Ein Mann und seine TV-Halle

Rolf Widmaier ohne "seinen" Turnverein - schwer vorstellbar. So ist auch die TV-Halle, explizit der Anbau, ungeachtet der schlaflosen Nächte und vielen Schweißtropfen sein auserkorener Lieblingsplatz.

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  • Rolf Widmaier lehnt an einer deutschen Eiche, die sie 1989 vom Berliner Turnfest mitgenommen und eingepflanzt haben. Vier Jahre später wurde hinter dem Baum der Anbau errichtet. Foto: Sabine Ackermann 1/2
    Rolf Widmaier lehnt an einer deutschen Eiche, die sie 1989 vom Berliner Turnfest mitgenommen und eingepflanzt haben. Vier Jahre später wurde hinter dem Baum der Anbau errichtet. Foto: Sabine Ackermann
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Laut Bibel sollte jeder Mann ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen. Prima, abhaken, alles erledigt. Gleichwohl hat Rolf Widmaier sogar noch eine Schippe draufgelegt und neben seinem eigenen Domizil kurzerhand eine Turnhalle gebaut, genau genommen einen Anbau neben selbiger. Ein Sonntag im Frühherbst. Es ist der 4. September 1993. Da feierte der Turnverein Uhingen nämlich die Einweihung des Erweiterungsbaus der TV-Halle. "Ein Kraftakt sei vollbracht", hieß es damals in der Hauptversammlung und der Uhinger kann dies auch heute noch unterstreichen. Obwohl das Unterfangen ziemlich an seine Substanz ging und ihm zahlreiche schlaflose Nächte bescherte, bekommen seine Augen ein gewisses Leuchten, wenn er davon erzählt.

""Ganz ehrlich - gezweifelt habe ich nie an der Bewältigung meines Vorhabens. Immerhin schafften es anno 1913 knapp 30 Leute die Halle zu bauen, warum sollte das nicht auch uns gelingen?", so der dreifache Vater und vierfache Opa mit einem Augenzwinkern. Seit seiner Kindheit - Vater und Mutter waren bereits im Verein - ist der heute 64-jährige eng mit den Turnern verbunden und leitet als stellvertretender Vorsitzender nunmehr 22 Jahre deren Vereinsgeschicke.

Die Idee, die Halle zu vergrößern, kam ihm im trauten Heim und wurde quasi aus der Not heraus geboren. "Du, ich nehm das in die Hand. Aber du musst damit rechnen, dass ich mindestens drei Jahre so gut wie nie zuhause bin", warnte er schon mal vorsorglich seine Frau Susanne. Doch diese zeigte nicht nur aufgrund ihres Amtes als Oberturnwartin vollstes Verständnis.

Mit der Fläche von über 250 Quadratmetern hatten alte wie neue Abteilungen endlich genügend Platz. Spielmannszug und Sängerabteilung bekamen ihren Proberaum und die neuen Dusch- und Umkleideräume erfreuten wohl alle Mitglieder. So ruhte die Arbeit größtenteils als "Planer, Architekt, Ingenieur, Arbeiter und Handlanger" auf seinen Schultern, wobei ihm sein Beruf als Elektroinstallateur sehr von Nutzen war. Seiner Zeit weit voraus war er mit der Idee, eine Solaranlage zu installieren. Er wusste damals schon: Das macht sich bezahlt. Mit ihm gehörten Heinrich Breßmer, Erwin Sandner und Manfred Zipperer zum harten Kern der freiwilligen Bauhelfer. Gleich zu Beginn gab es Probleme. "Die Westmauer der alten Halle musste unterfangen werden und der Kommentar des Statikers - entweder sie hält oder fällt - trug nicht gerade zur Beruhigung bei", erinnert sich Widmaier. Doch es ging gut. Die Fundamente mussten fast drei Meter tief freigelegt und verstärkt werden. Da die Sandsteine sogar für den Bagger zu schwer waren, wurden sie in Handarbeit durchgehauen. Anfänglich nicht geplant, hoben die Amateur-Handwerker rund 1000 Kubikmeter Erde aus und errichteten ein Kellergeschoss. "Das war schon eine harte Zeit, die mich aber auch ein wenig stolz macht. Für mich ist das ein Lebenswerk und insofern mein absoluter Lieblingsplatz", so der umtriebige Senior. Umtriebig deshalb, weil er neben dem Spielmannszug seit 46 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr Uhingen angehört und außerdem als Schöffe bei Gericht für Recht eintritt.

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