Drei Zugaben für Jubiläumskonzert in der Wallfahrtskirche Ave Maria

300 Jahre alt ist die Wallfahrtskirche Ave Maria in Deggingen und obendrein ist das Gotteshaus ausgezeichnet mit der "Pforte der Barmherzigkeit": genug Gründe also für ein Festkonzert in der Rokokokirche.

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Das Trompetenensemble Claude Rippas, Perkussionist Uwe Arlt (r.) und Organist Friedrich Fröschle (2.v.r) in der Degginger Wallfahrtskirche.  Foto: 

Das Trompetenensemble Claude Rippas ist in der Wallfahrtskirche Ave Maria inzwischen ein wohlbekanntes Trio. Gerne sind die Zuhörer daher am Ostermontag gekommen, um den Klängen von Claude Rippas, Johannes Knoblauch und Joachim Jung zu lauschen. Erst recht, weil die drei den Perkussionisten Uwe Arlt mitbrachten. Und spielt der ehemalige Ulmer Münsterorganist Friedrich Fröschle die Orgel, wie am Montag, dann folgen dem Ruf eines Konzerts in Ave Maria noch weit mehr. Und so platzte die kleine Rokokokirche fast aus ihren Nähten am Ostermontagabend, sogar die Treppen zur Empore waren von Zuhörern gesäumt. Und deren Erwartungen haben die fünf Musiker voll erfüllt. Stehende Ovationen gab es am Ende eines brillanten Festkonzerts.

Anlass dazu war der 300. Geburtstag der Wallfahrtskirche sowie die Auszeichnung, als einzige Kirche zwischen Ulm bis Stuttgart als "Pforte der Barmherzigkeit". Pater Felix Kraus, Leiter des Kapuzinerklosters, führte die Konzertbesucher in diese Themen ein. "Wir hatten immer eine volle Kirche. Sie wird von Menschen aus Nah und Fern geschätzt."

Seine Worte waren dem Eröffnungswerk gefolgt: Luftig und leicht haben die Musiker die prunkvolle Suite von Jeremiah Clarke "The Duke of Gloster's March" in Szene gesetzt. Mit dem Folgestück zelebrierten die Bläser den starken Kontrast zwischen ihren hell strahlenden Trompeten und den samtig tönenden Corni da Caccia: Das "Ave Maria" von Giulio Caccini. Zum Träumen schön die getragene Musik im Wechselspiel zwischen Solotrompete und -orgel, in den Tuttipassen fein ornamentiert von Glockenspiel und Orgel. Dann ein Ausflug in die französische Renaissance mit strahlenden Fanfaren in schreitenden Tänzen von Claude Gervaise. Im Gegensatz dazu kam Bach's Sinfonia D-Dur aus dem Osteroratorium reichlich gerafft und gerüscht daher. Beim verspielten, hoch empor steigenden Thema fiel der Vergleich zur Auferstehung Christi nicht schwer. Die Akteure verschmolzen dabei zu einer imposanten Einheit. Derweil das Quintett mit Homogenität und Strahlkraft brillierte, hatte der einstige Organist des Ulmer Münsters einige solistische Orgelbonbons mitgebracht. Mehrfach fand sich dabei das aufsteigende Motiv wieder.

So in der "Toccata D-Dur" von Johann Ludwig Krebs. Was als unlösbares Paradoxon anzusehen ist, schafft nur die Musik zu umschiffen: Ein Aufwärtsstreben, das verpackt ist in einer Abwärtsspirale. Fröschle wusste die geheimnisumwitterte Stimmung dieses Werkes farbig wieder zu geben. Mit fein ziselierten Klangmodulen erlangte Fröschle dann in Bach's Präludium und Fuge in D-Dur eine klare Transparenz. Beachtlich auch das herausfordernd temporeiche Pedalsolo.

Der lang anhaltende Beifall nach einer guten Stunde Konzert wurde mit drei Zugaben belohnt.

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