Feinschliff für junge Talente

Seit gestern erhalten 18 hochbegabte Musiker aus aller Welt Meisterkurse auf Schloss Filseck. Noch bis Sonntag proben die jungen Talente auf der Violine und am Flügel. Zuschauer sind dabei willkommen.

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Der Schüler aus Kolumbien und die Professorin aus Berlin: Nora Chastain und Iván Orlín Ariza bei den Meisterkursen auf Schloss Filseck, die noch bis morgen dauern und für Publikum offen sind. Foto: Cornelia Villani

Adas Finger fliegen über die Tasten, ihre schulterlangen Haare schwingen. Friedemann Rieger steht neben dem Flügel und beobachtet ihre Hände. Nach einigen Sekunden stoppt die junge Frau. "Weißt du, welche Grunddynamik an dieser Stelle vorgeschrieben ist", fragt Rieger. Ada lächelt ertappt: "Ja, piano." Rieger nickt schmunzelnd: "Genau, und du spielst forte!" Also wiederholt die 19-Jährige die Passage, dieses Mal leiser. Professor Rieger nickt wohlwollend.

Ada Aria Rückschloß aus Gammelshausen ist eine von 18 jungen Musikern, die an diesem Wochenende an den internationalen Meisterkursen auf Schloss Filseck teilnehmen. Zum sechsten Mal konnte der Verein "Musik auf Schloss Filseck" dafür die Professoren Friedemann Rieger für Klavier und Kammermusik und Nora Chastain für die Violine gewinnen. Beide sind weltweit anerkannte Koryphäen auf ihrem Gebiet. "Wer diese Meisterkurse in seinem Lebenslauf erwähnen kann, ist bei Bewerbungen klar im Vorteil", sagt Gerald Buß. Durch seine persönliche Freundschaft mit beiden Professoren habe das Arrangement vor sechs Jahren begonnen, erzählt der künstlerische Leiter des Vereins. "Mittlerweile hat sich unsere Veranstaltung etabliert." Über 50 Bewerbungen seien eingegangen. Chastain und Rieger suchten mittels Hörproben insgesamt 18 Musiker aus. Darunter viele Talente aus Deutschland, aber auch aus Japan, Bolivien, Italien, Portugal und Taiwan.

Aus Madrid ist Iván Orlín Ariza angereist. Der 17-jährige Kolumbianer studiert mittlerweile in Spanien und trat schon als Solist mit Orchester auf. Gerade spielt er auf seiner Violine eine Sonate von Eugène Ysaye. Nora Chastain unterbricht ihn: "Achte auf die Finger deiner linken Hand", mahnt sie ihn auf Englisch, "wenn du deren Ablauf harmonischer hinbekommst, nimmst du viel Spannung aus deinem Spiel." Freundlich und ruhig instruiert die Professorin aus Berlin ihren Schüler, spielt ihm Passagen vor, zeigt ihm Übungen für die Finger und lobt ihn immer wieder für seine Darbietungen. Darüber freut sich Iván sichtlich. Ein kleines Lächeln huscht über sein sonst sehr angespanntes Gesicht. Chastains Anweisungen saugt er mit hoher Konzentration auf. Nach jedem Missgriff verzieht er das Gesicht und setzt den Bogen sofort erneut an.

Genauso konzentriert und lernfähig zeigt sich Ada einige Räume weiter. "Spiel diese Stelle humoristischer", lautet Riegers Anweisung für eine Passage in Sergej Prokofjews zweiter Klaviersonate, "das ist Tanzmusik und muss auch so klingen." Ada solle sich vorstellen, ihre rechte Hand wie eine lustige Posaune klingen zu lassen, die linke wie ein Fagott. "Sehr gut", lobt sie der Stuttgarter Professor einige Sekunden später und klatscht im Takt mit. "Das sind alles hochbegabte junge Leute und angehende Profis", sagt Rieger. Nach Schloss Filseck komme er immer wieder gerne. Wegen des hohen Anspruchs, den die Musiker erfüllen, und wegen der tollen und familiären Organisation. So wurden zum Beispiel alle 18 Musiker im Raum Göppingen von Gastfamilien aufgenommen.

Auch die jungen Ausländer, die mit einem Elternteil angereist sind. Paolo Tagliamentos Vater sitzt im Zuschauerraum, während sein Sohn bei Nora Chastain vorspielt. Der 17-jährige Italiener schwingt den Bogen leidenschaftlich und ohne Fehler. "Sehr gut, das hat mir gefallen", lobt auch die Professorin. Und erklärt dann doch einiges, an dem Paolo arbeiten solle.

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