Fiechtner verärgert AfD-Basis

Die AfD im Kreis ärgert sich über die mangelnde Präsenz ihres Landtagsabgeordneten Heinrich Fiechtner. Auch anderswo eckt der 56-Jährige an.

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Seit gut einem Jahr ist der Stuttgarter Onkologe Dr. Heinrich Fiechtner Landtagsabgeordneter der AfD im Wahlkreis Göppingen. Der heute 56-Jährige hatte bei der Wahl am 12. März 2016  17,4 Prozent der Stimmen erreicht. Doch der Jubel an der AfD-Basis ist der Ernüchterung gewichen. Denn Heinrich Fiechtner macht sich rar im Wahlkreis.  „Wir sind sehr enttäuscht, dass er so wenig Präsenz zeigt. Wir haben uns damals mehr versprochen. Wir wünschen uns einen engeren Kontakt und dass er über seine Arbeit als Abgeordneter berichtet“, sagte der AfD-Kreisvorsitzende und Bundestagskandidat Volker Münz aus Uhingen am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung.

Am Anfang habe man noch Verständnis für die seltenen Auftritte im Kreis gehabt– schließlich sei Fiechtner Arzt und gehöre auch dem Stuttgarter Gemeinderat an. Doch als sich nichts änderte und Fiechtner auch seine Ankündigung, ein Wahlkreisbüro zu eröffnen,  nicht in die Tat umsetzte, wurden im Kreisverband die Zweifel stärker. Für zusätzlichen Ärger an der Basis sorgte, dass Fiechtner sich im Wahlkreis 295 (Zollernalb/Sigmaringen) als Bundestagskandidat bewarb. Im Januar wurde der Stuttgarter nominiert. Eine Absprache mit dem Kreisverband in Göppingen habe es „in keinster Weise“ gegeben, kritisiert Volker Münz. Man sei ohnehin „verwundert gewesen, dass Herr Fiechtner dort überhaupt kandidiert“.

Inzwischen herrscht auch auf der Alb großer Unmut – unter anderem  weil Fiechtner nach seiner Nominierung kaum Präsenz im Wahlkreis gezeigt habe. Entsprechend groß ist bei Volker Münz das Verständnis für seine Parteifreunde in Sigmaringen, die Fiechtner als Kandidaten wieder los werden wollen. Am 29. Juni soll ein neuer Bewerber nominiert werden. Den Noch-Kandidaten für die Bundestagswahl erreichte die Nachricht einer Mehrheitsentscheidung der beiden Kreisvorstände am Dienstag per E-Mail. Als Begründung werden mehrere Punkte aufgelistet. Da ist zum einen die Normenkontrollklage, die  Fiechtner als Landtagsabgeordneter gegen die eigene AfD-Fraktion angestrengt hatte.

Auch Fiechtners Forderung nach einer Gesundheitskarte für alle ins Land gekommenen Ausländer und Asylsuchenden sei „nicht konform mit dem Wahlprogramm der Alternative für Deutschland“, heißt es in der Mail. „Die E-Mail hat mir meinen Tag nicht gerade versüßt, ihn mir aber auch nicht völlig vergrätzt“, erklärt Fiechtner auf Nachfrage unserer Partnerzeitung, dem „Zollernalbkurier“.  Klar sei für ihn, dass er seine Abberufung nicht akzeptieren werde, betontz Fiechtner. „Zumal das aus meiner Sicht parteirechtlich so gar nicht geht“. Er sei als streitbar bekannt und werde sich auch in diesem Fall zur Wehr setzen.

Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe kontert er mit Vorwürfen in Richtung Kreisvorstände: Eine Partei wie die AfD, die ständig die Fahne der Rechtsstaatlichkeit hochhalte, könne doch nicht plötzlich selbst dieses Grundprinzip einer Demokratie außer Kraft setzen. Kann sie doch, ist sich die stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands Sigmaringen, Andrea Zürcher, sicher. „Zumal gegen die Wahl Dr. Fiechtners schon vor längerer Zeit eine innerparteiliche Klage angestrengt wurde.“ Inzwischen habe das AfD-Schiedsgericht die Nominierung Fiechtners für ungültig erklärt. Die Aufstellung eines neuen Bewerbers ist offenbar auch deshalb möglich, weil die Unterlagen noch nicht beim Bundeswahlleiter liegen.

Volker Münz will Fiechtner auch künftig zu Veranstaltungen einladen. „Ich sehe mich da als Brückenbauer, ich bin kein Hardliner und haue nicht mit dem Holzhammer drauf“, sagt Münz. Den Bundestagswahlkampf werde man „mit der ohne“ Fiechtner machen. Münz will auf jeden Fall seine eigene Handschrift deutlich machen. Mit Fiechtner will der  Kandidat Münz, der Platz acht der Landesliste belegt, „nicht in einen Topf geworfen werden“.

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