Fraktionen im Kreistag für Bahnhof in Merklingen

Südbahn, Brenzbahn, S-Bahn-Konzept Ulm - und nun noch ein Regionalbahnhof in Merklingen? Die Bahn hat viele Projekte im Alb-Donau-Kreis. Über Sinn und Chancen eines Bahnhalts diskutierte der Kreistag.

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Die Laichinger Alb ist bislang als eine der wenigen Regionen nicht an das Eisenbahnnetz angebunden. Wer beispielsweise aus Merklingen mit dem Zug nach Stuttgart fahren möchte, muss dazu erst mal per Auto oder Bus in die andere Richtung zum Ulmer Hauptbahnhof fahren.

Wie gestern berichtet, ergab nun eine Studie von Intraplan, dass ein Regionalbahnhof in Merklingen an der ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm möglich wäre - wenn auch zu einem hohen Preis. Rund 27 Millionen Euro müssten für den Bahnhof investiert werden, zusätzlich rund 45 Millionen Euro für die Anschaffung von neun schnellen Regionalzügen. Die Analyse hatten Alb-Donau-Kreis, die Stadt Laichingen sowie die Gemeinden Berghülen, Heroldstatt, Merklingen, Nellingen und Westerheim in Auftrag gegeben.

"Es ist der Wunsch vieler Bürger auf der Laichinger Alb, dass der Bahnhalt realisiert wird", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl Traub am Montag in der Sitzung des Kreistags, in der die Studie vorgestellt wurde. Die Laichinger Alb sei vom Bau der Schnellbahntrasse stark betroffen, ohne dass sie bisher einen Nutzen davon habe - auch das spreche für den Bau des Bahnhofs. Der Landrat spüre dies ja ebenfalls, er habe dem Druck aus der Bevölkerung nachgegeben und eine Analyse befürwortet. Nachdem diese ergab, dass ein Bahnhof machbar wäre, heiße es nun: "weiter kämpfen, nach vorne", sagte Traub.

Zunächst gelte es, das Verkehrsministerium von dem Projekt zu überzeugen, dieses wiederum müsse die Bahn dafür begeistern, sagte dazu Landrat Heinz Seiffert. Der Regionalbahnhof sei auch nicht das einzige Thema, "das uns bahnmäßig beschäftigt". Seiffert verwies auf das S-Bahn-Konzept Ulm, den Ausbau der Brenzbahn, der Donaubahn, die Elektrifizierung der Südbahn. "Da muss die Bahn Prioritäten setzen." Es sei also keinesfalls so, dass es "übermorgen los geht" mit dem Bahnhofs-Bau. Ein Bahnhalt sei aber in jedem Fall "ein interessanter Ansatz" für die Laichinger Alb: "Jetzt müssen wir nur noch einen finden, ders zahlt."

Bernhard Schweizer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, erinnerte daran, dass ein Bahnhalt in Merklingen kein neues Thema ist, die CDU habe bereits vor 20 Jahren im Zuge des Planfeststellungsverfahrens einen dahingehenden Antrag gestellt. Schweizer schloss sich Traubs Position an, fand bei seinen Ausführungen aber nicht überall Gehör: "Wenn der Bundestagsabgeordnete sich beiläufig noch dem Thema widmen könnte", sagte er in Richtung Heinz Wiese. Er sei schon auf der Schiene gewesen, aber halt auf einer anderen, nämlich einer Neubaustrecke von Erbach nach Ehingen, erklärte Wiese. Schweizer konterte: "Laichingen ist auch Bestandteil des Alb-Donau-Kreises." Er sprach noch die demografische Entwicklung an, ältere Menschen, die nicht mehr mit dem Auto fahren, profitierten von einem Bahnhalt. Es müsse eine Entscheidung getroffen werden, solange die Neubaustrecke noch gebaut werde. "Es sind sehr sorgfältige Untersuchungen angebracht", meinte Landrat Seiffert. Schließlich koste das Projekt Millionen Euro an Steuergeldern.

Brigitte Schmid, Grünen-Fraktionsvorsitzende, erinnerte daran, dass auf Versprechen der Bahn nicht immer Verlass sei. Die Elektrifizierung der Südbahn sei schon seit 20 Jahren ein Thema, alle Parteien machten Druck, alles sei fertig, vor den Kommunal- und Europa-Wahlen habe es zig Spatenstiche dafür gegeben, nun stelle sich heraus, dass kein Geld eingestellt worden sei. Die Finanzierungsvereinbarung mit dem Land für das Vorhaben steht noch aus. "Die Bahn hat schon richtig viele Sachen versprochen, doch wenn es hart auf hart kommt, klappt die Finanzierung doch nicht."

"Ich kann eine Bewegung nach vorne erkennen", meinte dagegen Günther Neubauer, Fraktionsvorsitzender der SPD, zum Stand der Gespräche mit dem Verkehrsministerium über einen Regionalbahnhof Merklingen. Der Bahnhalt sei eine große Chance. "Wir sollten uns nicht vorwerfen lassen müssen, dass wir es uns nicht genügend Schweiß kosten ließen, diese Chance auf Herz und Nieren zu prüfen."

"Es gibt ein breites Bündnis für den Haltepunkt", führte Kreisrat Heinz Surek (SPD) aus Laichingen an und zählte aus: Die Bürgermeister der Gemeinden auf der Laichinger Alb, die Bürger, der Regionalverband Donau-Iller, die Industrie- und Handelskammer (IHK), Mitglieder des Landesverkehrsministeriums, auch Minister Winfried Hermann. Diese Geschlossenheit könne sich womöglich ändern, wenn sich die Kommunen an der Finanzierung beteiligen müssen, gab Seiffert zu bedenken. Aus seiner langen politischen Laufbahn wisse er, dass leicht etwas befürwortet werde, solange ein anderer bezahlt.

Friedrich Bohnacker (Grüne) - "ein Freund der Schiene" - warnte vor den hohen Folgekosten: "Wer zahlt das?" In der Studie hatte sich herausgestellt, dass zur Anbindung an den Bahnhof auch zwei neue Buslinien geschaffen werden müssten. "Die Parameter verschieben sich immer mehr nach oben, es wird immer kritischer", sagte er. Es sollte den Räten zu denken geben, dass das Vorhaben schon seit 20 Jahren im Raum stehe und noch nicht realisiert wurde: "Das spricht für sich."

Franko Kopp, CDU-Kreisrat und Nellinger Bürgermeister, betonte: "Es muss eingehend geklärt werden, ob die Betriebskosten für die Gemeinden tragbar sind."

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