Eine"Botschafterin" aus Gingen

Die Gingenerin Lisa-Marie Creutzmann hat ein Jahr in den USA verbracht. Möglich machte dies das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Bundestags. Als Pate betreute sie CDU-Politiker Klaus Riegert.

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  • Lisa-Marie Creutzmann (Mitte) mit ihrer Gastfamilie, den Montgomerys, am Tag ihrer High-School-Abschlussfeier - traditionell mit Talar und Barrett. Fotos: Privat 1/2
    Lisa-Marie Creutzmann (Mitte) mit ihrer Gastfamilie, den Montgomerys, am Tag ihrer High-School-Abschlussfeier - traditionell mit Talar und Barrett. Fotos: Privat
  • Auch ein Besuch des Capitols in Washington stand auf dem Programm. 2/2
    Auch ein Besuch des Capitols in Washington stand auf dem Programm.
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Austauschprogramme mit den USA gibt es etliche, doch die 16-jährige Lisa-Marie Creutzmann reiste unter besonderen Umständen und mit einem speziellen Auftrag über den Ozean: Sie war Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms des Deutschen Bundestags und als solche Botschafterin ihres Landes.

Die Gingenerin lebte fast ein Jahr bei einer Gastfamilie in der Kleinstadt Bemidji in Minnesota und besuchte dort die High School. In zwei Vorträgen berichtete sie ihren amerikanischen Mitschülern von Deutschland, erzählte von Geschichte, Kultur und Landestypischem. Aufgeregt war die aufgeweckte junge Frau dabei nicht - das Auftreten vor großem Publikum ist sie längst gewohnt, schließlich spielt sie seit sieben Jahren bei den"Traumtänzern" in Göppingen mit. Auch sonst engagiert sie sich, hilft beispielsweise regelmäßig in der Süßener Begegnungsstätte des Kreisbehindertenrings Göppingen.

In Minnesota hätten viele Menschen deutsche Wurzeln, erzählt die Gingenerin."Die wollten viel wissen und haben oft nachgefragt. Ich habe gerne alle Fragen beantwortet, auch wenn ich oft das gleiche erzählen musste." Dabei konnte sie gleich mit ein paar Fehlinformationen aufräumen: Ja, auch in Deutschland kennt man Eiswürfel, und nein, Linksverkehr gibt es nur in Großbritannien. Nicht erwartet hatte sie, dass an ihrer Schule täglich das Weltgeschehen im Unterricht besprochen wurde -"Griechenland und die Eurokrise zum Beispiel waren schon Themen", erinnert sie sich. Allerdings seien die Vereinigten Staaten doch ein so großes Land, da rückten andere Gebiete eher in den Hintergrund."Wenn, dann beschäftigen sich die Leute vor allem mit dem, was im Nahen Osten passiert."

Vorangegangen war für Lisa-Marie Creutzmann ein aufwendiges Bewerbungsverfahren, bei dem es galt, Formulare auszufüllen, Bewerbungsgespräche zu führen und zu zeigen, dass sie Ahnung und Interesse am politischen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland hat. Vor der Abreise besuchte sie ein Vorbereitungsseminar in Berlin, in den USA stand zusammen mit den anderen Teilnehmern des Stipendienprogramms ein Besuch in Washington auf dem Programm. Die 16-Jährige besuchte dort den Senator Al Franken und hielt vor der Gruppe einen Vortrag über ihr Jahr im Ausland. Zum Stipendium gehörte auch soziale Arbeit: Lisa-Marie Creutzmann half 50 Stunden in einer Suppenküche mit,"das habe ich sehr gerne gemacht". Mit ihrer Gastfamilie, den Montgomerys, unternahm sie Camping- und Angel-ausflüge, reiste in Minnesota herum und brachte den Amis bei, Spätzle und Schnitzel zu kochen. Mit ihrer High-School-Klasse feierte sie den Schulabschluss und bekam zur Heimreise ein dickes Buch voller Fotos mit."Ich habe erlebt, dass man auch auf der anderen Seite der Welt Menschen finden kann, die einen lieb haben, das ist eine sehr schöne Erfahrung", sagt die Gingenerin.

Gut zwei Wochen ist Creutzmann nun von ihrem großen Trip zurück im Ländle. Jetzt traf sie sich mit Klaus Riegert. Der war ihr Pate im Austauschprogramm und daher sehr interessiert an ihren Erlebnissen. Riegert war es auch, der die Realschülerin nach einem Gespräch unter schlussendlich sechs Bewerbern ausgewählt hatte."Das fällt immer sehr schwer, schließlich sind alle Kandidaten bestens dafür geeignet", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete, der schon rund ein Dutzend Jugendliche in dem Programm betreut hat. Die junge Gingenerin beeindruckte ihn durch ihre weltoffene und neugierige Art.

Übers Jahr hatten die beiden nur wenig Kontakt. Ein gutes Zeichen für Riegert:"Wenn man nichts hört, dann läuft es gut bei den Stipendiaten. Aktiv werden müssen wir, wenn es Probleme gibt." Das Patenschaftsprogramm hält er für sehr sinnvoll, da es dabei helfe, Deutschland nach außen zu vertreten."Und die jungen Leute bringen umgekehrt so viel mit, das strahlt auf ihren Freundeskreis und die Schule aus."

Lisa-Maries Mutter Ute Creutzmann hatte nie damit gerechnet, dass ihre Tochter ausgewählt wird."Sie kam mit den Unterlagen an und wir dachten, ja, probier das ruhig mal aus." Ab und zu war die Sehnsucht groß, doch via Internet-Telefon Skype war sich die Familie trotz der Entfernung nah:"Am Weihnachtstisch hatten wir gemeinsam Bescherung, da stand der Laptop dabei." Ihre Tochter erlebt sie jetzt nach dem Auslandsaufenthalt erwachsener und selbstständiger.

Lisa-Marie Creutzmann wird im kommenden Schuljahr die letzte Klasse der Realschule wiederholen und sich dann an einer weiterführenden Schule aufs Abitur vorbereiten. Und danach? Irgendwas mit Politik reize sie schon, meint die 16-Jährige,"das interessiert mich jetzt richtig". Vor allem mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis würde sie sich künftig gerne mehr beschäftigen. Mit Klaus Riegert vereinbarte sie, demnächst ein Praktikum im Bundestag zu absolvieren. Ehrgeiziger als früher sei sie jetzt, meint das zierliche Mädchen nachdenklich. Viel habe sie mitgenommen aus diesem Jahr: Die Erkenntnis, wie gut ihrDeutschland gefällt und wie gerne sie hier lebt. Und das Gefühl:"Alles ist möglich, man kann alles schaffen, wenn man es will."

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