Eislinger Kulturverein vor dem Aus: Stadt kündigt Pachtverträge

Der Kulturverein Marstall soll das historische Gebäude beim Eislinger Schloss räumen. Die Stadt hat den Pachtvertrag vorzeitig gekündigt, um den Weg freizumachen für Veränderungen.

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Die Stadt möchte die Eislinger Kulturkneipe Marstall neu ausrichten und hat die Pachtverträge gekündigt. Foto: Staufenpress

Beim kulturellen und gastronomischen Angebot der Stadt Eislingen kündigt sich eine Veränderung an. Die Stadt möchte beim Marstall Veränderungen und sich deswegen vom langjährigen Pächter, dem gleichnamigen Kulturverein, trennen.

Seit rund 16 Jahren betreibt der Verein Marstall das historische Gebäude beim Schloss als Kulturkneipe. Damals hatten Stadt und Verein den Marstall gemeinsam renoviert. Als die Arbeiten im Dezember 1994 begannen, sei mit der Stadt vereinbart worden, dass der Kulturverein das Gebäude 20 Jahre lang nutzen kann. Im Gegenzug beteiligte sich der Verein an der Sanierung, schildert Marstall-Geschäftsführer Petri Forbrich. An den Kosten für die Renovierung von 1,3 Millionen Mark habe sich der Verein mit 600.000 Mark durch Eigenleistungen und Spenden beteiligt.

Schon während der Bauzeit habe der Verein kulturelle Veranstaltungen organisiert. Deren Erlös hat zur Finanzierung beigetragen, berichtet Forbrich. Eröffnet worden war die sanierte Kulturkneipe im Dezember 1996, erinnert sich Forbrich. Der Pachtvertrag habe eine Laufzeit von Dezember 1994 bis 2014. In den ersten zehn Jahren habe der Verein keine Pacht entrichten müssen, seither sind nach Angaben des Geschäftsführers 1200 Euro im Monat fällig. Einnahmen verzeichnet der Verein durch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte sowie durch den Gastronomiebetrieb, der laut Forbrich von den Mitgliedern ehrenamtlich gestemmt wird.

Die Stadt ist mit dieser Betriebsform seit längerem nicht mehr glücklich. Schon vor zehn Jahren wurden im Kulturausschuss des Gemeinderats Kritik am Programm der Kulturkneipe, an deren Gastronomie sowie am Biergarten geäußert. Vor etwa drei Jahren ist versucht worden, die Pacht auf 1900 Euro im Monat zu erhöhen, berichtet Forbrich.

"Es gab keine Mieterhöhung nach all den Jahren", bestätigt Bürgermeister Herbert Fitterling, in dessen Dezernat die Verwaltung des Marstalls fällt, den Vorstoß. Bisher ist es aber nicht gelungen, die höhere Pacht durchzusetzen. "Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Wir leben von Konzerten und Spenden", erläutert Forbrich die Situation. Im Marstall würden hohe Heizkosten anfallen. Daher sei die höhere Miete nicht zu finanzieren.

Eislinger Gemeinderat will den Kulturverein draußen haben

Die Stadt möchte jetzt den Verein draußen haben. Dies hat der Gemeinderat laut Fitterling in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen. "Man ist mit dem Erscheinungsbild insgesamt nicht zufrieden." Die Vertreter der Stadt wünschen vor allem ein anderes gastronomisches Angebot. Das kulturelle Angebot müsse sich hingegen nicht völlig ändern.

Die Stadt hatte laut Geschäftsführer Forbrich den Vertrag zunächst zum 31. März 2012 gekündigt. Jetzt ende die Kündigungsfrist am Jahresende. Dass die Möglichkeiten, die der Marstall bietet, jetzt ins Blickfeld rücken, hängt mit der geplanten Neugestaltung des Eislinger Zentrums zusammen. "Das ist eine zentrale Stelle", sagt Fitterling. "Sie liegt auch an der Radroute durchs Filstal." Man könne sich für den Bereich viel vorstellen, auch mit Freiluftcharakter. Allerdings müsste die Stadt "nicht wenig investieren", so Fitterling - etwa in den Küchen- und den Sanitärbereich. Der jetzigen Betriebsweise geben die Vertreter der Stadt offenbar kein Entwicklungspotenzial mehr. "Die Besucherzahl muss man relativieren", sagt Fitterling. Es seien keine riesigen Mengen.

Wie es weiter geht, ist offen. Teilweise wurden über Anwälte Argumente ausgetauscht. Herbert Fitterling hat auch persönliche Gespräche geführt. Die sollen fortgesetzt werden. Laut Pachtvertrag habe der Verein einen Anspruch auf Entschädigung oder auf Ersatzräume, umschreibt Petri Forbrich die Position des Marstall. Den Beteiligten ist aber auch bewusst, dass die Arbeit mit ehrenamtlichen Kräften an ihre Grenzen stößt. Deswegen hat Forbrich schon versucht, einen professionellen Gastronomen für den Marstall zu gewinnen.

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