Ein Stück Jugend wieder finden - beim Sommer der Verführungen

25 Gäste des Sommerprogrammes nahmen an der Führung durchs Uhinger Heimatmuseum Berchtoldshof teil. Der ehemalige Lehnshof ist neu strukturiert.

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  • Auch die Zahlen hätte sie zur Not für die Besucher parat: Margit Haas (l.) beschreibt die Exponate im Uhinger Heimatmuseum Berchtoldshof. In der Vitrine ist das Modell einer Waldglashütte zu sehen. 1/2
    Auch die Zahlen hätte sie zur Not für die Besucher parat: Margit Haas (l.) beschreibt die Exponate im Uhinger Heimatmuseum Berchtoldshof. In der Vitrine ist das Modell einer Waldglashütte zu sehen. Foto: 
  • Das Lebenswerk des Uhinger Sammlers Georg Esenwein versetzte die Gäste in Erstaunen und Entzücken gleichermaßen. 2/2
    Das Lebenswerk des Uhinger Sammlers Georg Esenwein versetzte die Gäste in Erstaunen und Entzücken gleichermaßen. Foto: 
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Die begeisterte Gemeinde der Teilnehmer am Sommer der Ver-führung ließ sich nicht lange bitten und füllte den Berchtoldshof in Uhingen zur Begehung des neu strukturierten Heimatmuseums der Stadt Uhingen. „Man muss sich sputen, wenn man am Programm teilnehmen will“, war an diesem Abend nicht nur einmal zu hören. „Ich bin hier im Areal aufgewachsen“, erzählte eine Besucherin freudig. Gemeinsam mit anderen Teilnehmern der abendlichen Veranstaltung beschrieb sie, dass gegenüber eine Wäscherei war. Und die Schmiede war „seinerzeit“ auch noch in Betrieb.

Heimatlicher Bezug und Interesse an der Geschichte der Region führte die Gäste in den Berchtoldshof. Das schmucke Aussehen des ehemaligen Lehnshofes, seit 1980 im Besitz der Stadt Uhingen, wurde von den Besuchern bemerkt und vielfach gelobt. Der zentrale Standort des Berchtoldshof zeigt sich als sozialer Mittelpunkt. Direkt davor befindet sich ein gern besuchter Spielplatz. Im Haus befindet sich unter anderem der Familientreff. Ein zweites Gebäude, nicht weniger charmant, beherbergt die Städtische Bibliothek.

Die Gäste betraten den Berchtoldshof von der Giebelseite her. Vorbei an einer alten Feuerwehrspritze, ging es die „Stiege“ hinauf zur Ausstellung. 1984 wurde das Museum ursprünglich eröffnet und danach alles gezeigt was man hatte, war von Museumsführerin und -leiterin Margit Haas zu erfahren. In pragmatischer Weise wurde die Ausstellung aufs Wesentliche reduziert. Fünf Vitrinen zeigen anschaulich was den Besucher informieren soll. Sechs Vitrinen kamen raus, deren Inhalte liegen nun in einem Magazin.

Die Beschreibung der Geschichte Uhingens beginnt in Bronzezeit (2000 bis 800 vor Christus), über die Alamannenzeit (von 260 vor bis 700 nach Christus), bis zum späten Mittelalter (15. Jahrhundert). „Unser Museum wird durch Frau Haas wieder lebendig“, so heißt es im Gästebuch des Heimatmuseums.

Auch an diesem Abend wusste Margit Haas die Gäste zu begeistern. Die Spezialistin für geschichtliche Themen, die auch als Stadtführerin in Göppingen bekannt ist, ist stets auf Augenhöhe mit ihren Zuhörern. „Brauchen sie Zahlen?“, fragte sie locker in die Runde. Gerne verzichteten die Gäste an diesem heißen Abend darauf, obgleich Haas diese stets parat hätte. Einprägsam vermittelt sie geschichtliche Inhalte. So war zu erfahren, dass im römischen Reich ein Gutshof, „Villa Rustica“ hieß.

Uhingen war bis Mitte des 3. Jahrhunderts römisch. Ortsnamen wurden durch ihre Sippenführer später alamannisch geprägt. Deren Vornamen wurde ein -ingen angehängt. Und so weisen Ortsnamen mit der Endung -ingen noch heute auf ein alamannisches Erbe hin. Ab dem 14. Jahrhundert war Uhingen Württembergisch. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich Handel und Gewerbe. Im Nassachtal sind mindestens fünf Glashütten nachgewiesen, berichtete Haas. Die Glaskunst im Thüringer Wald wurde mitbegründet von einem Uhinger, namens Greiner. Grünes Waldglas und farbiges Glas sind in Reproduktion ausgestellt. „Alles in Butter“, dieses geflügelte Wort entstammt ebenfalls der Glasindustrie. Glasscheiben wurden in der Vergangenheit tatsächlich in Butter gelegt. So zerbrachen sie nicht beim Transport.

Eine Schatzkammer wurde am Beginn des Abends versprochen und mit großem Staunen am Ende der Führung betreten. Ein Stockwerk höher eröffnete sich den Gästen die Welt des vor zehn Jahren verstorbenen Uhinger Sammlers Georg Esenwein. Ein Raunen ging durch die Gästereihen. Der Wunsch des Sammelns und Jagens erfasste auch die Gäste. Jeder fand ein Stück Erinnerung, Heimat, Jugend oder anderes mit persönlichem Bezug. Sei es der Kaffeewärmer für die Kaffeekanne, oder Unterwäsche aus Baumwolle und Spitze, die Maschine zum Tabakschneiden für den selbst anbauenden und drehenden Nikotinfreund der Kriegsjahre oder zahlreiche Häfele, Schüsseln und Alltags-Gebrauchsgegenstände. Der Abend endete in der benachbarten Alten Schmiede. Bernd Hahnloser zeigte die Räumlichkeiten mit der funktionsfähigen Technik.

Die Schmiede stammt laut einer Urkunde aus dem Jahr 1825 und nicht vom Jahr 1871, wie an der sanierten Aussenfassade einst vermerkt wurde. „Ein Schmied könnte hier sofort arbeiten und zum Beispiel ein Pferd beschlagen“, sagte Hahnloser. Quadersandstein an der linken Seite der Außenfassade und „freier Verbund“ an der rechten Außenfassade zeigen die Geschichte des historischen Gebäudes. Weitere Maßnahmen stehen noch an. Die Gäste erhielten hier eine Erfrischung und genossen die restlichen Abendstunden in angenehmer Gesellschaft.

Info Auf www.sommer-der-verfuehrungen.de gibt es Infos zu allen Angeboten. Eine Box in der Rubrik Terminübersicht der Homepage enthält Hinweise auf abgesagte, volle oder zusätzliche Veranstaltungen.

Museumsbesuch

Öffnungszeit Das Heimatmuseum ist im August geschlossen. Bis Oktober ist das Uhinger Museum jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr offen. Zudem ist der Hof am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 11. September, geöffnet.

Führungen Mit Margit Haas können weitere Führungen vereinbart werden.

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