Falke von Modellflug-Helikopter tödlich getroffen

Dramatischer Vorfall bei Dürnau: Ein Modellflug-Helikopter ist mit einem Falken zusammengestoßen, ein Augenzeuge spricht von einem gezielten Angriff. Der Falke musste eingeschläfert werden. Mit einem Kommentar von Jürgen Schäfer.

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Nach dem Zusammenprall mit einem Modellflug-Helikopter: Der schwer verletzte Falke in einer Wiese beim Gewerbegebiet Dürnau. Der Greifvogel musste eingeschläfert werden.  Foto: 

Der 31. Oktober war ein grausiger Tag für Falkner Jürgen Schuster aus Maitis. Er ließ einen seiner Falken zur Jagd zwischen Dürnau und Bad Boll aufsteigen, mit einem Peilsender verfolgte er den Flug. Der Vogel zog über Dürnau zur freien Landschaft Richtung Gammelshausen. Dort hat ihn ein Spaziergänger gesehen, der täglich mit seinen Hunden unterwegs ist und sich seit längerem ärgert über „aggressive Modellflieger am Gewerbegebiet Dürnau.

Auch an diesem Tag seien zwei geflogen, einer mit Helikopter. Zu seinem Entsetzen sah der Spaziergänger, wie der Falke von dem Helikopter „abgeschossen“ worden sei. Die genauen Umstände will er jetzt nicht schildern, weil dies noch Thema vor Gericht werden könnte.

Falke stürzt verletzt vom Himmel

Der Falke stürzte vom Himmel und blieb im Gras liegen. Daraufhin hätten die beiden Modellflieger türmen wollen, sagt der Augenzeuge. Er habe sie zur Rede gestellt und unter anderem zur Antwort bekommen: Ein Vogel sei doch nur eine „Sache“. Der Helikopter-Besitzer sei dann aber dageblieben.

Anders gehört hat das Michael Winkler, der ein Stück Wiese am Industriegebiet gepachtet hat und einigen wenigen Modellflug-Freunden dort Starts erlaubt – darunter dem Unglücks-Piloten. Der habe ihn unmittelbar nach dem Zusammenstoß angerufen und gefragt, was er tun solle. Winkler: „Melde es der Polizei.“

Daraus ist dann offenbar nichts geworden. Der Spaziergänger aus Dürnau, ein Nabu-Mitglied, ergriff die Initiative. Er wollte den Vogel, der „relativ malad“ am Boden lag, in die Hände nehmen. Aber der Vogel drehte ihm den Schnabel zu, und so legte er ihn in seine Steppjacke. Dem Helikopter-Pilot gab er seine Handynummer.

Wohin bringt man einen verletzten Falken? Der Dürnauer rief von zuhause bei der Polizei in Heiningen an. Die fand heraus, dass es die Tierrettung Mittlerer Neckar in Aichschieß gibt. Das sind gut 40 Kilometer. Der Dürnauer machte sich auf den Weg.

Falkner fährt dem Peilsender des Vogels nach

Derweil war Falkner Schuster am Unglücksort eingetroffen, er war höchstens 1000 Meter entfernt gewesen, und fand statt seines Vogels den Modellflieger vor. Was er erfuhr – Falke mit Helikopter kollidiert – hätte er „nicht für möglich gehalten“. Schuster versuchte, den unbekannten Helfer aus Dürnau anzurufen, aber der ging nicht ans Handy. Dann fuhren sie dem Peilsender des Vogels hinterher, Schuster setzte sich zum Modellflugzeug-Piloten ins Auto. Sie irrten in Dürnau herum, dann zeigte das Signal, dass sich der Helfer wieder in Bewegung gesetzt hatte.

Für Schuster war es eine Odyssee, die ihn fast zur Verzweiflung brachte. Das Signal fiel unterwegs auch mal aus – schlechter Empfang. Schuster verhehlt nicht, dass er „einen Brass“ auf den Helfer hatte – der hätte doch bloß auf den Peilsender kucken müssen, dort stand Name und Telefonnummer des Falkners. „Es war eine Ewigkeit“, sagt Schuster, bis sie in Aichschieß waren. Dort hatte wenigstens die Ungewissheit ein Ende. Aber der Schock blieb dem Falkner nicht erspart. „Der rechte Flügel hing nur noch an einem Faden.“ Er musste den Vogel zum Einschläfern bringen. Der hatte auch viel Blut verloren, sagt der Dürnauer Helfer.

