Ein früher Adelssitz

Auf der Hiltenburg wird derzeit gegraben. Für Kreisarchäologe Reinhard Rademacher hielt der Schlossberg wieder Überraschungen bereit: Ein Adliger hatte wohl bereits im 4. bis 5. Jahrhundert dort seinen Sitz.

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Starkregen hatte ein Loch direkt an der Hangkante der Burgruine Hiltenburg ausgeschwemmt: Das rief die Experten von der Kreisarchäologie auf den Plan. Hier arbeiten Kreisarchäologe Reinhard Rademacher und sein Team in einem Sondierungsgraben.  Foto: 

Eigentlich ist die Sanierung der Burganlage seit Spätherbst 2012 abgeschlossen. Damals hatte das Team um Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher die Mauer um die Hiltenburg vollends freigelegt. Jetzt sind Rademacher und seine Helfer wieder vor Ort, arbeiten mit Schaufeln, Hacken, Eimern, Sieben und - für den Aushub - mit feinem Werkzeug. Starkregen hatte ein Loch direkt an der Hangkante ausgeschwemmt. Diese Stelle muss nun dringend für die Besucher der Ruine abgesichert werden. Was dadurch sichtbar wurde: Ein schönes Stück der Ringmauer, zuvor unsichtbar, von dem die Denkmalpflege nun sehen möchte, ob man es erhalten kann. Die Kreisarchäologie begleitet diese denkmalpflegerischen Vorarbeiten. Im nächsten Jahr, so hofft Rademacher, können die Experten dann das Mauerstück sichern.

Um zu sehen, was auf die Archäologen im nächsten Jahr zukommt - Rademacher erwartet neben Mauerresten einiges an Fundmaterial in den Kulturschichten - haben er und sein Team einen Sondierungsschnitt von 10 Metern Länge und 1,50 Metern Breite ausgehoben, der während der Arbeiten mit einem Zeltdach geschützt wird. "So können wir in den Untergrund reinschauen", sagt Rademacher. Und - wie schon so oft auf dem Schlossberg über Bad Ditzenbach - sind die Experten auf überraschende Funde gestoßen. Im Oberboden lag zunächst eine Planierung aus Schutt. Sie stammt von den Sanierungsarbeiten aus den 1970er Jahren. Rademacher: "Damals wurde sehr viel kaputt gemacht."

Jetzt wird das Fundmaterial von Hand und mit feinem Gerät Schicht für Schicht abgetragen, Profile gezeichnet und die gesamte Fläche im Maßstab eins zu 20 exakt dokumentiert.

Gefunden haben die Archäologen zum einen ein 1,40 Meter breites Mauerfundament, das auf die Quermauer zuläuft. Es handelt sich, nach Einschätzung Rademachers, um die Außenmauer eines mehrstöckigen Gebäudes. Zu erkennen ist eine dunkelrot verziegelte Feuerstelle. Nach Einschätzung von Michael Weidenbacher, der als Doktorand bei der Kreisarchäologie arbeitet, stammt dieses Gebäude aus der Frühgeschichte der Burg. Der gestampfte Lehmfußboden und Funde spätrömischer Ware lassen ihn vermuten, dass es sich um ein Gebäude aus dem 4. / 5. Jahrhundert handelt. Dieser Verdacht erhärtete sich mit Fortgang der Arbeiten. Alle Spuren deuten, laut Rademacher, darauf hin, dass ein regional bedeutender Adeliger oder Kleinkönig auf dem Schlossberg bereits in einer frühen Phase der Alemannenbesiedlung sein Anwesen hatte. Vergleichbar den Höhensiedlungen auf dem Zähringer Burgberg oder dem Runden Berg bei Urach. "Eine tolle Geschichte", sagt Rademacher.

Und eine zweite Überraschung hielt der Schlossberg für die Experten bereit: In einem runden Fundament an der sichtbaren Außenmauer des Hauses vermuteten sie zunächst den angebauten Turm einer Wendeltreppe. Recht eindeutig erwies sich dieser vermeintliche Turm als Zisterne. "Rundgemauert, mit einer Öffnung wie bei einem Brunnen. Nur hat man in ihr nicht Grundwasser geschöpft, sondern das Regenwasser von den Dächern gesammelt." Der Fund einer Ziegelplatte aus dieser Zeit zeige außerdem, dass Teile des Gebäudes offenbar mit Schiefer gedeckt waren.

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