Ein Bischof, der nicht nur weise lächelt

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Reich beschenkt von ihrer Gemeinde und von Gästen: Theodor und Almut Clemens bei der Verabschiedung im Festsaal des Kurhauses, dem Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine.  Foto: 

Mit einem Liebesmahl verabschiedete sich die Herrnhuter Brüdergemeine in Bad Boll von ihrem Pfarrer Theodor Clemens und seiner Frau Almut. Neun Jahre lang  hatten die beiden dort gewirkt. Für den Ruhestand zieht es sie nach Herrnhut, ihre alten Heimat.

Draußen bog der Wind die Bäume im Kurpark. Der Regen peitschte an die Fenster. Aber im Kirchsaal des Kurhauses herrschte gesammelte und feierliche Stimmung. „Wir wussten schon lange, dass dieser Moment kommen wird“, eröffnete Pfarrer Christoph Reichel das Liebesmahl, „aber wenn er dann da ist, dann fühlt es sich doch wieder ganz anders an.“ Damit verlieh er den Empfindungen der Gäste treffenden Ausdruck. Man konnte die Wehmut in den Gesichtern sehen. Das Liebesmahl, erklärte Reichel für diejenigen, die mit den Gepflogenheiten der Brüdergemeine nicht so vertraut seien, sei eine liturgische Versammlungsform, bei der viel Gesungen, aber auch Tee getrunken und Rosinenbrötchen gegessen werden. „Bescheiden, wie in der Brüdergemeine üblich.“

In die Amtszeit von Theodor Clemens seien viele Großereignisse gefallen, erzählte Reichel. Darunter im Jahr 2013 der Bläsertag, 2016 die Synode und in diesem Jahr das Missionsfest. „Aber viel wichtiger als die Großereignisse“, fand Reichel, „war das Begleiten, das Zuhören und füreinander da zu sein.“

Dann erinnerte er an verschiedene Lebensstationen im Leben von Theodor und Almut Clemens. „Wichtige und prägende Jahre habt ihr in Surinam verbracht.“ Auch in Indien und Südafrika hätten die beiden Missionsarbeit geleistet.

„Sie sind eine wichtige Persönlichkeit“, stellte Heide-Rose Weber in ihrem Grußwort für die Direktion der Brüder-Unität fest. „Das tolle an ihnen ist“, erklärte sie, „dass man sie überall hin schicken kann.“ Egal um welches Ereignis es sich handle, Pfarrer Clemens sei überall der Richtige.

Bernhard Goodwin zeigte sich in seiner kurzen Ansprache im Namen des Synodalvorstandes erleichtert darüber, dass Clemens weiterhin Bischof bleiben werde. „Sie sind ein Bischof, der nicht nur weise lächelt, sondern auch einer, der weise berät!“

Auch Birgit Kälbling, Geschäftsführerin des Kurhauses, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit. „Sie haben unseren Patienten Mut und Gottvertrauen zugesprochen.“

Für die Evangelische Akademie trat der Geschäftsführende Direktor Jörg Hübner ans Rednerpult. „Die Brüdergemeine, das Kurhaus und die Akademie“, stellte Hübner fest, „bilden eine Einheit.“ Für diese Einheit habe sich auch Theodor Clemens eingesetzt.

„Sie waren ein sehr engagierter Bad Boller Bürger“, befand die stellvertretende Bürgermeisterin Dorothee Kraus-Prause. Clemens habe sich unter anderem im Arbeitskreis Vielfalt eingebracht. „Aber auch Ihre Kritik und Ihre Bedenken haben sie uns mitgeteilt.“ Da er ja in die Bad Boller Partnergemeinde Herrnhut ziehe, erhoffe sie sich von ihm eine Wiederbelebung der etwas eingeschlafenen Städtepartnerschaft.

Auch Almut Clemens wurde gebührend verabschiedet. Ihr Flötenkreis brachte ihr ein kunstfertiges Abschiedsständchen. „Almut wird uns furchtbar fehlen“, bedauerte eine der Flötenspielerinnen. Vollen Einsatz zeigte der ökumenische Bläserchor. Der Kirchenchor der Brüdergemeine hatte eigens ein Lied für Clemens gedichtet: „Oh wie traurig, dass Sie ziehen!“ Das sei, kommentierte Theodor Clemens, eine neue Form des „Hosianna“. Die jüngeren Mitglieder des Chores hatten einen rhythmischen Sprechkanon vorbereitet, mit dem sie mit ausgefeilter Choreographie die Tätigkeiten des Pfarrers beschrieben.

Die Pfarrersleute Theodor und Almut Clemens verabschieden sich zunächst in den Urlaub und werden dann nach Herrnhut ziehen. Bad Boll wollen sie weiterhin verbunden bleiben.

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