Dohn referiert über Namenspatron der Sankt-Gallus-Kirche

Der Wanderprediger und Missionar Sankt Gallus ist Namenspatron der Bad Überkinger Kirche. Thomas Dohn, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, berichtete am Dienstag in der Sankt-Gallus-Kirche vom Leben des Heiligen.

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Die Sankt-Gallus-Kirche in Bad Überkingen. Warum der irische Heilige 1473 zum Namenspatron der Bad Überkinger Kirche wurde, lässt sich heute nicht mehr zurückverfolgen.  Foto: 

Wie bei den meisten Heiligen liegt vieles im Unklaren, was das frühe Leben des Gallus betrifft, erklärte Thomas Dohn den etwa 20 Zuhörern in der Bad Überkinger Sankt-Gallus-Kirche. Vermutlich wurde der Heilige um das Jahr 550 in Irland geboren. 590 folgte er nach Ausbildung und Priesterweihe im nordirischen Kloster Bangor seinem Abt Columban in die Vogesen, wo dieser das Kloster Luxeuil gründete. Zusammen mit Columban und mehreren Mönchen verließ Gallus um 610 das Kloster und brach zu einer Missionsreise auf, die ihn schließlich in den Bodenseeraum führte. Dort stieß er aber zunächst auf wenig Gegenliebe.

Aus Zürich und Bregenz wurden er und Columban fortgejagt, weil Gallus in seinem missionarischen Eifer die Statuen heidnischer Gottheiten kurzerhand im Bodensee versenkte. Die beiden flohen ins heute schweizerische Arbon, wo es eine christliche Siedlung gab. Dort trennten sich schließlich die Wege von Gallus und Columban im Streit. Gallus weigert sich, den Abt auf seiner - zu damaliger Zeit sehr gefährlichen - Reise nach Rom zu begleiten. Denn in den Augen des irischen Heiligen brachte eine Pilgerfahrt zum Papst "viel Mühe, wenig Nutzen". Das Zerwürfnis hatte zur Folge, dass Columban ihn mit einem lebenslangen Mess- und Predigtverbot belegte. Nach einem längeren Aufenthalt in Arbon begab sich Gallus im Jahr 612 wieder auf Reisen. Zusammen mit dem Kaplan Hiltibod beschloss er, dem in den Bodensee mündenden Fluss Steinach bis zu seiner Quelle zu folgen. Schließlich gelangten sie zum Wasserfall bei der Mülenenschlucht, wo Gallus der Legende nach stürzte, weil sein Pilgerstab zerbrach. Er interpretierte seinen Sturz als göttliches Zeichen und beschloss, sich dort als Eremit niederzulassen. Heute steht an dieser Stelle das Kloster Sankt Gallen.

Beim Bau seiner Einsiedlerklause soll Gallus ein Bär beigestanden haben, der den Heiligen vor anderen wilden Tieren schützte. Als Gegenleistung versprach Gallus dem Bären, ihn "für alle Tage mit Brot" zu versorgen.

Der Bär wurde später zum Wappentier der Stadt Sankt Gallen und das wichtigste Insignium des Heiligen: Auf Darstellungen wird er meistens mit dem Bären an seiner Seite und einem Laib Brot in der Hand gezeigt.

Während seiner Zeit als Einsiedler sammelte der asketische Gallus viele Schüler, bekämpfte weiterhin heidnische Bräuche. Und machte sich einen Namen durch seine leidenschaftliche Frömmigkeit, Menschenliebe und Naturverbundenheit. Nach seinem Tod am 16. Oktober 640, dem heutigen Sankt-Gallus-Tag, wurde sein Grab zum Wallfahrtsort.

Warum der irische Heilige 1473 zum Namenspatron der Bad Überkinger Kirche wurde, lässt sich heute nicht mehr zurückverfolgen. Eine direkte Verbindung der Gemeinde zum Kloster Sankt Gallen lässt sich jedenfalls nicht nachweisen. In der Lieblingstheorie Thomas Dohns spielt der Helfensteiner Graf Ulrich V. eine maßgebliche Rolle. Ulrich war ein enger Vertrauter von Kaiser Karl IV., der ein großer Gallusverehrer war. Der Helfensteiner eiferte dem Kaiser nach und erwarb wohl mehrere Reliquien des damaligen "Modeheiligen". Möglicherweise stiftete er eine davon der Bad Überkinger Gemeinde, sodass deren Gotteshaus zur Sankt-Gallus- Kirche wurde.

Heute weist in dem Gotteshaus außer dem Namen allerdings nichts mehr auf den Heiligen hin. Darstellungen oder Figuren von Sankt Gallus - geschweige denn Reliquien, gibt es keine mehr. Aber vielleicht, schlug Thomas Dohn vor, könne die Kirchengemeinde in Zukunft wieder am Sankt-Gallus-Tag ihres Kirchenpatrons gedenken.

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