Ein Selfie mit dem Nikolaus

Der Mann mit dem Rauschebart ist am ersten Adventswochenende auf vielen Weihnachtsmärkten anzutreffen. In Bad Ditzenbach erfreute Gerhard Kastl die vielen Kinder.

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  • Gerhard Kastl blickt auf eine lange Erfahrung als Nikolaus zurück. Unter anderem besuchte er 15 Jahre lang für die GZ-Weihnachtsaktion Familien.  In Bad Ditzenbach tritt er zum dritten Mal auf. 1/3
    Gerhard Kastl blickt auf eine lange Erfahrung als Nikolaus zurück. Unter anderem besuchte er 15 Jahre lang für die GZ-Weihnachtsaktion Familien. In Bad Ditzenbach tritt er zum dritten Mal auf. Foto: 
  • Gerhard Kastl als Nikolaus und Heinz Fuchs als Knecht Ruprecht erzählten den vielen Kindern erst eine Geschichte, bevor sie 200 Päckchen, gefüllt mit Nüssen und Süßigkeiten verteilten. 2/3
    Gerhard Kastl als Nikolaus und Heinz Fuchs als Knecht Ruprecht erzählten den vielen Kindern erst eine Geschichte, bevor sie 200 Päckchen, gefüllt mit Nüssen und Süßigkeiten verteilten. Foto: 
  • Auch für die GZ-Weihnachtsaktion verkleidete sich Gerhard Kastl. 3/3
    Auch für die GZ-Weihnachtsaktion verkleidete sich Gerhard Kastl. Foto: 
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Samstag, 15.30 Uhr, Treffpunkt Haus des Gastes in Bad Ditzenbach: Die Verwandlung von Gerhard Kastl und Heinz Fuchs kann beginnen. In dem Raum, in dem sich eine Kegelbahn befindet, haben die Mitarbeiterinnen der Gemeindeverwaltung alles für die beiden Männer vorbereitet. In einem Karton finden sie ihre Perücken und Bärte, und an Kleiderbügeln hängen ein rot-weißes und ein dunkelbraunes Gewand. Die beiden Männer plaudern über dies und das – und freuen sich auf ihren Auftritt beim Bad Ditzenbacher Weihnachtsmarkt als Nikolaus und Knecht Ruprecht.

Die Perücken werden aufgesetzt, die Bärte angebracht, das goldene Buch wird herausgeholt und die Rute bereitgelegt. „Dir hängt noch eine Locke ins Gesicht“, sagt Christina Maier vom Bad Ditzenbacher Tourismus- und Kulturbüro zum Nikolaus alias Gerhard Kastl. Dieser ist gerade damit beschäftigt, seine Brille auf die Nase zu setzen – „denn ohne die geht nichts“ –, was angesichts des buschigen Bartes und der Perücke gar nicht so einfach zu sein scheint. Außerdem könnte der Schlitz für den Mund etwas größer sein, finden der Nikolaus und sein Ruprecht unisono. „Da muss ich aufpassen, dass ich keine Haare in den Mund bekomme“, sagt der Nikolaus schmunzelnd.

Ergreifende Momente

Zum dritten Mal sind Gerhard Kastl und Heinz Fuchs beim örtlichen Weihnachtsmarkt als Nikolaus und Knecht Ruprecht mit von der Partie – und es macht ihnen riesigen Spaß. „Ich bin da ein bisschen sentimental. Wenn man sieht, wie sich die Kinder freuen – das gefällt mir einfach“, sagt Kastl. Der 63-Jährige kann einen großen Erfahrungsschatz vorweisen: 15 Jahre lang besuchte er zugunsten der GZ-Weihnachtsaktion als Nikolaus zahlreiche Familien in der Region, was oft „sehr ergreifend und emotional“ gewesen sei. Außerdem mimte er bei der Waldweihnacht des Schwäbischen Albvereins Bad Ditzenbach den Nikolaus; und auch bei der Seniorenfeier am kommenden Sonntag in Gosbach tritt er mit Heinz Fuchs auf.

Doch zurück nach Bad Ditzenbach. „Neben ihm wirke ich fast schlank“, frotzelt Knecht Ruprecht mit Blick auf den Nikolaus, als die beiden fertig angezogen bereitstehen. Jetzt kann es losgehen: Das Duo bahnt sich seinen Weg durch die vielen Weihnachtsmarkt-Besucher im Haus des Gastes nach draußen auf den Platz vor dem Feuerwehrmagazin. Dort warten schon zahlreiche Kinder mit ihren Eltern und Großeltern. Die Augen der Kleinen leuchten, als der Nikolaus und sein Ruprecht durch die Menschenmenge schreiten und schließlich an einem Stehtisch haltmachen. Dort liest der Nikolaus „Die Geschichte vom beschenkten Nikolaus“ vor. Die Kinder hören gebannt zu. „Ich habe nun meine Pflicht getan, jetzt seid ihr dran. Wer kann dem Nikolaus ein Liedchen singen oder ein Gedicht aufsagen?“, will der bärtige Mann wissen. Stille. Wer traut sich? Ein Mädchen bricht letztlich das Eis und trägt ein Gedicht vor. Ihrem Beispiel folgen weitere Kinder, singen das Lied „Oh Tannenbaum“ ins Mikrofon und erhalten dafür Applaus von den umstehenden Besuchern.

Und dann kommt das Wichtigste: Der Nikolaus öffnet seinen großen Sack und verteilt 200 Päckchen, gefüllt mit Nüssen und Süßigkeiten. Da strahlen die Kinderaugen noch mehr, und etliche Kinder möchten mit dem Nikolaus fotografiert werden. Auch so manche Mama darf mit auf das Selfie. Selbst Knecht Ruprecht, vor dem sonst viele Angst haben, ist ein gefragter Mann und darf einige Kinder auf den Arm nehmen.

Zurück im Haus des Gastes sind die beiden sehr zufrieden mit ihrem Auftritt. Gerhard Kastl freut sich vor allem darüber, dass heuer so viele Kinder ein Lied oder Gedicht vorgetragen haben. „Sie waren zugänglicher als sonst.“ Froh sind er und sein 54-jähriger Ruprecht aber auch darüber, jetzt ihre Kostüme ablegen zu können. „Der Bart juckt saumäßig“, sagt Heinz Fuchs. Es erscheinen nassgeschwitzte, aber glückliche Gesichter. Und so gehen an diesem Abend nicht nur die Kinder freudig nach Hause.

Weitere Bilder der Weihnachtsmärkte aus der Region auf Seite 12

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