Fingerzeig für die Jugendherberge

Die Debatte um die Zukunft der Jugendherberge in Hohenstaufen ist wieder aufgelebt. Der Verband baut bei Investitionen allerdings stark auf die finanzielle Hilfe der Stadt. Das Tauziehen geht demnächst weiter.

|

In zwei Jahren wird die Jugendherberge in Hohenstaufen 50 Jahre alt. Von außen hat sie in dieser Zeit ihr Gesicht kaum verändert. Innen wurde zwar in die Möblierung und in den Brandschutz investiert. Für die Herbergseltern gibt es seit einigen Jahren ein neues Wohnhaus. Nötig wäre aber "der große Wurf", wie Karl Rosner, Geschäftsführer des Jugendherbergsverbands (DJH), einräumt. Dabei liegen die Pläne für eine grundlegende Sanierung und Erweiterung der Herberge mit ihren derzeit 112 Betten längst in der Schublade. Der DJH würde das landschaftlich reizvoll gelegene Haus gerne aufpeppen. Gespräche zwischen Oberbürgermeister Guido Till und dem DJH laufen bereits und sollen Anfang März fortgesetzt werden.

Allerdings sah das vor 12 Jahren schon ganz ähnlich aus. Auch damals gab es Pläne für einen Umbau der Jugendherberge. DJH und Stadt pokerten ums Geld. Die Sache schlief wieder ein. Der Verband investierte nur das Nötigste.

Nun hat die Hohenstaufenstadt offenbar einen neuen Anlauf unternommen. In den von der Kommune initiierten Gesprächen habe er bisher große Ernsthaftigkeit gespürt, sagt DJH-Mann Rosner. Jedoch sind die Signale aus Stuttgart nicht eindeutig. Der Jugendherbergsverband halte den Standort für sehr gut und wolle ihn halten, sagt der Geschäftsführer. Das Umfeld sei interessant. Mit einer qualitativen Aufwertung der Herberge ließen sich innerhalb einiger Jahre auch die Übernachtungszahlen auf dem Berg verdoppeln, glaubt Karl Rosner. Was er aber auch sagt: "Wir haben keine Investitionsmittel eingeplant." In der Prioritätenliste des Vorstands tauche der Standort Hohenstaufen "allenfalls im hinteren Bereich" auf. Eine Sanierung wäre nur denkbar, wenn die Stadt mit bezahlt.

Herberge soll mehr junge Familien anlocken

Die Pressestelle der Stadtverwaltung betonte, es sei offen, ob die Kommune Geld zur Verfügung stellen wird. Denkbar wäre auch "ideelle Unterstützung", etwa in Form von Werbung, sagte Pressesprecher Olaf Hinrichsen. Jedenfalls sei die Stadt daran interessiert, dass die Herberge künftig mehr junge Familien anlockt.

Eine neue Rezeption, bessere Sanitäreinrichtungen und Barrierefreiheit stehen für den 60er-Jahre-Bau auf dem Wunschzettel. Den Vorwurf, der DJH investiere nur in die lukrativen Standorte in Großstädten und lasse die klassischen Jugendherbergen auf dem Land den Bach runter gehen, weist Rosner vorsorglich zurück: Lediglich acht der 51 Jugendherbergen im Land liegen in Großstädten. In den vergangenen Jahren habe der DJH auch in ländliche Standorte investiert. Er räumt ein, dass die Erwartungen, die der Vorstand an eine finanzielle Beteiligung der Kommunen stellt, auch von der wirtschaftlichen Attraktivität der Standorte abhängt. Und dabei scheint der Göppinger Hausberg nicht in der ersten Liga zu spielen. Auch die Auslastung sei mit nur 20 Prozent "jenseits von gut und böse", so Karl Rosner. Sei Januar hat das Haus auch keine festen Herbergseltern mehr. Derzeit wird es von zwei langjährigen Mitarbeiterinnen geführt. Das funktioniere gut, sagt Rosner. Personelle Entscheidungen werde der DJH aber erst fällen, wenn die Zukunft der Hohenstaufener Herberge klar ist.

In Singen und Bonndorf hat der Jugendherbergsverband vor wenigen Wochen zwei weitere Herbergen geschlossen - "vor dem Hintergrund der hohen notwendigen Investitionen und der wirtschaftlich schwierigen Lage der beiden Häuser", wie es hieß.

Zahlen und Fakten zur Jugendherberge Hohenstaufen

Übernachtungen: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Jugendherberge in Hohenstaufen gut 8000 Übernachtungen. Das waren 2000 weniger als im Jahr zuvor. Für 2015 erwartet der Verband aber wieder steigende Zahlen, so der Geschäftsführer.

Klientel: Die größte Gruppe der "Juhe"-Nutzer auf dem Hohenstaufen sind mit gut 40 Prozent Schulklassen - vor allem Kinder von Grundschulen und aus der Sekundarstufe I. Beliebt ist die Herberge auch bei Freizeitgruppen wie Musikvereinen und Sportvereinen. Sie summieren sich auf 38 Prozent der Nutzer. Familien und Wanderer sind seltener vertreten.

Auslastung: Die Auslastung in Hohenstaufen liegt mit 20 Prozent klar unter dem Landesdurchschnitt von 37 Prozent.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ärger über Bahn: Warten auf Züge, Warten auf Erklärungen

Trotz der Zusage seitens des Ministeriums und der Bahn wartet ein Pendler seit Wochen auf Informationen. Auch die Abgeordneten wissen nichts. weiter lesen