Ein Fest zur Einweihung der Wohncontainer

Rot für Freude, orange für Wärme, grün für Hoffnung: Die ersten Bewohner sind in die Container in der Ebersbacher Daimlerstraße eingezogen.

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„Housewarming-Party“ für Klein und Groß: Zur Einweihung der neuen Wohncontainer gab es ein kleines Fest.  Foto: 

Hier gefällt es mir viel besser“, sagt Aven und deutet dabei auf ihre Wohnung im orangenen Wohncontainer-Komplex. Aven ist 19 Jahre alt und kommt aus dem Irak. Vor etwa zwei Jahren flüchtete sie mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, dem 16-jährigen Haval und der 11-jährigen Wasan, nach Deutschland. Die Gründe dafür zu nennen, würde viel zu lange dauern, meint sie und erzählt stattdessen von ihrem neuen Leben hier in Ebers­bach.  Sie, ihre Geschwister und ihr Mann, den sie in ihrer früheren Flüchtlingsunterkunft kennengelernt und  nach jesidischem Glauben geheiratet hat, gehören zu den ersten Familien, die jetzt in die neuen Wohncontainer in der Ebersbacher Daimlerstraße einzogen.

Mit einem kleinen Fest wurden die insgesamt 36 auf drei Einheiten verteilten Wohncontainer eingeweiht. Die neuen Bewohner, die ehrenamtlichen Helfer der Flüchtlingshilfe Ebersbach und Freunde haben sich zur Feier des Tages zusammengefunden. Das selbstgemachte Buffet, an dem sich Groß und Klein bedienen, spiegelt die kulturelle Mischung wieder. Vom typisch deutschen Hefezopf bis hin zum Sesamring, der im Osmanischen Reich erfunden wurde, ist so ziemlich alles aufgetischt.

„Wir haben es bisher geschafft, zehn Familien ein neues Zuhause zu bieten“, sagt Bürgermeister Eberhard Keller in seiner kurzen Ansprache. Dabei erklärt er die Bedeutung der unterschiedlichen Farben, in denen die drei Komplexe angestrichen sind. Die Farbe Rot stehe für die Lebenskraft, die jeder einzelne Bewohner habe. „Denn für eine Flucht aus der Heimat braucht man eine große Portion Kraft“, meint der Bürgermeister. Die Farbe Orange stehe für Freude, aber auch für die Gemütlichkeit und Wärme, die ein Zuhause haben sollte, während zuletzt die Farbe Grün die Hoffnung widerspiegeln soll, mit der jeder einzelne den Schritt in ein neues Leben in Deutschland gewagt hat.

„Bei uns in Ebersbach läuft es echt klasse“, meint Kevin Reyer. Laut dem ehrenamtlichen Leiter der Flüchtlingshilfe tragen dazu unheimlich viele Helfer und eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt bei. „Da läuft wirklich alles Hand in Hand“, freut er sich. Dabei macht er jedoch deutlich, dass noch viel zu tun ist. „Es sitzen immer noch Menschen im Ebercamp, die am Verzweifeln sind.“ Dort herrschen nämlich andere Bedingungen als in den neuen Wohncontainern in der Daimlerstraße.

„Ich habe hier endlich eine eigene Küche“, erzählt Aven glücklich. In der Gemeinschaftsküche ihrer alten Unterkunft sei es mit den anderen Bewohnern oft zu Problemen gekommen. Ihre knapp 50 Quadratmeter große Wohnung, die sie mit ihren Geschwistern und ihrem Mann bewohnt, besteht aus zwei Zimmern, einer Küche und einem Bad. Mit den zahlreichen Sachspenden von der Flüchtlingshilfe, von Familienpaten und Freunden, über die sie sehr glücklich sind, haben sie ihr neues Zuhause eingerichtet.

 „Leider hat nicht jede Familie einen Paten“, sagt Andrea Schiller, die vonseiten der Stadt die Flüchtlingshilfe koordiniert. Ehrenamtliche Paten helfen den Familien in ihrem Alltag, gehen mit ihnen zum Arzt oder erledigen Behördengänge. Die Flüchtlingshilfe hofft, weitere Paten zu finden. Besonders wichtig ist dabei, dass Paten Hilfe zur Selbsthilfe leisten. „Das heißt, den Familien zu mehr Selbständigkeit verhelfen“, so Schiller.

Bewohner Die etwa 40 Bewohner der Wohncontainer kommen nicht nur aus Ebersbacher Unterkünften, sondern auch aus Süßen, Göppingen und Uhingen. Laut Dietmar Vogl, der bei der Stadt Ebersbach unter anderem für bürgerliches Engagement zuständig ist, wird in die noch letzte freie Wohnung eine fünfköpfige obdachlose Familie einziehen.

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