Die Ratten-Mami

Zwei Rattenbabys lugen aus Manuela Berndts Kleiderausschnitt und verstecken sich gleich wieder. Direkt am Körper lernen sie das Zutrauen und die Bindung zu ihr, weiß die Expertin aus Wiesensteig.

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Manuela Berndt schmust gerne mit ihren kleinen Ratten.  Foto: 

"Ihr spinnt!" So lautete das unbarmherzige Urteil der Verwandtschaft, als die mitkriegte, für welches Haustier sich Manuela Berndt und ihr Mann Guido nach dem Auszug der Kinder vor sechs Jahren entschieden hatten. "Dabei sind die Ratten so süß. So sauber. So intelligent. Schade, dass meine Mäuschen so ein schlechtes Kanalratten-Image haben, das haben sie echt nicht verdient", sagt Manuela Berndt. Die 53-Jährige liebt ihre vier Tiere: Die beiden eineinhalbjährigen Söckchen und Simon sowie die beiden "Babys" Kalle Wirsch und Manni, die sie erst vor wenigen Wochen gekauft hat. "Schauen Sie, da sind die Kleinen", zeigt die Wiesensteigerin lachend in ihren Kleiderausschnitt. Tatsächlich schauen dort schwarze Knopfaugen in die Welt, das Schnäuzchen schnüffelt und schon versteckt sich das etwa sieben Zentimeter große Tier mit dem dunklen Fell und dem nackten Schwänzchen wieder in der wohligen Wärme irgendwo am Körper. Eine leichte Ausbuchtung an der Taille überm Kleidergürtel zeigt, wo sich Baby Nummer zwei gerade ausruht.

"Man kann es nicht verstehen, wenn man sie nicht erlebt", behauptet die Ratten-Mami. Sie erzählt davon, wie sie selbst fast ausflippte, als Tochter Cassandra mit 14 Jahren zum Geburtstag von jemandem eine Ratte bekam. "Nicht zu mir ins Haus", war ihre erste Reaktion. Als der Freund, der auf das Tier dann aufpasste, an einem Wochenende nicht zu Hause war, holte die Tochter sich für dieses Wochenende eine Sondererlaubnis. "Ich kam zufällig hoch in Cassandras Zimmer. Die Ratte lief frei umher. Sie kam auf mich zu, machte Männchen und schaute mich mit ihren Knopfaugen an. Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Manuela Berndt an ihre erste Begegnung mit den von allen so abgelehnten Tierchen.

"Wir, mein Mann und ich, haben uns dann Emmy gekauft, kurz darauf Tiffany. Aber die Rattenmädchen brauchten lang, bis sie sich aneinander gewöhnt hatten. Erst nach fünf Wochen waren die beiden ein Herz und eine Seele", erinnert sich die Hausfrau, bei der es in der Wohnung tipptopp sauber aussieht. Jedes der Tiere habe eine ausgeprägte Persönlichkeit, schildert sie. Emmy sei unglaublich zutraulich gewesen, Tiffy dagegen war neugierig. "Wenn ich staubsauge, ziehen sich normalerweise alle Ratten in ihren Käfig oder ihre Schublade zurück. Nicht so Tiffy. Die kam quer durchs Wohnzimmer zu mir, setzte sich auf den Sauger und genoss es, hin- und hergeschoben zu werden." Manuela Berndt lacht bei der Erinnerung.

Der einzige Nachteil bei den Nagetieren sei die kurze Lebensdauer, gibt sie zu. Im Durchschnitt werden sie bei ihr etwa zwei Jahre alt, um einiges älter als in der freien Natur. Nur ihr "Sammy", der wurde drei und starb erst vor zwei Wochen. "Söckchen und Simon haben sich um ihn gekümmert wie um einen alten Opi", beschreibt sie - "die brachten ihm Fressen in seine Hütte und einer von ihnen blieb immer bei ihm, um ihn zu wärmen. Sie trauern heute noch, das merkt man."

Sammy sei ausgesprochen intelligent gewesen, fällt ihr dazu ein. Der liebte Haferflocken und konnte sogar den Deckel der Plastikdose öffnen, in der sich die Flocken befanden. "Ich hab das bewundert und um mit ihm zu spielen, hab ich den Deckel immer wieder zugemacht. Irgendwann hat ihm das gestunken, er hat den Deckel geschnappt und am anderen Ende des Wohnzimmers versteckt. Dann kam er zurück, als wollte er sagen ätsch und fraß weiter."

Solche Geschichten kennt Manuela Berndt viele. Wenn die beiden aktuellen Jungen etwa zwölf Wochen alt sind, wird sie sie kastrieren lassen, damit sie nicht wegen zu viel Testosteron in der Jugend bissig werden.

"Wenn ich im Bett fernsehe oder hier im Wohnzimmer auf dem Sessel sitze, klettern mir die Tiere immer wieder auf den Schoß und schlafen dort zusammengekuschelt ein. Wenn die Großen mal müssen, gehen sie in ihren Käfig auf die Schüssel mit Katzenstreu, und kommen dann wieder. Meinem ganz Kleinen, Manni, muss ich das noch beibringen. Das tu ich, indem ich ihn morgens wecke und direkt dort hineinsetze. Er riecht das von den anderen und lernt schnell, dass das der richtige Platz für das Geschäft ist."

Baden muss Manuela Berndt ihre Ratten nur einmal - immer direkt nach dem Kauf bei MG in Weiler. "Dort kriege ich immer gesunde Tiere. Aber dort sind sie ja nur Futtertiere. Deshalb wasche ich sie zu Hause mit etwas Babyshampoo und klarem Wasser. Von da an halten sie sich selber sauber. Die riechen so gut, riechen Sie selbst! Und es sieht so süß aus, wenn sie sich mit den Vorderpfötchen hinterm Öhrchen putzen. Für mich sind meine Mäuschen einfach Balsam für die Seele!"

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