Feuerwehr beklagt sinkende Zuschüsse

Zwei Probleme standen im Vordergrund des Kreisfeuerwehrtags am Sonntag in Gruibingen: Die Landeszuschüsse für Fahrzeuge und Magazine sinken massiv, die Bahnbaustellen beanspruchen die Feuerwehr.

|
Tunnelbau für den ICE bei Hohenstadt: Landrat Edgar Wolff bemängelt, dass die kleinen Feuerwehren im Kreis für diese Baustellen weder personell noch materiell ausgestattet seien.  Foto: 

Hausaufgaben gab die Feuerwehr am Sonntag den Bundes- und Landtagsabgeordneten aus dem Kreis mit auf den Weg, die wie gewohnt vollzählig zur Delegiertenkonferenz des Kreisfeuerwehrtages gekommen waren. Namens der Kollegen versicherte die SPD-Bundestagsabgeordnete der Feuerwehr ihre Wertschätzung. Die ist nun gefragt. Kreisbrandmeister Prof. Michael Reick, der Verbandsvorsitzende der Feuerwehr im Kreis, Werner Nagel, und Landrat Edgar Wolff beklagten unisono, dass die Feuerwehr statt früher 70 nur noch unter 50 Prozent Zuschüsse für Projekte bekomme. Somit könnten nur drei von zehn Investitionen in diesem Jahr getätigt werden, wenns gut laufe vier. Die Drehleitern für die Göppinger und Geislinger Wehr sowie der Anbau an das Eschenbacher Magazin, der das Umziehen in der Fahrzeughalle beenden soll. "Das ist eigentlich gar nicht mehr zulässig", so Nagel.

Kein einziges Löschfahrzeug sei in Bezuschussung, "das kann so nicht mehr gehen", ärgerte sich Reick. Grund: Von 54,3 Millionen Einnahmen aus der Feuerschutzsteuer, die eigentlich zweckgebunden seien, würden vier Millionen der Feuerwehr entzogen, kritisierte Nagel. Das werde abgegriffen und überwiegend für den Landeshaushalt verwendet, zum kleineren Teil für den Katastrophenschutz. Die Quote von weniger als 50 Prozent Zuschüsse "wird schmerzen". Landrat Wolff appellierte: "Das darf nicht dauerhaft so bleiben."

Wolff hatte auch eine Mahnung an Bund, Land und Bahn: Die kleinen Wehren seien für die Brandbekämpfung an den Tunnelbaustelen "weder personell noch materiell ausgestattet". Zweimal habe es schon Baggerbrände gegeben, berichtete der Kreisbrandmeister, einmal in 600 Metern Tiefe im Zugangsstollen im Umpfental bei Gruibingen. Damit sei die Feuerwehr ebenso fertig geworden wie bei einem Brand an der Baustelle bei Hohenstadt. Sein Ausblick: Die Ausbaustufe der Tunnel, die auf den laufenden Rohbau folgen werde, sei für die Feuerwehren noch kritischer.

Landrat Wolff macht auch die hohe Arbeitsbelastung seines Kreisbrandmeisters Sorgen, der zwei Tage in der Woche mit den ICE-Baustellen im Kreis und darüber hinaus beansprucht ist. Auf die Feuerwehren sieht er eine neue Großaufgabe zukommen, wenn der Weiterbau der A 8 am Albaufstieg beginne. Der sei überfällig, das Landratsamt habe sich dafür auch vor vier Wochen mit einem Brief an Bundesverkehrsminister Dobrindt eingesetzt.

Nachlese zum letzten Feuerwehrtag wurde auch betrieben: Der damals von der Feuerwehr kritisierte Stillstand bei der Organisation von Feuerwehrausbildung auf Kreisebene ist schon kräftig abgearbeitet worden, berichtete Wolff. Ein krankheitsbedingter Ausfall im Landratsamt war die Ursache. Im letzten Jahr gabs noch zwölf Lehrgänge, in diesem Jahr schon neun. Bis Jahresende soll alles nachgeholt sein. "Das läuft gut", bestätigte auch der Kommandant der Gruibinger Wehr, Frank Burr.

Dickes Lob für Zuverlässigkeit

Die Gruibinger Wehr bekam vom Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzenden Nagel ein dickes Lob für ihre "Zuverlässigkeit und Beständigkeit". Mit nunmehr drei Kreisfeuerwehrtagen liege sie gleichauf mit der Wehr aus Salach. Die wird 2017 wieder davonziehen: Sie bekam gestern den Zuschlag für diesen Kreisfeuerwehrtag.

"Keine Angst - die Ziegen sind im Stall": Der Gruibinger Bürgermeister Roland Schweikert nutzte die Gelegenheit, den aktuellen Bürgerprotest gegen die Blechlawine wegen der Sperrungen am Lämmerbuckel-Tunnel in die Politik zu tragen. "Ich finde es bedenklich, wenn der Eindruck erweckt wird, dass sich erst etwas bewegt, wenn die so genannten Wutbürger aufstehen." Seine Bitte an die Abgeordneten: "Wir müssen auf den Dialog zurückkommen." Auch die Polizeireform war Thema. Der Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzende begrüßt den "neuen Ton" vom Polizeipräsidenten Nill in Ulm, dass man mit und nicht übereinander reden wolle. Der für Gruibingen zuständige Leiter des Geislinger Polizeireviers, Manfred Malchow, bekundete in seinem Grußwort eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, beklagte aber einen "staatlichen Autoritätsverlust: Wir erleben Gewalt gegen den Staat und seine Bedienstete".

Zu den zahlreichen Geehrten beim Kreisfeuerwehrtag gehörten Hans-Michael Rieger, beim Landratsamt lange Jahre zuständig für Feuerwehrausbildung, der scheidende Uhinger Kämmerer Manfred Epping und "Tausendsassa" Hans-Peter Maichle aus Geislingen, der immer zur Stelle sei, wenn es um die Feuerwehr gehe, so Nagel. Sie bekamen sie Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands in Silber.

 Bahn prüft mehr Tunnelbau mit Maschine 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Räuber schießt auf Verkäuferin in Geislingen

Ein Mann hat am Freitag einen Lebens­mit­telladen in Geislingen überfallen und die Besitz­erin mit Schüssen verletzt. weiter lesen