Federspiel überzeugt mit federleichtem Spiel

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Alpenländische Blasmusik, zeitgenössisch und witzig interpretiert, erlebten die Besucher beim Konzert des Wachauer Bläserseptetts Federspiel in der Bürenhalle in Wäschenbeuren.  Foto: 

Schon bei den ersten Klängen des österreichischen Bläserseptetts Federspiel in der Bürenhalle in Wäschenbeuren (das Konzert war von Schloss Filseck wegen des schlechten Wetters verlegt worden) war klar: Was diese Musiker (Simon Zöchbauer, Philip Haas, Fréderíc Alvarado-Dupuy, Ayac Iuan Jiménez Salvador, Matthias Werner, Thomas Winalek und Roland Eitzinger) auf der Bühne hervorzaubern, entzieht sich jeglicher akademischen Analyse, der musikalische Seziertisch bleibt zusammengeklappt.

Und es zeigte sich wieder einmal, dass Kreativität und Spontanëität Markenzeichen des Sommerfestivals auf Schloss Filseck sind. Natürlich kam auch diese Musik nicht aus luftleerem Raum. Sie ist in der alpenländischen Blasmusik verwurzelt – einer trug immerhin eine Alibi-Lederhose. Der Jodler, die Gstanzln, der Dreigesang und die Zither haben bei ihnen ihren ehrenvollen Platz. Aber schon da stockt der Rezensent: Sie musizierten die traditionellen Weisen so ungemein inbrünstig, dass man doch den Schalk zwischen den Notenzeilen hervorzwinkern sah.

Bei Federspiel sind musikalische Magier am Werk; sie zerlegten die heimischen Klänge, verwandelten sie und verbanden sie mit vielerlei anderen Stilen zu etwas überraschend Neuem. Das Federspiel von Federspiel wirkte durch und durch spontan, witzig, federleicht eben. Nirgends ging das auf Kosten der Präzision. Denn hier musizierten sieben gestandene Profis auf ganz hohem Niveau. Mit diesen Mischungen, von ihnen „Spiegelungen“ genannt, erreichten sie nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen der begeisterten Festival-Besucher. Man kam von einer Verblüffung zur andern.

Aus einem rhythmischen Fundament erhoben sich Melodien mit Anklängen an Lateinamerikanisches, Jazz, Irisches, Klezmer, Balkan, Skandinavien. Diese Experimente arteten aber keineswegs in Chaos aus; jedes Stück hatte sein eigenes Gesicht. Zwar waren nur sieben Musiker (sechs Blechbläser und ein Klarinettist) auf der Bühne, tatsächlich schöpften sie aber aus dem Vollen: 18 Instrumente (inklusive Gesang) waren im Einsatz, deren technische Möglichkeiten oft recht unkonventionell genutzt wurden.

Einige Male erfuhr man dann doch etwas über die Entstehung eines Stücks: etwa die chaotische Hetze in einer Großstadt wie New York (15-Achtel-Takt!). Oder das Märchen vom unglücklich liebenden Zinnsoldaten von Hans Christian Andersen. Auch der Dudler eines Apfelbauern erklang, dessen Urururenkel angeblich auf der Bühne standen, oder war’s doch ein Hochzeitshymnus aus Zentral-Thailand? Wunder über Wunder, so dass das Fazit nur lauten kann: „Wow!“ oder (genauer) „Heidanai!“.

Programm Kaum eröffnet, biegt das Sommerfestival auf Schloss Filseck auch schon fast wieder auf die Zielgerade ein – und nimmt dabei nochmal Fahrt auf. Nach dem gestrigen „Messiah“ in der Oberhofenkirche (Besprechung morgen) werden in der zweiten Festivalhälfte wieder die Musikstile kunterbunt gemischt: Heute darf man auf vorzüglichen Jazz aus dem Landkreis mit dem Jazz Circle GP hoffen, morgen gibt die A-cappella-Gruppe Slixs Weltmusik, Klassik, Jazz, Pop und Funk zum Besten, bevor am Samstag Cara irische Balladen und temperamentvolle Tänze präsentiert. Im Finish am Sonntag könnte es dann nochmal spannend werden: Beim Schlusskonzert mit Kompositionen von Edward Elgar und Samuel Barber sind das Festivalorchester und die Sopranistin Gundula Peyerl zu hören. Und obendrauf gibt es für das Publikum und die Musiker das traditionelle Feuerwerk.

Tickets Das Kartenbüro ist außer sonntags täglich, 9 bis 11 Uhr, geöffnet, Tel. (07161) 50 41 405. Karten gibt es auch bei i-Punkt im Rathaus Göppingen und bei Mode-Frey in Uhingen.

Wetter Bei Regen finden die Konzerte in der Bürenhalle in Wäschenbeuren statt. Die Entscheidung, wo gespielt wird, fällt gegen 14 Uhr (www.schloss-filseck.org). Ein Wettertelefon ist geschaltet unter (07161) 2909-78 oder -79. maz

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