Wars ein Unglück oder Vorsatz? Die Darstellung des Augenzeugen stößt auf Widerspruch: „Mir ist ein Vogel ins Modell geflogen“ – so hat es Winkler vom Unglückspiloten gehört. Winkler sagt: „Ich kenne diese Person. Der tut das nicht.“ Falkner Schuster will sich mit seinem Anwalt beraten. Es geht auch um viel Geld – ein Falke hat seinen Preis. Strafrechtlich sei der Fall nach jetzigem Stand nicht relevant. Dazu müsste es den Nachweis einer absichtlichen Tat geben. Der Falkner sagt auch etwas „zur Ehrenrettung“ des Unglückspiloten: „In punkto Hilfe nach dem Unglück hat er sich vorbildlich verhalten.“

Konflikt um Modellflugbetrieb

Interessengemeinschaft: Der tödlich getroffene Falke bringt einen Konflikt zum Vorschein: Um den Modellflugbetrieb am Gewerbegebiet Dürnau schwelt schon länger ein Streit. Der Augenzeuge des Absturzes versteht sich auch als Sprecher einer Interessengemeinschaft, die schwere Vorwürfe gegen die Modellflieger erheben.

Vorwürfe: Die Modellflieger versuchten Spaziergänger mit „Tiefflugattacken“ zu vertreiben, sie versuchten Greif- und Rabenvögel zu vertreiben und zu jagen. Gespräch Michael Winkler, der dort eine Modellflugschule betreibt, weist dies entschieden zurück. Bürgermeister Buchmaier hat beide Parteien zu einem Gespräch gebeten. Wenn das nichts bringe, so Winkler, werde er Verleumdungsklage erheben.

Ein Kommentar von Jürgen Schäfer: Tragischer Fall mit Zündstoff

Man mag sich gar nicht vorstellen, dass ein Mensch mit einem Modellflugzug einen Vogel "abschießen" will - das wäre kriminell. Ob das in Dürnau geschehen ist, wissen wir nicht. Da steht Aussage gegen Aussage - selbst für ein Gericht könnte das schwierig zu entscheiden sein. Glück im Unglück: Diese Kollision war ein seltener und vielleicht einmaliger Fall. Der altgediente Falkner Jürgen Schuster aus Maitis hat das in mehr als vier Jahrzehnten nicht gehört. Auch nicht der Modellflug-Profi Michael Winkler aus Dürnau, der seit 35 Jahren fliegt. Und wem es je in den Sinn kommt, Vögel abzuschießen, mag gewarnt sein: Seine Maschine ist dann Schrott, Ärger ist ihm gewiss. In dem Fall steckt Zündstoff. In Dürnau gibt es Protest gegen eine neue Flugschule, die offenbar auch andere Modellflieger in diese schöne Ecke lockt. Eine Interessengemeinschaft tut alles, den Modellflugbetrieb wieder abzuwürgen. Auch hier stehen schwerwiegende Vorwürfe im Raum: dass unter diesen Modellflieger mehr schlechte als rechte seien, die Menschen mit Tiefflug terrorisierten und Vögel jagten. Der Dürnauer Bürgermeister wird es nicht leicht haben, die Vorwürfe aufzuklären und die Wogen zu glätten. Wenn die Beschwerden stimmen, muss man handeln. Wenn nicht, müssen sich die Gegner mit dem Modellflugbetrieb abfinden. Der gehört zur Freizeit in der Natur und freut auch viele Spaziergänger.

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Kommentare

26.11.2014 17:30 Uhr

Antwort auf „Ich lach mich tot!”

Nur zu Ihrem letzten Satz, der von Unkenntnis zeugt:
Eichhörnchen jagt in Deutschland höchstens der Uhu, Singvögel im Garten der Sperber. Ein Wanderfalke - wie der im Artikel - jagt nur fliegende Beute im hohen Luftraum.
Eichhörnchen fressen allerdings liebend gern junge Singvögel.

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26.11.2014 09:02 Uhr

Hysterie...

... aller Orten!

Es scheint, die Deutschen haben keine anderen Sorgen und bei etwas mehr gegenseitiger Rücksichtnahme ( was ist das noch bitte? ) wären manche Streitereien vermeidbar...

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26.11.2014 01:59 Uhr

Ich lach mich tot!

Da sind zwei mit ihren Hobbys kollidiert, Der eine jagte mit seinem Falken Vögel und anderes Kleingetier und wahrscheinlich auch den Modllflieger, der andere fliegt mit seinem Modell zur seiner Freude, mit dem er schon aus Haftungsgründen Vorsicht walten lässt, denn nur eine spezielle Modellflugersicherung deckt Haftungsrisiken ab. Kein Modellpilot geht fahrlässig ein Risiko ein. Daß der Falke bei dieser Kollision den Kürzeren gezogen ist sein Pech. Diese Biester sind, seit sie die Eichhörnchen und Singvögel in meinem Garten drastisch dezimiert haben, nicht mehr meine Freunde.

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