Eindrucksvolles Konzert aus dem Nichts Martin Schrack Trio und Jochen Feucht

Eine unvorhergesehene Wendung erfuhr das gut besuchte Konzert des Martin Schrack Trios mit Joe Gallardo im Rechberghäuser Schlosskeller.

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Jazz ist Improvisation: Das Martin Schrack Trio mit Saxophonist Jochen Feucht, der für den erkrankten Joe Gallardo einsprang.  Foto: 

Der namhafte, 1939 geborene, durch seine Tätigkeit in der SDR- und NDR-Big-Band bekannte Posaunist Joe Gallardo musste kurzfristig krankheitsbedingt absagen und so stand das Trio um Martin Schrack, zu dem Thomas Stabenow am Bass und Michael Kersting am Schlagzeug gehören, ohne Bläser da - zunächst! Denn um 14.59 Uhr des Konzerttages erreichte Schrack den Saxophonisten Jochen Feucht, der spontan für den erkrankten Gallardo einsprang. Das Konzert wurde zu einem Fest nicht versiegender musikalischer Ideen und Improvisationen, die nie skalendrescherisch, sondern im besten Sinne des Wortes stilvoll und fein kultiviert entwickelt wurden.

Die Musiker agierten nuancenreich, mit sensiblen Zwischentönen und dem Gespür für Pausen, Timing, Melodien und rhythmische Akzentuierungen. Der warme, feine Ton des Tenorsaxophonisten Feucht fügte sich organisch ins Klangbild des Trios ein. Die nahtlos auseinander hervorgehenden Soli der einzelnen Musiker, die die angelegten Melodien des Vorgängers aufgriffen oder aber markante Sequenzen der Ausgangstücke weiterführten, auftaktige Muster etwa oder melodiöse Phrasen, ließen aufhorchen. Das Trio und Feucht wurden im Verlaufe des Abends zu einer fein aufeinander und auf die Themen eingehenden musikalischen Einheit, die einen groovend swingenden Modern Jazz entwickelte, der auch die melodischen Ideen der West-Coast-Schule reflektierte. Gerade die flott gespielte, dabei leicht zurückgenommene Interpretation von Charlie Parkers Bebop-Blues "Chi Chi" machte das deutlich. Weitere Stücke waren etwa Kenny Barons "Voyage", die Balladen "Soul Eyes" und "Beatrice" von Mal Waldron und Sam Rivers oder das sich im Dreiertakt wiegende "Emily" - allesamt feine, eingängige Kompositionen, die nicht dem gängigen Potpourri bekannter Jazzstücke entstammten.

Bass und Schlagzeug boten weit mehr als nur ein klassisch dienendes Fundament. Sie kommentierten die sich in weit gespannten Bögen, melodisch und organisch aufbauenden Improvisationen von Schrack und Feucht fein dynamisch und verzahnten sich so mit ihnen.

Auch wenn das Publikum zu Beginn des Abends etwas anderes erwartet hatte, so wurde ihm ein besonderes musikalisches Highlight geboten, das begeistert aufgenommen wurde. Jazzmusiker zeichnen sich durch Spielfreude, Spielkultur und Spontaneität aus. So konnte - auch aufgrund des großen musikalischen Könnens und der Empathie der Musiker - ein eindrucksvolles Konzert quasi aus dem Nichts heraus entwickelt werden.

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