Eltern von der Laichinger Alb wollen einen Waldkindergarten einrichten

Einmal monatlich treffen sich Mamas und Papas mit ihren Kindern im Wald. Ziel ist eine Art Waldkindergarten in Laichingen oder Merklingen zu etablieren.

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Ein Eimer voller Tannenzapfen, so schwer, dass die Kinder ihn nur gemeinsam tragen können. Das Spielen im Wald vermittelt wichtige Fähigkeiten.  Foto: 

Der dreijährige Paul stopft einen Tannenzapfen in die Stofftasche, die seine Mutter, Danielle Fricker, ihm aufhält. Robert Burgmaier lobt seinen Sohn, der ihm stolz einen Ast zeigt, den er gesammelt hat. Weitere Jungen und Mädchen sammeln Steine, Moos, grüne Blätter, also alles, was der Waldboden her gibt. Die Kinder sind mit ihren Müttern und Vätern in einem Wald bei Machtolsheim. Das machen sie jeden dritten Freitag im Monat. Es ist ihr Ersatz für einen Waldkindergarten auf der Laichinger Alb. Ersatz, weil sie finden, dass einer fehlt: ein echter Waldkindergarten.

Kinder an ihrer ureigenen Neugier packen und ihre Entwicklung ganzheitlich fördern, das ist wohl das Ziel vieler Eltern. Diese Neugierde am Schopf zu packen, den Drang zum Entdecken in einem nahezu grenzenlosen Raum zum Spielen mit größtmöglicher Bewegungsfreiheit, das gelingt nach Meinung dieser Eltern besonders gut im Wald.

Die Eltern  wünschen sich eine Betreuungsform für ihre Kinder nach diesen Ansätzen. Mit Kindergartenträgern und Erzieherinnen in Laichingen, Merklingen und Machtolsheim haben die Mütter bereits gesprochen. Dort wird zwar Offenheit signalisiert, aber ein tragbares Konzept verlangt. Problematisch ist außerdem, dass die interessierten Eltern nicht aus einer, sondern aus unterschiedlichen Kommunen wie auch Westerheim und Nellingen stammen – mit verschiedenen Trägern. Eine Art „Außengruppe“ mit Waldpädagogik, mit Kindern gleichen Alters und offen für alle Eltern der Laichinger Alb, etwa über den Gemeindeverwaltungsverband – das wäre ihre Wunschvorstellung.

Dabei muss es gar nicht zwingend ein Waldkindergarten sein. Ein ähnliches Konzept, bei dem die Kinder regelmäßig über das ganze Jahr hinweg im Wald sind, wäre für sie schon in Ordnung. Die Angebote von Gruppen in Merklingen und Laichingen mit seinen Teilorten, einmal in der Woche oder ein, zwei Wochen pro Jahr, sind ihnen zu wenig. Weil es eine solche Gruppe auf der Laichinger Alb noch nicht in der Form gibt, gehen die Eltern mit ihren Sprösslingen schon mal selbst in den Wald.

Die Initiative dazu ging von der Machtolsheimerin Ev-Katrin Kienle und den Merklingerinnen Sabine Schwegler und Tabea Küttner aus. Eine Kleinanzeige im Februar führte zu einem ersten Treffen weiterer Interessenten. Seither verging kein Monat, ohne dass vier bis fünf Mütter und Väter mit rund zwölf Kindern aus Merklingen, Machtolsheim und Westerheim dabei sind. Immer wieder stoßen weitere Interessierte hinzu. Die Eltern suchen auch den Kontakt zu Erzieherinnen, die an einer solchen Außengruppe interessiert sein könnten.

Mit dabei ist der Naturpädagoge Martin Föhl-Pachot. Der Wunsch der Gruppe war es, einen Barfußpfad zu bauen, daher die Sammelaktion der Kinder. Föhl-Pachot nimmt die Kleinen mit auf Erkundungstour. Mitmachen ist keine Pflicht, gelernt wird spielerisch. Die Neugier der Kinder macht sich der Naturpädagoge zunutze und greift ihre Ideen auf: Etwa als einer der Jungen mit seinem aufgesammelten Ast auf einen Baumstamm einhämmert. „Wie hört sich das an? Klingt das bei einem anderen Baum genauso oder anders?“, fragt er den Bub und motiviert ihn zum Ausprobieren.

Nach und nach ist der Barfußpfad fertig gelegt, flauschiges Moos wechselt sich ab mit knackigen Tannenzapfen, weichen Blättern, harten Steinen. Doch bevor die Kleinen ihre Schuhe ausziehen, laben sie sich alle erst einmal am mitgebrachten Vesper: süßes oder salziges Kleingebäck, Obst, Getränke. Gemütlich sitzen sie auf dem Waldsofa, das sie in einer früheren Waldtour aus Ästen gebastelt haben. Die einen Kinder kuscheln an ihre Mamas, andere unterhalten sich mit den Nebensitzern oder schauen einfach nur neugierig um sich. Nach gut zwei Stunden geht es wieder zurück zum Parkplatz. „Nach diesen Nachmittagen im Wald sind meine Kinder wesentlich entspannter als nach einem Nachmittag im Kindergarten und sie strahlen eine besonders zufriedene Ruhe aus“, sagt Danielle Fricker, die von Stuttgart nach Merklingen gezogen ist.

Nicht alle Eltern aus der Gruppe haben einen Waldkindergarten nach dem Konzept der Waldpädagogik für ihre Kinder im Sinn. Hier auf dem Land könne man ja jederzeit in den Wald, argumentieren zwei Machtolsheimerinnen. Aber feste und regelmäßige Waldtage übers ganze Jahr verteilt wünschen sie sich schon.

Treffpunkt Wald

Kontakt Die Gruppe trifft sich jeden dritten Freitag im Monat. Nach der Sommerpause im August ist das nächste Treffen am 14. September um 15 Uhr. Weitere Informationen über den Treffpunkt und die Gruppe gibt Sabine Schwegler unter (07337) 9244033 oder sabi.ne@outlook.com.

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