Ein Schloss für die Menschen: Neugestaltung von Filseck vollendet

Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag präsentiert sich das umgebaute Schloss Filseck erstmals der Öffentlichkeit. <i>Mit Kommentar.</i>

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Der Vorsitzende der Sparkassen-Stiftung, Thomas Wolf, im neu angelegten Garten von Schloss Filseck.  Foto: 

Das Denkmal für August Freyherr von Münch steht wieder an seinem angestammten Platz. Es ist ein lauschiges Plätzchen, inmitten eines überwachsenen Rondells und umrahmt von schattenspendenden Bäumen im Park des Schlosses Filseck. 1971, nach dem verheerenden Brand des Schlosses, war die Stele, die an den Mitte des 19. Jahrhundert verstorbenen Adelsspross erinnert, nach Göppingen gebracht worden. Dort stand der Stein bis vor kurzem im Garten des Museums Storchen.

Die Rückkehr der Stele ist aber nicht der einzige Grund, am kommenden Sonntag hoch über Uhingen zu feiern. Am Tag des Denkmals gibt es noch zwei weitere Anlässe: Der Förderverein Schloss Filseck feiert seinen 30. Geburtstag und die Bürger können nach Jahren der Umgestaltung das Kleinod wieder in Besitz nehmen.

„Filseck soll ein Schloss für die Bürger im Landkreis sein“, das sei von Anfang an die Intention der Sparkassen-Stiftung gewesen, erklärt deren Vorsitzender Thomas Wolf. Rund 7,5 Millionen Euro investiert die Stiftung in das historische Gebäude und seine Außenanlagen, die Dreh- und Angelpunktes des späteren  Landschaftsparks Schloss Filseck werden sollen.

Während die Fertigstellung des Landschaftsparks mit seinem von den Städten Uhingen und Göppingen erstellten Rad- und Fußwegenetz noch auf sich warten lässt – anvisiert ist das Frühjahr 2017 –, ist das Projekt Schloss praktisch vollendet. Im künftigen Infozentrum riecht es nach nach frischem Holz und Farbe. Handwerker legen letzte Hand an. Hier finden die Besucher erste Orientierung und bekommen nicht nur einen ersten Einblick in die Geschichte des Schlosses, sondern auch Informationen über die zahlreichen Veranstaltungen während des Jahres.

Vom Infocenter gelangt der Besucher in alle wichtigen Bereiche, zum Beispiel in die neu eingerichtete Schloss-Schänke, die am Sonntag erstmals Gäste bewirten wird. Lauschige Nischen, modernes Mobiliar und ein Fliesenboden im Gründerzeitdesign bilden reizvolle Kontraste. Beim Biergarten mit großzügiger Freifläche und Spielplatz sei vor allem an Familien gedacht worden, sagt Thomas Wolf.

Im Zuge des neuen Konzepts hat das Kreisarchiv jetzt seine Räume im Westflügel. Der erste Stock des Ostflügels bietet dem Förderverein Raum für seine Ausstellungen. Alter Holzboden und moderne, dezente Farben verleihen den Räumen eine ganz besondere Atmosphäre. Das Motto „Raum für Genuss und Inspiration“ wird auch im Dachgeschoss deutlich. Hier soll der Nachlass des 2010 in Bad Boll verstorbenen Künstlers Günther Kirchberger Platz finden. Auch ein Veranstaltungsraum für etwa 200 Besucher ist unter dem mächtigen Gebälk untergebracht. Der Stauden- und Kräutergarten westlich des Schlosses steht in voller Blüte, an den Bäume in der Pomologie reifen die Äpfel und das grüne Klassenzimmer wartet auf die wissbegierige Jugend.

Das Wegenetz, das sich  durch den Schlosspark zieht, orientiert sich an den historischen Gegebenheiten. „Wir wollten hier bewusst keine inszenierte Natur“, betont Wolf. Vielmehr sei auf das ökologische Gleichgewicht geachtet worden und beispielsweise Totholzstämme liegen geblieben. Wohlfühlen sollen sich im Schlosspark schließlich auch die Bienenvölker von Klaus Hampel, die in den kommenden Tagen Einzug halten und den Filseck-Honig produzieren sollen.

Viele Akteure hätten zum Gelingen des Projekts beigetragen,  erklärt Thomas Wolf. Allen voran der Förderverein Schloss Filseck, der nicht nur den Wiederaufbau des Schlosses forciert, sondern auch das neue Konzept konstruktiv und tatkräftig begleitet habe. Nicht zuletzt Werner Litz und seine „Grauen Panther“ – drei rüstige Sparwieser Rentner – seien immer zur Stelle gewesen. Sie haben in mühevoller Kleinarbeit die völlig überwucherten Treppen zum sanierten alten Pumpenhaus freigelegt. Auch dieses von Wolfgang und Christel Schweizer liebevoll sanierte Kleinod wird am Sonntag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Sparkassen-Stiftung setzt auch künftig auf ehrenamtliches Engagement. „Wir haben mit der Investition die Grundlage geschaffen, aber damit das Ganze lebendig wird, brauchen wir bürgerschaftliches Engagement“, sagt Wolf. Der Stiftungs-Vorsitzende ist optimistisch, dass das gelingt. Schließlich haben zahlreiche Akteure in Workshops jede Menge Ideen entwickelt, die dem Schloss Leben einhauchen sollen.

Ein Kommentar von Karin Tutas: Unschätzbare Verdienste

Die Skeptiker sind längst verstummt. Spätestens am kommenden Sonntag wird vielen Menschen klar werden, welche Kostbarkeit da hoch oben über dem Filstal thront. Schloss Filseck präsentiert sich in frischem Gewand und mit einem schlüssigen Konzept der breiten Öffentlichkeit. Beim Tag des Denkmals können die Besucher durch den Schlosspark spazieren, Bienenstände oder Kräutergarten in Augenschein nehmen, die neugestalteten Räume bestaunen und in der Schloss-Schänke eine Erfrischung genießen. Die Sparkassen-Stiftung hat kräftig in das Schloss samt Außenanlagen investiert. Rund 7,5 Millionen Euro sind geflossen, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aber das Projekt Schloss Filseck lebt nicht allein vom Geld. Das haben die verantwortlichen Akteure der Stiftung sehr gut erkannt. Es wird getragen von einer unglaublichen Begeisterung all jener, die sich schon seit vielen Jahren auf Schloss Filseck engagieren. Allen voran steht der Förderverein, der sich in den vergangenen 30 Jahren unschätzbare Verdienste um das Kleinod erworben hat und dessen Ehrenamtliche auch tatkräftig Hand anlegen. Solch ein Gebäude lebt nur, wenn Menschen da sind, die es mit Leben erfüllen – ob durch Ausstellungen oder hochkarätige Musikveranstaltungen wie das Sommerfestival Schloss Filseck. Indem sie möglichst viele Akteure ins Boot holt, setzt die Stiftung aufs richtige Pferd. Beste Voraussetzungen, damit Filseck ein Schloss für alle Bürger wird.

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