Älteste Feuerwehr im Kreis feiert 175-jähriges Bestehen

Viel Lob gab es für die Hauptübung in Baiereck. Zahlreiche Zuschauer schauten den Rettern anerkennend über die Schultern.

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  • Bei einer Schauübung im Rahmen der Jubiläumsfeier zeigte die Feuerwehr Baiereck ihr Können und begab sich dafür mit der Drehleiter in luftige Höhen. 1/3
    Bei einer Schauübung im Rahmen der Jubiläumsfeier zeigte die Feuerwehr Baiereck ihr Können und begab sich dafür mit der Drehleiter in luftige Höhen. Foto: 
  • Kellerbrand, sechs zu rettende Personen – so lautete die Einsatzbeschreibung der Schauübung der Feuerwehr Baiereck. 2/3
    Kellerbrand, sechs zu rettende Personen – so lautete die Einsatzbeschreibung der Schauübung der Feuerwehr Baiereck. Foto: 
  • Freiwillige mimten die ­Verletzten. 3/3
    Freiwillige mimten die ­Verletzten. Foto: 
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Es ist immer ein komisches Gefühl. Hört man das auf- und abheulende Martinshorn von Feuerwehr und Rettungsfahrzeug, fährt auch den hunderten von Zuschauern unweigerlich der Schreck in die Glieder. Alarmstimmung. Was ist passiert? Wo brennt’s? Ein Unfall? Und dann ist es plötzlich still im Ort, die Sirenen sind aus, ein Feuerwehrauto reiht sich an das andere. Die Retter steigen aus, lokalisieren die Lage, folgen den Anweisungen der Einsatzleiter und fortan sitzt jeder Handgriff, weiß jeder Einzelne, was zu tun ist. „Da kommt keine Hektik auf, alles passiert sehr ruhig und souverän“, ist Matthias Wittlinger, anfangs als Zaungast und später als Bürgermeister bei seiner kurzen Rede voll des Lobes. Mittlerweile raucht es aus dem Dachgeschoss und dem einige Meter entfernten Erdgeschoss. Luftzug, Treppenaufgang – der Qualm findet seinen Weg, die eingenebelten Menschen ohne professionelle Hilfe nicht. Denn das Schlimmste, es befinden sich noch Personen in dem langegezogen Gebäude, einer Schreinerei. Ein Szenario unbekannten Ausmaßes, wie es täglich und zu jeder Uhrzeit passieren kann.

Zum Glück ist es in Baiereck nur eine Übung. Wenngleich „nur“ der falsche Ausdruck ist. Denn gerade solche fiktiven Einsätze, dienen dazu, routiniert Leben zu retten, optimieren Leistung und Sicherheit. „Gerade eine solche Hauptübung ist auch ein guter Anlass, unsere intakte Feuerwehr der Bevölkerung vorzustellen“, betont der Baierecker Abteilungskommandant Holger Bischoff. Rund 50 Feuerwehrmänner aus Uhingen, Baiereck, Diegelsberg, Holzhausen und Sparwiesen zeigten unter der Einsatzleitung von Uhingens Kommandant Erwin Frasch eindrucksvoll ihr Können. Darunter zehn ehrenamtliche Rettungshelfer der Malteser Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) aus Uhingen

Der Anlass ist das 175-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Baiereck. Sind die Jubilare ansonsten mit voller Kraft dabei, glänzen sie diesmal zwei Tage lang vorrangig als Gastgeber, was wiederum die zahlreichen Besucher sehr zu schätzen wussten. „Wir haben bewusst keine Blasmusik bestellt, die Leute sollen sich auch unterhalten können“, so Holger Bischoff. Es war der 6. Juni 1842, als die Gemeinde Baiereck ihre erste Tragspitze ihr Eigen nannte, fand Dr. Günther Zollmann aus Schlichten bei seinen Recherchen heraus. Der seit Jahren ehrenamtlich aktive Historiker stammt ursprünglich aus dem Nassachtal und ist im Tal der Frohen kein Unbekannter. „Kellerbrand, sechs zu rettende Personen“, steht im Einsatz-Kurzprotokoll. Jeweils zwei Personen befinden sich im Dachgeschoss und auf dem Balkon, jeweils eine Person war auf dem Dach und im Keller, gerettet wurden allerdings sieben Männer. „Die bluten ja gar nicht und einer habe gelacht“, bemerkt ein Dreikäsehoch mit Kennerblick, als die Verletzten auf der Trage versorgt und abtransportiert wurden. Logisch, im Fernsehen ist mehr Action angesagt.

Was freilich die Wenigstens mitbekommen haben, ein Feuerwehrmann von der Atemschutzgruppe, (Kennzeichen ein „A“ auf dem Helm, da ist Holzhausen spezialisiert), sei in Panik durchgedreht und benehme sich rabiat. Natürlich war dies auch nur fiktiv, aber in solchen Extremsituationen kann so ein Notfall beim Angriffstrupp allemal passieren, verrät Ewin Frasch, der im Übrigen auch das Okay für den Einsatz einer Drohne eines Feuerwehrkameraden gab. „Aus der Luft können wir unsere Übung nochmal genauer analysieren“, freuen sich die jeweiligen Abteilungskommandanten wie Manfred Koser (Diegelsberg und Nassachmühle), Marco Lang (Holzhausen), Alwin Koser (Sparwiesen) und natürlich Holger Bischoff, zuständig für Baiereck und Nassach.

Kommentiert wurde der Einsatz von Rolf-Thomas Greiner aus Diegelsberg, weitere Reden kamen vom Ortsvorsteher Eberhard Hottenroth sowie Schlichtens Feuerwehrkommandant Gunter Pfeil, die der ­Jubilarin unter anderem eine Glocke und ein Signalhorn überreichten.

Lage: In Baiereck feiert eine der ältesten Feuerwehren im Kreis ihr 175-Jahr-Jubiläum. Zu verdanken hat sie dieses Alter auch der exponierten Lage im Nassachtal.

Kurios: Im Uhinger Teilort Baiereck gehen die Uhren scheinbar ein wenig anders. 2005 feierte man dort das 125-jährige Bestehen der dortigen Feuerwehr, am Wochenende, also nur 12 Jahre später, wurde bereits das Jubiläum „175 Jahre Feuerwehr in Baiereck“ begangen.

Zeitsprung: Das Geheimnis des Zeitsprungs liegt in neu entdeckten historischen Dokumenten, die sich im Schorndorfer Stadtarchiv befinden. Dr. Günther Zollmann, gebürtig aus dem Nassachtal, hatte bei Recherchen für Jubiläumsfeierlichkeiten in seinem Wohnort Schlichten Hinweise darauf gefunden, dass Baiereck am 6. Juni des Jahres 1842 die erste eigene Tragkraftspritze bekommen hatte.

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