Firma Pfisterer schließt sich Initiative gegen Rassismus an

Als erste Firma im Landkreis Heidenheim hat sich die Firma Pfisterer in Gussenstadt der Initiative "Respekt" angeschlossen. Ein deutlich sichtbares Zeichen, dass Rassismus auch im Betrieb nichts verloren hat.

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Ein kleines Schild mit großer Bedeutung: Auch bei der Firma Pfisterer gilt gegenseitiger Respekt am Arbeitsplatz (von links): "Respekt-Schirmfrau" Sandra Minnert, Finanzvorstand Michael Keinert, die Betriebsratsvorsitzende Susanne Weiß und IG-Metall-Bevollmächtigter Hans-Jörg Napravnik.  Foto: 

Es war mal eine andere Betriebsversammlung, zu der gestern bei der Firma Pfisterer aufgerufen wurde. Statt Berichten zur Geschäftslage und Personalsituation standen ein kleines Wort im Mittelpunkt: Respekt. Dass die Betriebsratsvorsitzende Susanne Weiß dazu die gesamte Belegschaft in die Kantine bat, hatte einen besonderen Grund: Die Firma Pfisterer hat sich als erster Betrieb im Kreis Heidenheim der Initiative "Respekt - kein Platz für Rassismus" angeschlossen. Die im Jahr 2006 auf Ausschreitungen nach einem Fußballspiel hin von Sportlern und Künstlern ins Leben gerufene Aktion hat inzwischen bundesweite Resonanz gefunden. Nicht zuletzt, nachdem auch die IG Metall die Offensive unterstützt, hängen heute "Respekt-Schilder" nicht nur am Eingang zu Sportstätten, sondern auch in hunderten Betrieben in ganz Deutschland.

"Der Großteil unseres Lebens findet im Betrieb statt. Deshalb ist die Frage, wie wir miteinander umgehen, ganz wichtig", unterstrich Hans-Jörg Napravnik. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Heidenheim gratulierte dem Betriebsrat für seinen Mut und die Initiative sowie der Geschäftsleitung, dass Pfisterer sich als erste Firma im Landkreis dem Thema stellt. Die Väter des Grundgesetzes hätten nach zwei Weltkriegen nicht umsonst den Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" als ersten Grundsatz unserer demokratischen Rechtsordnung vorangestellt. "Da steht nicht Deutscher, Mann oder Frau, Katholik oder Protestant - sondern Mensch!" Fremdenfeindlichkeit sei heute "leider immer noch Fakt. Ausländer, Leiharbeiter oder Arbeitslose dürften aber keine Menschen zweiter Klasse sein".

Respekt vor den ausländischen Kunden

Dass gegenseitige Wertschätzung auch die ethische Grundlage für das Handeln der Geschäftsführung im Unternehmen bilde, versicherte Michael Keinert. Als Verantwortlicher einer Tochtergesellschaft in Südafrika kennt der Finanzvorstand der Pfisterer Holding AG Rassismus aus persönlicher Erfahrung. Auch wenn dort "eher die Weißen von Schwarzen aus den Betrieben rausgedrängt werden". Da Pfisterer 80 Prozent seiner Produkte exportiere, sei Respekt vor den ausländischen Kunden schon aus wirtschaftlichen Gründen unabdingbar. Aber auch Respekt und gegenseitige Wertschätzung unter den Beschäftigten seien wichtig: "Nur wenn die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen, kann das Unternehmen Erfolg haben." Die Geschäftsführung habe daher bereits mit entsprechenden Qualifizierungen für ihre Führungskräfte begonnen. "Wir wollen eine Unternehmenskultur, in der Offenheit und konstruktive Kritik wertgeschätzt wird", betonte Keinert.

Wie frustrierend ein schlechtes Betriebsklima sein kann, hatte zuvor Ex-Fußballnationalspielerin Sandra Minnert eindrucksvoll geschildert. Die mehrfache Europa- und Weltmeisterin war nach ihrer Karriere zunächst beim DFB beschäftigt, der sie nach Ablauf ihres befristeten Arbeitsvertrages aber offenbar recht rüde abservierte. Seit 2011 ist Minnert "Schirmfrau" der Aktion Respekt und hat hier - auch persönlich - wesentlich mehr Erfolgserlebnisse. Nicht ohne Stolz stellte die Ex-Fußballerin fest, dass heute fast 5000 "Respekt-Schilder" in ganz Deutschland hängen. Und Minnert geht ihrer neuen Berufung weiter mit großem Engagement nach. Selbst ein erst zwei Wochen zuvor im Kick mit IG-Metall-Funktionären erlittener Knöchelbruch konnte die Schirmfrau nicht abhalten, mit Gips am Fuß in Gussenstadt ans Mikrofon zu humpeln.

Blieb damit nur noch die Frage, wo das Respekt-Schild aufgehängt werden sollte. Der Betriebsrat hat sich darüber lange den Kopf zerbrochen - und sich schließlich für den Platz unter der Uhr in der Kantine entschieden: "In die Kantine geht jeder und auf die Uhr guckt jeder. Dann sieht auch jeder, dass die Zeit für Rassismus abgelaufen und es höchste Zeit ist für Respekt allen gegenüber", unterstrich Betriebsratsvorsitzende Susanne Weiß.

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