Filmsetting am Kornberg

Ein spannend verpacktes Lehrstück – nicht nur für Jugendliche – legen die Filmemacher aus der evangelischen Kirchengemeinde in Heiningen vor.

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Filmcrew im Heininger Gemeindehaus: „Mega Spaß und mega Arbeit“ war ihr Film über die Sucht nach virtuellen Welten.  Foto: 

Der ökumenische Gemeindesaal in Heiningen wird zum Kinosaal. Nicht zum ersten Mal. Hier hat ein Filmteam um Fabian Hick, Hosea Hauff und Christopher Krall schon einmal eine Eigenproduktion präsentiert. Sie bekamen dafür einen Preis. Jetzt  gibt es einen zweiten Film. „Das war vorher gar nicht so klar“, sagt Hosea Hauff. Die Macher haben die alte Mannschaft zusammengetrommelt und neue Mitstreiter gefunden. Um die 20 waren sie. Die Hauptdarsteller haben sie von außen geholt, mit Casting. Wie schon beim ersten mal. Und zusammen haben sie sich eine Menge einfallen lassen.

Das Pfarrhaus war der logistische Anker. Die gesamte Pfarrfamilie war eingespannt: Die Söhne Hosea und Dominic vor und hinter der Kamera, Samuel hatte mit gerade sieben Jahren eine Rolle. Elia beköstigte mit Vater und Mutter die Crew. Für Pfarrer Reinhard Hauff war die Zeit „am Setting“ aufregend, aber nicht so ungewöhnlich. „Ich habe früher viel Jugendarbeit gemacht.“ Bemerkenswert findet der die Altersspanne des Teams von etwa 14 bis 20 Jahren. „Das sind schon Unterschiede.“ Sein jüngster Sohn nahm den Trubel recht gelassen.

13 Drehtage haben sie absolviert, schon letzten Sommer. Das waren lange Tage am Albtrauf, oberhalb von Gammelshausen in Höhe der Serpentinen. Und manche haben noch die halbe Nacht lang den nächsten Tag vorbereitet, berichtet der Pfarrer. Toll fanden sie das, spannend und ganz schön knackig. „Mega Spaß, auch mega Anstrengung“, sagt Franziska Kirchschläger, die hier Erfahrung in der Filmproduktion sammelte und sich überlegt, Medienproduktion zu studieren. Den Albtrauf bei Gammelshausen kannte die Tübingerin noch nicht. „Idyllisch“, sagt sie.

Eine dreiviertel Stunde hält der Film „Escape“ – Flucht – die Zuschauer im Gemeindehaus in Atem. Mit Action und Dialogen, mit einem Wechselbad von Entdeckerfreude und Alptraum.  Wie sich das Unheil anbahnt: Weil Theo, der mit Lukas und Juna an einem Computerprojekt arbeitet, ein Teil fehlt, geht er rüber in die Werkstatt seines Vaters. Die anderen folgen ihm, was ihm gar nicht so recht ist. Sie entdecken eine Computerwerkstatt für virtuelle Welten. Die Neugier siegt. Sie setzen die Helme auf.

Wo sind wir? Vor den Welt-Reisenden liegt ein Waldstück. Die Sonne lacht vom Himmel, Vögel zwitschern. Sind sie noch in Gottes schöner Welt?  „Das ist alles  nicht echt“, staunt Juna. Nicht echt sind auch die Kampfanzüge, in denen sie plötzlich stecken. Auch nicht die zwei clownesken Sommerfrischler, die vor ihnen auftauchen und kryptisches Zeug reden. Aber halt, in ihren Worten verbergen sich Hinweise. Die drei Freunde stoßen auf einen Koffer. Sie knacken den Verschluss-Code. Eine Pistole kommt zum Vorschein.

Game on, der Tanz beginnt. Plötzlich muss Juna vermummte Angreifer abknallen. Geheimnisvolles findet sich zwischen Scharmützeln am Waldrand.  Ein Schachspiel, eine Sanduhr. Dann sind sie plötzlich in einem Zimmer mit Klavier. Sie stöbern rum. Wo ist der Code, um wieder rauszukommen?

Sie schaffen es. Aber nein, täglich grüßt das Murmeltier. Sie sind wieder im Wald. Wieder die Angreifer mit Gewehrsalven. Juna schießt sie ohne Zucken nieder. Dann der Schreck: Sie trifft ein Mädchen, es könnte sie selber sein. „Die ist nicht echt“, beruhigt Lukas sie. Und wenn doch?

Stress. Alles dreht sich im Kreis. Theo benimmt sich komisch. Der immergleiche Wald, die clownesken Typen mit ihren feinsinnigen gedrechselten Sprüchen. „Wir müssen das Spiel zu Ende spielen“, glaubt Juna genervt. Und dann findet Lukas auf irgendeiner virtuellen Ebene noch einen, der etwas zu wissen scheint: einen Jungen, der vor einem Schachbrett sitzt. Sie spielen. Und aus seinen sprachlichen Spiel-Zügen, was er sagt und was er nicht sagt, kommt Lukas auf den Trichter:  Aufhören, aussteigen!  Nur wer nicht mehr mitspielt, kommt raus aus dem Spiel. „Leg die Waffe weg“, sagt er Juna, die jetzt in einem Treppenhaus mit Angreifern kämpft.

Viel dazugelernt

Das ist eine Botschaft von großer Reichweite. Sie passt zu Jugendproblemen, aber auch zu vielen Lebenslagen. Von den Mitwirkenden am Film kann man hören: „Ich war schon in einer Situation, wo ich raus wollte.“ Für Regisseur Hosea Hauff, der jetzt Philosophie studiert, steckt darin ganz viel Philosophie. „Stopp sagen, wenn man in Strukturen steckt, in denen man sich nicht bewegen will.“ Leg die Waffe weg – das vertritt Pfarrer Hauff in seiner Friedensarbeit: Ohne Rüstung Leben.

Die Filmtechniker Fabian Hick und Christopher Krall ziehen Resümee.  „Wir haben sehr viel dazugelernt.“ Wenn Krall zurückgedenkt, findet er den ersten Film „grottig“.  Bürgermeister Norbert Aufrecht bestätigt ihnen, dass sie viel besser geworden seien bei Kameraführung und Ton. Der Schultes muss es wissen. Er hatte beim ersten Film eine Rolle als Gangster und  ist ein ausgesprochener Kinofan.

Pannen Da steckte mal der VW-Bus fest  und mal das Wohnmobil, die man  zum Dreh im Wald brauchte. Da röhrte mal ein Generator so laut, dass man ihn wieder abschaltete. Was das Problem aber nicht löste. Man brauchte Stromversorgung und behalf sich mit einem schwachen Akku, der immer wieder halbstündige Pausen erzwang.

Ton Blöd war, dass mal ein Motorrad die Serpentinen nach Gruibingen hinaufknatterte und eine Aufnahme versaute.  „Das kriegst du nicht mehr raus“, sagt Techniker Krall, „das ist dieselbe Tonlage  wie eine Männerstimme.“

Klappe Manchmal klappt’s einfach nicht. Eine Szene brauchte 15 Anläufe, bis sie im Kasten war.

Musik  So viel Nachbearbeitung: Joshua Wagner aus Eschenbach dachte, mit sechs Stunden sei es getan mit der Musik im Film.  Es wurden dann fünf Tage.

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