Dürnauer geht mit Stipendium nach Kalifornien

Vom Waldorfschüler zum Vorzeige-Student - Lukas Toroslu hat zwei Stipendien ergattert und sich seine persönliche Version des amerikanischen Traums erfüllt: Er düst im Juli für ein Jahr nach San Diego.

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"Meine Eltern glauben an mich", sagt Lukas Toroslu (Mitte). Vater Ali und Mutter Andrea begleiten ihren Sohn, der im Juli nach San Diego fliegt und dann dort studiert.  Foto: 

Die guten Nachrichten erreichten Lukas Toroslu kurz vor Weihnachten innerhalb weniger Tage: Er hatte sowohl ein Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) als auch das des Landesprogramms Kalifornien 15/16 ergattert. "Das hat mich fast umgehauen. Ich freu mich so unglaublich, das ist echt der Hammer", schwärmt der 24-Jährige Dürnauer. Überhaupt ein Stipendium zu erhalten, ist ein Glücksfall. Dass Lukas gleich zweimal großzügige finanzielle Unterstützung für das Auslandsstudium bekommt und auch noch an seinem Traumziel San Diego, ist allein seinem Fleiß und seiner Disziplin zu verdanken. Der Wunsch, nach Amerika zu gehen, entstand bereits in seiner Jugend. Über seinen Vater Ali kam er in Kontakt mit Basketball und Fitness-Studios, beides Sportarten, die es zu Ali Toroslus Jugendzeit nur in den Cooke Barracks bei den Amerikanern gab. "Ich schaute Filme auf Englisch, las englische Bücher, liebte Hip-Hop und Basketball avancierte schnell zu meiner Lieblingssportart", erzählt Lukas.

Seine Mutter schickte ihre Söhne - außer Lukas auch dessen Bruder Adrian - in den Waldorfkindergarten und die Waldorfschule. "Das war okay. Bis mir eine Lehrerin, weil ich nicht häkeln konnte, prophezeite, aus mir werde nie was werden - außer vielleicht Müllmann." Lukas ließ sich provozieren. Er wollte nach der neunten Waldorfschul-Klasse aufs Gymnasium wechseln. Rasselte jedoch mit Fünfen und Sechsen durch die Aufnahmeprüfung für die zehnte Klasse. Da verhandelte sein Vater mit dem Schulleiter des Mörike-Gymnasiums. Überzeugte ihn von seinem Vertrauen in seinen Sohn und bat ihn um eine Chance. Lukas bekam sie. Für den damals 15-Jährigen war der Einsatz seines Vaters ein prägendes Erlebnis. "Ich habe gemerkt, meine Eltern glauben an mich und setzen sich für mich ein. Da habe ich für mich erkannt: Alles ist möglich." Er wiederholte die neunte Klasse auf dem Gymnasium, lebte sich schnell ein, schaffte die Klasse mit Dreien und Vieren.

Ein ähnliches Szenario wiederholt sich im Jahr darauf. Lukas stellte fest, dass er lieber den sprachlichen Zug mit Spanisch gewählt hätte und wollte in die entsprechende Klasse wechseln. Wieder verhandelte Papa Ali. Lukas paukte sechs Wochen lang in den Sommerferien allein die Spanisch-Vokabeln aus Klasse neun, bekam die Chance auf die Spanischklasse - und war am Ende der zehnten Klasse der Beste in diesem Fach. "Mein Vorteil ist, dass ich fleißig bin", konstatiert Lukas. Er lernt und lernt, als Ausgleich treibt er täglich Sport, abends weggehen interessiert ihn nicht. In Klasse 13 hat er das Ziel erreicht, das er sich selbst gesetzt hat: Abitur mit 1,0. "Ja, ich war ganz klar ein Streber", grinst er mit jungenhaftem Charme und fügt hinzu: "Aber mich störte das nicht und die anderen irgendwie auch nicht. Ich bin mit allen gut ausgekommen."

Allerdings spürte der intelligente Junge, dass Lernen und Erfolg nicht alles sein konnte. "Weil ich was ganz anderes erleben wollte und nicht gleich studieren, bewarb ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südamerika", berichtet er. Im August 2011 reiste Lukas zum Entwicklungsfreiwilligendienst nach Peru. "Es war so geil." Er war an einer staatlichen Schule für behinderte Menschen - Blinde, Autisten, Gelähmte. Er lernte die Blindenschrift Braille gelernt und durfte unterrichten. "Ich musste kämpfen um die Rechte der Schüler und um meine, musste mich durchsetzen. Ich habe Schreckliches gesehen und so Schönes erlebt."

Lukas kehrte zurück und hatte eine neue Sicht auf die Welt. Er wusste, dass er nun doch nicht BWL studieren wollte, wie ursprünglich geplant. Es sollte etwas sein, das mit Menschen zu tun hatte. Der inzwischen 22-Jährige legte ein weiteres Pausenjahr ein, reiste mit Bruder Adrian in die Türkei zu den Verwandten, arbeitete bei seinem Vater mit, der als Organisationsentwickler und Coach selbstständig arbeitet. Und begriff dessen psychologische Fähigkeiten bei der Zusammenarbeit mit Unternehmens-Chefs. "Ich hab gemerkt, dass mir das gefällt - Psychologie!"

Seit 2013 also studiert Lukas Psychologie in Mannheim - mit Lernen, Disziplin, einem durchstrukturierter Alltag und immer das Ziel, ein Stipendium zu bekommen, im Auge. Im Juli fliegt er mit seinen Eltern nach San Diego, sucht eine Wohnung, schreibt sich in der San Diego State University ein, lernt sein Umfeld kennen. Mitte August geht es los mit dem Studium. "Ich kann's gar nicht mehr erwarten", gibt Lukas Toroslu zu. Sein amerikanischer Traum wird wahr.

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