Fachkräftemangel bremst Expansion

Das Ebersbacher Familienunternehmen Buchele hat sich von einer Schlosserei zum weltweit agierenden Hersteller von Spezialtüren und -toren entwickelt.

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Ralf und Jürgen Buchele leiten mit ihrem Bruder Werner das Familienunternehmen in vierter Generation.  Foto: 

Türen und Tore der Ebersbacher Firma Buchele GmbH tragen den Namen des seit 107 Jahren bestehenden Familienbetriebs in die weite Welt. Antarktis-Forschungsstationen, die Oper in Oslo, das Nationalmuseum in Katar, Rundfunk- und Fernsehstudios im Oman, namhafte Automobilfirmen in China, die Philharmonic Hall in Luxemburg: Sie alle haben speziell angefertigte Stahltüren aus Ebersbach.

Auch bei der Anwendung und Gestaltung sind der Phantasie Tür und Tor geöffnet. XXL-Tore, automatische Torsysteme, Brand-, Schall-, Hochwasser- und Objektschutztüren werden individuell nach Kundenwünschen gefertigt und veredelt. Sei es mit Holz aus den Alpen, Kupferoptik, Mosaikelementen oder der Umsetzung anderer Ideen. Dafür arbeitet die Firma Buchele mit Unternehmen aus dem Kreis zusammen, beispielsweise mit Schreinern und Lackierbetrieben.

Als Generalist hat die Firma Buchele ein Alleinstellungsmerkmal in ihrem Segment. Während die Mitbewerber meist auf bestimmte Ausführungen spezialisiert sind, liefert Buchele alles, einzeln, oder – und das ist die Besonderheit – in allen Varianten kombinierbar und immer dem höchsten Standard verpflichtet. Ganz gleich,  ob die Türen durchschusshemmend sein müssen, Hochwasser oder Explosions-Druck unbeschadet standhalten müssen. Dass die Türen tatsächlich können, was die bunten Prospekte versprechen, belegen Zertifikate sowie Prüfzeugnisse für sämtliche Produkte, betont Jürgen Buchele, der zusammen mit seinen Brüdern und Neffen die Geschäfte führt.

Was für die Amis die Garagen, sind den Deutschen die kleinen Handwerksbetriebe früherer Zeiten: Keimzellen heutiger Weltmarktführer und Brutstätten innovativer Entwicklungen. Mitten im Ort in Ebersbach, am Vorderen Viehmarkt, hatte Johannes Buchele ab 1910 eine traditionelle Schlosserei und Schmiede betrieben. Heute werden in vierter Generation im Industriegebiet am Rande der Stadt High-Tech-Türen und Tore gefertigt.

Seit 1982 befindet sich die Firma Buchele in der Industriestraße am östlichen Ortsrand. Geändert hatte sich damit nicht nur der Standort, sondern auch die Ausrichtung des Unternehmens. Schlosserarbeiten für Privatkunden wurden zunehmend verdrängt durch Aufträge aus der Industrie. Privatkunden machen heute einen sehr kleinen Anteil aus. Entsprechend exklusiv ist dieser Kundenkreis, der sich Türen mit höchsten Ansprüchen und extravagantem Design fürs Privathaus leistet. Ästhetik sei mittlerweile auch bei hochfunktionalen Türen gefragt, sagt Jürgen Buchele. „Blechtüren waren gestern.“

In den vergangenen 35 Jahren wuchs die Mitarbeiterzahl von 30 auf über 100 an. Die Auftragslage erlaube es, diese Entwicklung fortzusetzen, und auch die räumlichen Möglichkeiten bestünden. Alleine der Arbeitsmarkt stehe dem entgegen, erklärt Geschäftsführer Ralf Buchele. „Wir suchen permanent qualifizierte Mitarbeiter für unsere Produktion und stellen jedes Jahr zwei Auszubildende ein.“ Doch der Markt für gute Leute sei quasi leergefegt.

Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland komme dennoch nicht in Frage, erklären die Geschäftsführer: „Wir sind traditionell aufgestellt, Qualität Made in Germany ist für uns und unsere Kunden entscheidend“. Nachhaltiges Wachstum soll durch verstärkte Mitarbeiterwerbung, unter anderem auf Ausbildungsmessen sowie Auftritte in den neuen Medien ermöglicht werden.

Was neue Aufträge betrifft, gewinnt das Ausland dagegen für das Ebersbacher Unternehmen zunehmend an Bedeutung. In den letzten Jahren stieg der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz von rund fünf  Prozent auf über 30 Prozent.

International Das Beratungs- und Verkaufsteam in Ebersbach, vier Verkaufsbüros in allen Teilen Deutschlands, weltweit beheimatete Partnerfirmen, Messeteilnahmen sowie das weltweite Netz an Kontakten sorgen nach Firmenangaben für kontinuierliche Auftragseingänge.

Partnerstadt Im Jahre 1992 wurde in der sächsischen Partnerstadt Ebersbach-Neugersdorf ein ehemaliger Volkseigener Betrieb übernommen und komplett neu aufgebaut. Dort befindet sich seither der zweite Produktions­standort der Firma mit rund einem Dutzend Mitarbeitern.

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