sei zwingend erforderlich, um ein qualitativ hochwertiges Backmehl herstellen zu können.

Über kulinarische und kulturprägende Spezialitäten aus der Heimat informierte Christel Mühlhäuser von der Schwäbischen Landpartie im Natur-Genuss-Zentrum, das in den Gebäudekomplex der Oberen Mühle integriert ist.  Das reichlich vorhandene Wasser, das einer Vielzahl von Quellen am  Albtrauf entspringt, spiele eine wichtige Rolle. Drei Thermalbäder und einige Mineralbrunnen hätten das Obere Filstal über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt gemacht. Außerdem sei das weltweit  nahezu größte Streuobstparadies hier ansässig. Obst sei früher ein Segen für die Menschen gewesen. Heute seien Streuobstwiesen mit harter und wenig lohnenswerter Arbeit verbunden. Doch der Erhalt dieser landschaftsprägenden Baumwiesen werde glücklicherweise durch viele Initiativen unterstützt.

Auch das Hägenmark, das aus der Rosenfrucht gewonnen wird, sei Bestandteil der örtlichen Kultur. Er sei reich an Vitamin C und schmecke gut. Ein Versucherle auf einem Hefezopf lieferte den Beweis. Neu im Reigen regionaler Produkte seien die wieder entdeckten Albleisa, hochdeutsch Alb-Linsen, die mittlerweile von 50 Bauern angebaut werden.  Sie würden im Geschmack und bei der Zubereitung die herkömmlichen Linsen bei Weitem übertreffen und erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Wen wundert es: Linsen, Spätzle und Saiten sind hierzulande fast ein Festessen.

Dass das Obere Filstal auch Goißatäle genannt wird, hat nach den Worten von Christel  Mühlhäuser einen einfachen Grund: Hier sind Ziegen und Schafe zu Hause, die dafür sorgen, dass die Wacholderheiden nicht von anderen Gewächsen überwuchert werden. Denn Ziegen und Schafe fressen alles – außer Wacholder. Der König von Württemberg habe im 18. Jahrhundert drei Schäfer nach Spanien und Südfrankreich geschickt,  um dort Schafe mit besserer Wollqualität zu kaufen und hierher zu bringen. Im Jahr 1786 erreichten von ursprünglich 110 spanischen und französischen Schafen stolze 104 das Städtchen Münsingen. Zusammen mit ihren Artgenossen von der rauen Alb hätten sie eine robuste Rasse begründet, die gleichzeitig eine gute Wollqualität besaß.

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