Eine Frage des Gewissens

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Zwei Abgeordnete – zwei Meinungen: Heike Baehrens und Hermann Färber stimmten unterschiedlich ab.  Foto: 

Zwei Bundestagsabgeordnete vertreten die Bewohner des Landkreises im Parlament – bei der gestrigen Abstimmung über die Ehe für alle haben sie erwartungsgemäß unterschiedlich abgestimmt. Heike Baehrens (SPD) mit Ja, Hermann Färber (CDU) mit Nein. „Ich bin gegen die Öffnung der Ehe“, meint Färber. Baehrens hingegen sagt: „Ich finde, das ist längst überfällig gewesen.“

Die 61-jährige SPD-Abgeordnete betont: „Ich habe so abgestimmt, wie es mein Gewissen mir sagt.“ Sie freut sich darüber, dass der Bundestag kurzfristig noch die Gelegenheit hatte, über das Thema gleichgeschlechtliche Ehe abzustimmen. Eine Gesetzesvorlage ist seit 2015 anhängig. Deshalb kontert Baehrens Kritik aus Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU: „Ein Überfall war es definitiv nicht, weil seit vielen Jahren darüber diskutiert worden ist.“ Vielmehr ist es laut Heike Baehrens nun so gewesen: „Wir haben die Gunst der Stunde genutzt.“ Gestern im Bundestag hat sie etwas Ungewöhnliches beobachtet: „Mir ist aufgefallen, dass CDU- und CSU-Abgeordnete um Respekt für ihre Meinung geworben haben. Es war das erste Mal in dieser Legislaturperiode, dass sie in der Minderheit waren.“

Hermann Färber ließ gestern eine Pressemitteilung verbreiten: „Die Ehe ist für mich die Verbindung von Frau und Mann als Grundlage einer Familie“, begründete er darin seine Ablehnung des Gesetzes. Es bestehe ein „natürlicher Unterschied“ zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft. Die Ehe für alle betrifft nur staatlich geschlossene Ehen, nicht aber kirchliche. Dennoch verweist Färber auf seinen Glauben: „Nach meinem christlichen Menschenbild basiert die Ehe auf der Gründung einer Verbindung zwischen Frau und Mann.“ Für Färber ist das traditionelle Familienbild schutz­würdig, „ohne damit andere Lebensformen diskriminieren zu wollen“.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete, Alexander Maier, meinte gestern: „Der jahrelange Einsatz hat sich gelohnt und wir Grünen sind stolz, dass die Ehe für Lesben und Schwule nun beschlossen ist.“ Auch AfD-Kreisvorsitzender Volker Münz meldete sich gestern zu Wort: „Was kommt als Nächstes? Sollen mit der Ehe für alle zukünftig auch Kinderehen und Vielehen anerkannt werden?“, fragt er.

Zahlen 748 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften wurden im Jahr 2015 in Baden-Württemberg geschlossen, neuere Zahlen hat das Statistische Landesamt noch nicht veröffentlicht. Somit gab es in dem Jahr 11 692 Menschen, die in eingetragenen Partnerschaften lebten.

Gefälle Die Statistiker haben ein „deutliches Stadt-Land-Gefälle bei der Häufigkeit der geschlossenen Partnerschaften“ festgestellt. So wurden im Jahr 2015 in Stuttgart 86 Partnerschaften pro 100 000 Einwohner geschlossen – im Kreis Göppingen waren es acht. Insgesamt lebten im Landkreis 147 Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, 73 Männer und 74 Frauen.

 

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