Ebersbach hält an „Häusern für alle“ fest

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Schnell und unkompliziert glaubt die Stadt Ebersbach im Dachsweg ein Doppelhaus mit Wohnungen für Flüchtlinge errichten zu können. Als alternative Standorte kommen Bauplätze in der Strut und Martinstraße sowie im Teilort Roßwälden infrage.  Foto: 

Der Monolog von Bürgermeister Eberhard Keller in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats dauerte etwa fünf Minuten – dann hatte das Stadtoberhaupt eine Stellungnahme der Verwaltung  heruntergerasselt, in der sie Fragen von Anwohnern beantwortet, die sich um das künftige Zusammenleben in ihrem Viertel nahe des Dachswegs sorgen.

In der Straße will Ebersbach bis Ende 2018 ein Doppelhaus für anerkannte Flüchtlinge und für Einheimische mit geringem Einkommen errichten. Bis zu 16 Menschen sollen in das Gebäude nach dessen Fertigstellung einziehen. „Es sollen vorwiegend junge Familien mit circa vier Personen zum Zuge kommen“, las der Bürgermeister ab. Zuvor hatte er einem Mann in der Bürgerfragestunde versichert: „Das hat mit einer Massenunterkunft oder einem Wohnheim nichts zu tun. Es gehe darum, bezahlbaren Wohnraum für jedermann zu schaffen – und damit eine Aufgabe zu lösen, mit der sich auch die benachbarten Städte und Gemeinden konfrontiert sähen.

Gegner des Vorhabens sehen durch den Bau den Niedergang ihres Viertels kommen. „Wie wollen Sie eine Ghettoisierung und das Entstehen eines sozialen Brennpunktes bei einem Vorhaben dieses Ausmaßes verhindern?“, lautet eine der Fragen, die sie schriftlich der Verwaltung stellten. Diese Entwicklung halten manche für wahrscheinlich, weil sich die Stadt vorbehält, acht weitere Doppelhäuser für das gleiche Klientel in dem Gebiet zu errichten. Bei einer Belegung von 16 Personen je Doppelhaus rechnet die Verwaltung mit 72 Bewohnern nach Vollendung aller drei Bauabschnitte. Die Gegner kommen jedoch auf das Doppelte: Durch 144 neue Nachbarn drohen Spannungen und ein „Sozialgefälle“ in dem Stadtteil, orakeln sie.

Diese Gefahr sieht die Verwaltung nicht. „Die Belegung mit 144 Personen ist eine hypothetische Rechnung, die so in der Praxis nicht vorkommen wird“, erklärte Bürgermeister Keller. Zunächst sei ein Doppelhaus mit vier Wohnungen vorgesehen. Wer einziehen werde, entscheide der Wohnungsausschuss des Gemeinderats. Das Gremium werde „auf eine Verträglichkeit mit dem umgebenden Wohngebiet achten“.

Andere Befürchtungen der Gegner entbehren nach Ansicht der Stadt ebenfalls einer Grundlage. Sie glaubt nicht, dass Kinder und Bewohner eines Altersheims unter den neuen Nachbarn leiden werden. Ebenso wenig sieht die Verwaltung ein Biotop nördlich des dritten Bauabschnitts in Gefahr. Auch dass Besucher eines Friedhofs und einer Kirche Schwierigkeiten bekommen, einen Parkplatz zu finden, sei nicht zu erwarten, da hinter der Kirche neue Plätze entstehen sollen.

Ob solche Antworten die Gegner beruhigen, war an jenem Abend nicht zu sagen. „Es geht darum, dass das Gebiet da oben bebaut werden muss, weil da Platz ist“, mutmaßte eine Anwohnerin. Falsch lag sie mit der Vermutung nicht, doch der Bau muss auch schnell gehen: Die Stadt geht davon aus, dass sie 2018 für rund 40 Flüchtlinge mit Bleiberecht ein Dach über dem Kopf bereitstellen muss – und diese Wohnungen gibt es bisher nicht.

Transparenz Die Stadt will nächste Woche vor Ort über das Vorhaben informieren. Bürgermeister Eberhard Keller sowie Vertreter des Bauamts treffen sich am 11. Oktober um 18 Uhr vor dem Vereinsheim der Kleintierzüchter im Dachsweg 9 mit Interessierten. Nach der Besichtigung der Bauplätze schildern ab etwa 18.30 Uhr Mitarbeiter der Verwaltung im Vereinsheim die nächsten Schritte der geplanten Umsetzung.

Protest Nach Bekanntwerden der Pläne formierte sich im benachbarten Wohnquartier Widerstand gegen das Vorhaben. Kritiker stellten die Stadt mit einem Katalog von Fragen schriftlich zur Rede. Außerdem wurden anonyme Flugblätter im Norden der Stadt verteilt, die negative Auswirkungen durch die Bebauung und künftigen Bewohner der Häuser beschrieben.

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