Der Wilde Westen auf der Alb

Wild West in „Bohemianchurch“: Böhmenkirch war am Wochenende beim Westerntreffen des Schützenvereins Hubertus fest in der Hand von Cowboys, Trappern und Indianern.

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Was wäre ein Cowboy ohne sein Pferd. Da darf der Hut rechts auch mal nicht ganz „stilecht“ sein. Foto:  Foto: 

Cowboys, Trapper, Soldaten in Uniformen, undurchsichtige, zwielichtige Gestalten – und drei Indianer bevölkern das Camp aus weißen Baumwollzelten. Das Leben im Wilden Westen, einem weitgehend unerschlossenen Gebiet westlich des Mississippis der heutigen USA, wurde am Wochenende lebendig. Doch dazu war keine Zeitreise über den Atlantik erforderlich. Einen kleinen authentischen Einblick in die Pionierzeit des 19. Jahrhunderts gab es am Wochenende in Böhmenkirch. Der  Schützenverein Hubertus hatte zum 26. Westerntreffen geladen.

50 Hobby-Cowboys und Mitglieder von Schützenvereinen aus dem gesamten süddeutschen Raum packten Hüte, Stiefel, Revolver,  Gewehre und eine Menge weiterer zeitgenössischer Utensilien zusammen und besiedelten die vom Wald eingerahmte Wiese vis à vis vom Schützenhaus. Neben drei Tagen Wild-West-Alltag stehen auch Shooting Matches -  Schießwettbewerbe - auf dem Programm. Mit Unterhebelgewehren, Schwarzpulver- und Patronenrevolvern sowie Single-Action, Western- und Vorderladergewehren schießen die Männer in passendem Outfit auf 25, 50 und 100 Meter entfernte Scheiben.

Wie Achim Trischler, Mitglied der Sektion Westernabteilung des Böhmenkircher Schützenvereins betont, wurden einschüssige Vorderlader erst um 1860 durch mehrschüssige Gewehre und Revolver mit Patronen abgelöst. Legendär ist die Winchester, ein Unterhebelrepitier-Gewehr mit zehn Schuss, das 1866 auf den Markt kam. „Für einen Cowboy war diese Waffe fast unerschwinglich, weil ein Jahresgehalt dafür drauf ging“, weiß Trischler. Nach seinen Worten hätte die Treffsicherheit der Revolverhelden aus Westernfilmen wenig mit der Realität zu tun. „Bei einem Duell im Abstand von unter zehn Metern traf nur selten eine der sechs Kugeln pro Revolver den unliebsamen Gegenspieler.“

Doch nicht nur der Gebrauch von Schusswaffen charakterisiert den Wilden Westen und steht im Mittelpunkt des Westerntreffens in Böhmenkirch. Genauso wichtig ist die authentische Darstellung und die Identifikation der Hobbyisten mit der jeweiligen Rolle, die sie spielen.  Ein Longhunter mit langem Haar und Bart, braunem Hut und hellgrüner Jacke mit dreilagiger Pelerine gegen den Regen erzählt, dass er als Jäger für die Versorgung eines Forts mit Frischfleisch zuständig sei. Dafür müsse er hinaus in die menschenfeindliche Wildnis und bei Wind und Wetter auf die Jagd gehen. Ein anderer spielt einen Seemann mit gestreifter Hose und Schnallenschuhen, der auf einem Segler für die englisch-kanadische Pelzhandelsgesellschaft Hudson´s Bay in der Karibik unterwegs ist. Und wieder ein anderer schließlich ist Mitglied  einer Bürgermiliz, die ehrenamtlich und ohne Lohn die Einwohner der City of Bohemianchurch gegen Banditen, vagabundierende Soldaten und Gangster schützt.  

„All das gab’s, nichts ist erfunden“, versichert Trischler. Ein Höhepunkt ist der Auftritt von drei Indianern mit bayrischem Dialekt in originalgetreuen Gewändern. Ein Häuptling der Sioux, ein heiliger Mann vom Stamme der Cheyenne, sowie ein waschechter Halbindianer väterlicherseits vom nordamerikanischen Indianervolk Arapaho, zeigen original indianische Tänze und begeistern das Publikum. Mit diesem Wild West Entertainment sind die drei  bundesweit unterwegs und hatten auch schon gemeinsam mit der Westernabteilung des  Böhmenkircher  Schützenvereins hochkarätige Auftritte. Anlässlich von Buffalo Bills 125-Jahr-Feier gastierte die Truppe auf Einladung des baden-württembergischen Landesmuseums vor großem Publikum am Schloss von Karlsruhe. Und vor wenigen Wochen wurden sie vom Landesmuseum Koblenz für die Ausstellung „Cowboys und Indianer made in Germany“ engagiert.

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