Drei Freunde erwecken Alte Schmiede zum Leben

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Schmiedet außer heißen Eisen auch Zukunftspläne für die Alte Schmiede: Albert Ehrhart (links), der am Eröffnungstag Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger zeigte, wie man einen Schlüssel in Form bringt.  Foto: 

Einen Bart in Form zu bringen, kann richtig anstrengend sein. Diese Erfahrung machte Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger vor einigen Tagen, als er Albert Ehrhart in der Alten Schmiede zur Hand ging. Zusammen mit dem Handwerker formte das Stadtoberhaupt auf dem Amboss den Bart eines Schlüssels aus glühendem Metall.

Der handgemachte Türöffner sollte Symbol dafür sein, dass der Bürgermeister und seine Mitarbeiter jederzeit gern gesehene Gäste in dem 1825 erbauten Haus sind. „Ich möchte der Verwaltung zeigen, dass ihr die Türen der Alten Schmide immer offen stehen“, erklärte Bernd Hahnloser. Ihm gehört das betagte Gebäude, und er ist einer von drei „Schmiedefreunden“, die sich dessen Erhalt auf die Fahnen geschrieben haben. Die einstige Schmiede der Stadt Uhingen, aus der fortan wieder häufiger Hammerschläge zu hören sein werden und in der regelmäßig Veranstaltungen stattfinden sollen, liegt nur wenige hundert Meter vom Rathaus entfernt.

Obgleich an diesem Nachmittag die Einladung mit schweißtreibender Arbeit verbunden war, schätzt der Bürgermeister das Ansinnen der Schmiedefreunde. „Ich bin dankbar dafür, dass jemand mit soviel Idealismus das alte Gemäuer im Herzen der Stadt wieder mit Leben erfüllt“, sagte er. Neben der Hingabe für den Erhalt der Alten Schmiede sei ein weiterer Vorteil der Initiative, dass ein Mitglied des Dreierbundes vom Fach ist: Bernd Hahnloser ist selbstständiger Tragwerksplaner für Denkmalpflege sowie Baustatiker und kennt sich durch diese Tätigkeit im Bewahren alten Gemäuers aus.

Allein, Genaues über das, was sich in Zukunft in den rußgeschwärzten Mauern der Alten Schmiede und drum herum abspielen soll, konnte der Genannte noch nicht sagen. „Als nächstes ist etwas mit dem Handels- und Gewerbeverein geplant“, deutete Hahnloser an. Außerdem schwebe ihm etwas mit Gastronomie vor. Konkrete Pläne muss die Interessengemeinschaft somit noch schmieden, doch in einem war sich Hahnloser gewiss: „Das ist der Auftakt heute, und es werden weitere Episoden folgen.“

Einen Eindruck davon, wie sich Denkmalpflege, Gastronomie und Tradition an der Adresse verbinden lassen, bekamen die Besucher bei der Eröffnung der Alten Schmiede. Vor deren Eingang reichten Unterstützer Häppchen und Getränke. Gestärkt von Sekt, Saft und belegten Stullen trotzten die Besucher dem nasskalten Wetter, während jene im Innern des Fachwerkhauses die Glut im Ofen wärmte.

Und der ist nichts Gewöhnliches, wie Albert Ehrhart seinem Publikum erklärte. „Die Besonderheit ist, dass er zwei Essen hat“, sagte der Schmied, bevor er Wittlinger an den Amboss holte. Die Konstruktion erlaube es, immer ein Eisen im Feuer zu haben. Ehrhart, der früher Vermessungsdirektor der Stadt Göppingen war, hat sich in den vergangenen Jahren die Kunst des Handwerks angeeignet. „Mein Metier ist eigentlich das Messerschmieden“, gestand er. Dieser Leidenschaft gehe er bei Mössingen nach, freue sich aber immer, in Uhingen arbeiten zu dürfen.

Ob Bürgermeister Matthias Wittliner diese Begeisterung nach seinem handfesten Einsatz teilte, blieb an diesem Tag unbeantwortet. Allerdings attestierte ihm eine Besucherin ein gewisses Geschick, als er am Amboss den Hammer schwang. „Er macht das schon viel besser als noch vor ein paar Minuten“, fand sie. Und die anstrengende Arbeit vor dem Ofen sollte sich gelohnt haben: am Ende hatte das Stadtoberhaupt den Bart des Schlüssels in Form gebracht.

Mitglieder Drei Männer bilden bisher die Inte­ressengemeinschaft der Schmiedefreunde: Der Baustatiker Bernd Hahnloser, der Schmied Albert Ehrhart und der Bildhauer Nikolaus Giljum. Die drei haben sich im Kunstverein Uhingen kennengelernt.

Vorhaben Die Schmiedefreunde wollen das fast 200 Jahre alte Haus bewahren und es als Ort der Begegnung etablieren. Das Flair des geschichtsträchtigen Ortes mit seinen rußgeschwärzten Wänden dürfte künftigen Veranstaltungen eine eigene Note verleihen.

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