Dokumentarfilm über Nachkriegsjahre in Göppingen

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Die Göppinger Hauptstraße in der Nachkriegszeit. Nach und nach öffneten die Läden wieder, doch es sollte noch viele Monate lang dauern, bis die Versorgung mit Lebensmitteln in der Stadt für alle ausreichte. Das sogenannte Hamstern war an der Tagesordnung. Das Foto zeigt eine Szene aus dem Dokumentarfilm „Kaugummi und Buchele“.   Foto: 

Wie war das damals im Landkreis in den ersten Jahren nach dem Krieg? Ein neuer Film des Kreisarchivs, der am kommenden Sonntag Premiere feiert, lässt zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen.

Damals waren es Züge voll mit Vertriebenen und Aussiedlern. Mindestens 17 mit jeweils 800 bis 1000 Personen allein im Jahr 1946. Und heute? Kommen Flüchtlinge und Asylbewerber. Aber nicht mehr Zug um Zug.

Wie war das damals in den ersten Jahren nach dem Krieg? Wie ging es zu im Landkreis vor rund 70 Jahren? Am besten, man befragt Zeitzeugen, dachte sich Dr. Stefan Lang, der Leiter des Göppinger Kreisarchivs, und initiierte zusammen mit dem Göppinger Filmemacher und Produzenten Gerhard Stahl einen Film, der jetzt erstmals öffentlich gezeigt wird. Zustande gekommen ist ein authentischer Beitrag zum Zeitgeschehen, der sich aus privaten Fotografien, kurzen Filmsequenzen und Zeitungsausschnitten, vor allem aber persönlichen Erzählungen und Erinnerungen von Zeitzeugen zusammensetzt und die Zeit nach dem Krieg wieder lebendig werden lässt.

„Rund ein Jahr hat es gedauert, die Idee umzusetzen“, erklärt Stefan Lang. In mühsamer gemeinsamer Arbeit wurden 38 Zeitzeugen ausfindig gemacht und befragt. Einheimische und Vertriebene. „Die erste Fassung des Films umfasste rund drei Stunden Spieldauer“, so Gerhard Stahl. In der Endfassung sind rund 100 Minuten übrig geblieben. Es hätten drei Mal so viel werden können.

Auch wenn sich ein Vergleich zwischen heute und damals geradezu aufdrängt – die Absicht des Films war es, vorhandenes, jedoch abgelegtes regionales Zeitgeschehen, aber auch unbekannte persönliche Erlebnisse zu erlangen und festzuhalten.

Der Film beginnt mit dem Einmarsch der Amerikaner in Göppingen. Am 20. April 1945. Niemand wusste, was passieren sollte. Von Ängsten und in Kellern versteckten Vätern und Mütter wird berichtet und von Lausbuben, die zum ersten Mal im Leben Kaugummis geschenkt bekamen oder Orangen aus den US-Jeeps stibitzten.

Religions- und Sprachbarrieren

Von sprachlichen Schwierigkeiten und religiösen Barrieren wird erzählt, von Wohnraum- und Hungersnöten. „Zum Hamstern sind wir immer auf die Alb gefahren“, erinnert sich ein Zeitzeuge. Um bei den Bauern persönliche Gegenstände gegen Lebensmittel einzutauschen oder sackweise Buchele als Mehlersatz in den Wäldern zu sammeln.

In einem sind sich alle einig, Einheimische wie Vertriebene. Es hat Jahre gedauert, sich aneinander zu gewöhnen. Am Ende hätten alle voneinander profitiert. Erst 1973 stellte der damalige Landrat Paul Goes fest, dass die Einbürgerung im Allgemeinen abgeschlossen sei.

Premiere Die Premiere des Dokumentarfilms „Kaugummi und Buchele“ findet am Sonntag, 15. Oktober, ab 17 Uhr in der Stadtkirche Göppingen statt. Für den Film wurden, zur Rekonstruktion und Dokumentation dieser prägenden Jahre, Interviews mit 38 Zeitzeugen geführt und durch historische sowie aktuelle Aufnahmen ergänzt. Die gut 90-minütige Doku hat das Kreisarchiv produziert, hinter der Kamera stand der namhafte Göppinger Filmemacher Gerhard Stahl.

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