Erziehen will gelernt sein

Wie lobe ich richtig? Und wie werde ich Motivationscoach meines Kindes? Fortbildungen sollen Eltern fit machen für die große Herausforderung der Erziehung.

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    Kinder einer Kindertageseinrichtung spielen gemeinsam. Das Elterntraining ist auch für Erzieherinnen gedacht – in Ottenbach war das Interesse groß. Foto: 
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    Elterntrainer Karl-Otto Kaiser macht Mütter und Väter fit in Sachen Erziehung. Foto: 
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    Der Ottenbacher Schulleiter Helmut Kottmann ist begeistert von den Fortbildungen. Foto: 
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„Eltern sind keine erzieherischen Naturtalente“, ist Jugendforscher Klaus Hurrelmann überzeugt und plädiert dafür, die Schulpflicht der Kinder an eine allgemeine Fortbildungspflicht der Eltern zu koppeln. Helmut Kottmann, Schulleiter der Grundschule in Ottenbach, würde diesen Satz eins zu eins unterschreiben. Der langjährige Pädagoge stellt fest, dass sich die Gesellschaft und damit auch Kinder und Eltern verändert haben: „Die Kinder sind heute lebhafter, weltoffener, aber auch unruhiger“, sagt Kottmann. Als Ursachen sieht er den verstärkten Medienkonsum, die Hektik im Alltag durch viele Nachmittagstermine und einen gewissen Leistungsdruck. Dem gegenüber stünden wegbrechende Familienstrukturen: mehr Alleinerziehende, fehlende Großeltern als „wichtige Erziehungshilfen“ und Eltern, die weniger Zeit hätten und die Kinder frühzeitig in Kitas gäben. Alles Faktoren, die sich auf die Erziehung auswirkten, unterstreicht Kottmann.

Der Schulleiter ist daher ein Verfechter von Fortbildungen für Mütter und Väter sowie Erzieherinnen und Lehrer. Er selbst hat vor einigen Jahren „die Schulbank gedrückt“, als Pfarrer Robert Lukaschek in zwei kirchlichen Kindergärten in Salach das Projekt „Elterntraining – Die Gesetze des Schulerfolgs“ anbot. In Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Heldele-Stiftung lernten Erzieherinnen und Eltern von Elterntrainer Karl-Otto Kaiser Methoden der Erziehung kennen. Entwickelt hat das Programm der Jugendforscher Hurrelmann. Begleitet wurde er dabei von dem pensionierten Schulleiter Adolf Timm aus Schleswig-Holstein. Da das Handwerkszeug für eine gute Erziehung so großen Zuspruch fand, gründete sich ein gleichnamiger Verein, der wiederum Elterntrainer ausbildet.

Der pensionierte Berufsschullehrer Karl-Otto Kaiser würde sich freuen, wenn viele Kindergärten und Schulen auf den Zug aufspringen: „Fürs Angeln, fürs Autofahren, für alles gibt es einen Führerschein. Nur nicht fürs Elternsein“, betont er. Das Training biete Eltern Tipps in Sachen Erziehung vom Kleinkind bis zum Pubertierenden. Im Herbst will Kaiser das Training in Bad Boller Kindergärten anbieten. „Je früher wir die Infos weitergeben, desto besser“, meint der Elterntrainer. Denn die Zahl der Jugendlichen, die nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können, steige rasant: „Da geht es nicht um einen unter 1000.“

Schulleiter Helmut Kottmann kann dies bestätigen – „auch wenn wir in Ottenbach noch in der glücklichen Lage sind, dass hier alles sehr gut läuft“. Dennoch konnte er sein Kollegium, die Erzieherinnen des benachbarten Kindergartens und jede Menge Eltern für das Projekt begeistern. „Die Abende waren sehr gewinnbringend“, sagt Kottmann. „Weil man nicht nur konsumiert, sondern sich viele Gedanken macht.“ Der Schulleiter sieht das Programm, das aus drei Modulen besteht, „als wichtigen Baustein für die Elternarbeit. Und wenn uns die Eltern unterstützen, tun wir uns in der Schule leichter“.

Eine Mutter von drei Kindern aus Ottenbach, die an dem Projekt teilgenommen hat, kann es ebenfalls nur weiterempfehlen: „Ich habe mitgenommen, dass wir Vieles richtig machen. Und mir wurde bewusst, dass man manches noch etwas besser machen kann“, fasst sie zusammen. Sie sei an diesen Abenden positiv bestärkt worden, es sei nicht darum gegangen, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Ihr sei noch einmal bewusst geworden, wie wichtig Rituale, beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten, sind und dass Kinder für ihre Entwicklung eine Kultur der Anstrengung brauchen.

Der Schulleiter weiß aus langjähriger pädagogischer Arbeit: „Man muss die Stärken der Kinder herausstellen. Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.“ Man solle den Nachwuchs motivieren und unterstützen und den Glauben an sich selbst stärken, unterstreicht der Lehrer, dem die Werteerziehung sehr wichtig ist. Weiterer Tipp an die Eltern: „Den Kindern Luft lassen und Druck rausnehmen.“

„Ein pädagogisches Konzept mit Hand und Fuß“

Unterstützung: Die Heldele-Stiftung unterstützt das Schulungs-, Trainings- und Ausbildungsprogramm für Eltern und Erzieherinnen seit etwa sechs Jahren. Bernd Forstreuter, ehrenamtlicher Vorstand der Heldele-Stiftung, hatte davon gehört und zu Karl-Otto Kaiser Kontakt aufgenommen. Die Motivation, sich zu engagieren, seien eigene Erfahrungen: „Wir merken in der Ausbildung, dass die Fächer Mathe, Physik und Deutsch  nach und nach in den Hintergrund treten“, sagt Forstreuter. Doch: „Wenn man erst mit elf oder zwölf Jahren anfängt, die Lücken aufzuholen, ist es oft schon zu spät.“

Konzept: „Das pädagogische Konzept hat Hand und Fuß“, sagt der ehrenamtliche Vorstand. Die Elterntrainer werden umfassend geschult und auch zertifiziert. Daher werde die Heldele-Stiftung das Programm weiterhin unterstützen – in der Hoffnung, „dass man auch die erreicht, die es nötig hätten“. Die Kreissparkasse Göppingen ist kürzlich als Kooperationspartner eingestiegen.

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