Ensemble Oktav zeigt Werke der Thomaskantoren

Werke der Thomaskantoren aus fünf Jahrhunderten präsentierte das Ensemble Oktav unter der Leitung von Katharina Weißenborn mit seinem Programm "Singet dem Herrn"in der Stiftskirche in Bad Boll.

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Beim Konzert des Ensemble Oktav in der Stiftskirche Bad Boll wurden Werke der Thomaskantoren vom 16. Jahrhundert bis in unsere Zeit, bekannte und weniger bekannte, musiziert. Die Thomaskantoren von Leipzig waren die künstlerischen Leiter des Thomanerchores und wurden vom Stadtrat bestimmt. Darüber hinaus mussten sie auch die Thomasschule leiten und neben den musikalischen Aufgaben hatten sie pädagogische Aufgaben; so musste Johann Sebastian Bach auch Latein unterrichten, wofür er einen Hilfslehrer anstellte, der einen guten Teil seines Verdienstes verschlang.

Zu Beginn hatte Katharina Weißenborn das vielstimmige "Singet dem Herrn" von Sethus Calvisius ausgewählt, das dem Programm auch den Namen gab, ein sehr dicht gestalteter, polyphoner a-cappella Satz, der sicher und filigran erarbeitet war. Farbenreiche und vielschichtige Gestaltung der musikalischen Motive gerieten ganz im Sinne des Komponisten.

Die nächsten Musikstücke stammten von Johann Hermann Schein, einem Nachfolger von Calvisius, aber auch noch aus dem 17. Jahrhundert. Seine Motetten des "Israelsbrünnleins" stehen ganz in der Tradition des großen Schütz und die vier ausgewählten, die durch das Orgelpositiv, gespielt von Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp, eine sichere Führung und einen feinen Duktus erhielten, eine ausgefeilte Dynamik aufwiesen und vorwärtsgehend ohne barocken Pomp gestaltet waren. Klare, wohltönende Soprane und eine gute Grundstimmung durch die Männerstimmen rundeten diesen Teil des Konzertes ab. Im Mittelpunkt des Konzertes stand der große Johann Sebastian Bach. Zuerst zeigte Klumpp in der "Fantasie c-Moll", dass auch Bachs Orgelwerk einzigartig ist. Darauf folgte die wohl kürzeste Motette Bachs "Lobet den Herren, alle Heiden". In dieser Motette zeigte das Ensemble eindrucksvoll die Kunst Bachs, aber auch die eigene Präzision und Musikalität überzeugte.

Insgesamt ging das Ensemble sehr konzentriert und facettenreich zu Werke, sodass immer wieder beachtenswerte Klangerlebnisse entstanden, stilsicher und mit exakter Intonation und reicher, abwechselnder Dynamik. In Ernst Friedrich Richters "Siehe, um Trost war mir sehr bange" gab es immer wieder solistische, musikalische Einsprengsel, die von Katharina Weißenborn einfühlsam und mit runder Sopranstimme gestaltet wurden. Vor dem Abschluss zeigte noch einmal Gerhard Klumpp sein Können an der Orgel. Große, ausladende Tongebung gepaart mit raschen, durchsichtigen Läufen bereicherte das Programm. Sicher und gewandt war auch seine Begleitung einzelner Motetten.

Der Schluss zeigte, dass die Tradition der Thomaskantoren in moderner Zeit nicht abgebrochen ist. Erhard Mauersberger, der von 1961 an Thomaskantor und Bewahrer der Tradition in politisch und künstlerisch schwieriger Zeit war, half, den Chor in der Isolation durch die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten in seiner Bestimmung weiter zu formen und zu fördern.

Die a-cappella Motette "Bleib bei uns, Herr" ließ noch einmal die Intention des Programmes aufstrahlen und zeigte, wie sicher und präzise, farben- und facettenreich das Ensemble arbeitet. Viele sehr gute Stimmen und vielgestaltiges musikalisches Vermögen machten diese letzte Motette zu einem Kleinod. Reicher, herzlicher Beifall beendete einen gehaltvollen musikalischen Konzertabend.

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