Erste Hilfe am Kind: Kurs zeigt, was Eltern und Erzieher tun können

Was tun, wenn ein Kind Nasenbluten hat? Wie entsteht ein lebensgefährlicher Hitzschlag? Ein Kurs über Erste Hilfe am Kind klärte im Rahmen der Aktion " Wir alle für unsere Kinder" über Hilfe im Notfall auf.

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Die Grundlagen der Ersten Hilfe wurden gleich vorgeführt und geübt.  Foto: 

Zwei Abende lang zeigten Traudel Lew und Sandra Ungerer vom Deutschen Roten Kreuz Eltern und Erziehern, wie man Kindern Erste Hilfe leistet. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Aktion "Wir alle für unsere Kinder" in der Reichenbacher Grundschule statt. Die Kursleiterinnen vom DRK brachten den zwölf Teilnehmern das Thema mit viel Praxisbezug und auch einer guten Prise Humor nahe. Der erste Kursabend drehte sich vor allem um das Thema Reanimation, beim zweiten Termin standen Notfälle vom leichten Nasenbluten bis zum lebensgefährlichen Hitzschlag auf dem Programm.

Wer Erste Hilfe leistet, sollte zuerst an den eigenen Schutz denken, betonte Sandra Ungerer. Dazu gehöre, die in jedem Verbandskasten vorhandenen Einmalhandschuhe anzuziehen, wenn man blutende Wunden versorgt. Dem Impuls, einen Verletzten selbst ins Krankenhaus zu fahren, sollte man widerstehen. "Sie halten sich dann nicht mehr an die Straßenverkehrsordnung." Und das kann Konsequenzen haben - von Punkten in Flensburg bis zum schweren Unfall. Ein weiteres Risiko liegt darin, dass der Verletzte bewusstlos werden kann. Autofahren und zugleich einen Bewusstlosen versorgen sei aber mehr als problematisch. Deshalb sollte man im Ernstfall immer einen Krankenwagen rufen.

"Blutig" war der Einstieg in den zweiten Abend. Was tun, wenn ein Kind Nasenbluten bekommt? Am Allerwichtigsten sei es, das Kind zu beruhigen. Dann gelte: Kopf nach vorne neigen und dem Blutenden etwas Kaltes in den Nacken legen. "Ausbluten lassen" werde diese Methode wenig charmant genannt, erklärte Sandra Ungerer. Ganz falsch sei es, bei Nasenbluten den Kopf nach hinten zu neigen. Denn wenn zu viel Blut verschluckt wird, kommt es zum Erbrechen. Den Notarzt rufen sollte man, wenn das Bluten nach 15 Minuten nicht aufgehört hat, das Blut regelrecht aus der Nase schießt oder das Kind blutverdünnende (gerinnungshemmende) Medikamente einnimmt.

Blutende Wunden sollten steril abgedeckt werden, bei starker Blutung sollte ein Druckverband angelegt werden. Wunden sollten bei der Erstversorgung nicht mit Wasser ausgespült oder mit Desinfektionsmitteln gereinigt und Fremdkörper nicht entfernt werden. Desinfektionsmittel würden die Wundränder austrocknen, das erschwere dem Arzt später das Nähen.

Der Hochsommer birgt für kleine Kinder besondere Gefahren: Sonnenstich und Hitzschlag. Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf. Vor allem Kleinkinder im Kinderwagen seien gefährdet, sagte Sandra Ungerer. Die Kopfhaut der "Glatzköpfchen" biete keinen Schutz vor der Sonne und die Schädeldecke habe sich in den ersten Lebensmonaten noch nicht gefestigt. So könne die Hitze direkt auf das Gehirn einwirken, mahnte die Kursleiterin. In extremen Fällen drohe eine Hirnhautentzündung. "Deshalb kleinen Kindern im Kinderwagen immer eine Mütze aufsetzen." Anzeichen für einen Sonnenstich sind ein hochroter, heißer Kopf, kühle Haut, Kopfschmerzen und in schwereren Fällen Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsschwund. Besteht Verdacht auf einen Sonnenstich, sollte man das Kind an einen kühlen Ort bringen, den Kopf hoch lagern und mit feuchten Tüchern kühlen und ständig Atem und Kreislauf kontrollieren.

Ein Hitzschlag wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Ursache ist ein Wärmestau im Körper, der sich durch einen hochroten Kopf und trockene, heiße Haut bemerkbar macht. Die Betroffenen produzieren keinen Tropfen Schweiß mehr. Dann besteht akute Lebensgefahr und es muss sofort ein Notruf abgesetzt werden. Als Sofortmaßnahme helfen kühlende Waden- und Handgelenkwickel und Flüssigkeitszufuhr in kleinen Schlucken. Besonders in geschlossenen Autos ist für kleine Kinder im Sommer die Gefahr eines Hitzschlags groß. "Deshalb ein Kind nie allein im Auto lassen", warnte Ungerer. Eine Viertelstunde reiche, ein Baby in Lebensgefahr zu bringen.

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"Wir alle für unsere Kinder"

Die Landkreis-Aktion "Wir alle für unsere Kinder" macht Station in Deggingen. Vom 30. Juni bis 27. Juli gibt es Vorträge, Workshops und Kurse für Eltern, Erzieher, Lehrer und Kinder.

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