Der Verkehr nimmt auch in Amstetten weiter zu

Vielerorts werden die "Lärmaktionspläne" der EU verspottet. Nicht so in Amstetten. Eingezwängt zwischen Bahn und B 10 sucht man dort händeringend nach Schutz vor dem zunehmenden Verkehrslärm.

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Die Verkehrsbelastung in Amstetten nimmt weiter zu: 2010 wurden noch 12.444 Fahrzeuge am Tag auf der B 10 gezählt, im Juli waren es schon 13.906 Autos.  Foto: 

In Drackenstein ärgerte man sich jüngst, dass nur Geld für nichts und wieder nichts zum Fenster hinausgeworfen wird. Als am Montag der Vertreter eines Dresdner Ingenieurbüros im Amstetter Gemeinderat erste Daten für den von der EU vorgeschriebenen "Lärmaktionsplan" vorstellte, hörten alle Räte von der ersten bis zur letzten Minute aufmerksam zu. Beim Thema Lärm ist man in Amstetten sensibel. Eingepfercht zwischen einer Hauptverkehrsstrecke der Bahn und der B 10 werden die Amstetter rund um die Uhr von allen Seiten beschallt.

Und es wird immer schlimmer. So zeigte eine vom Ingenieurbüro erläuterte Studie, dass der Verkehr auf der B 10 weiter zunimmt. Ergab eine Zählung des Regierungspräsidiums im Jahr 2010 noch eine Belastung von 12.444 Kraftfahrzeugen pro Tag (davon 7,7 Prozent Lkw), wurden im Juli dieses Jahres schon 13.906 Fahrzeuge erfasst, darunter zehn Prozent Schwerverkehr.

Durch die Zunahme des Verkehrs steigt auch die Zahl der betroffenen Haushalte. In einer Lärmkartierung aus dem Jahr 2012 wurden die Grenzwerte von 65 Dezibel dB(A) tagsüber und 55 dB(A) nachts (von 22 bis 6 Uhr) bei bis zu 120 Anliegern an der B 10 überschritten. Nach der neuen Berechnung auf Grundlage der Zahlen vom Juli sind es bereits bis zu 140 Anwohner.

Die Lärmbelastung durch die Eisenbahn betrifft weitaus mehr Bürger. So kam eine Berechnung von 2007 zum Ergebnis, dass die Grenzwerte am Tag bei 280 Anliegern, nachts sogar bei 560 Einwohnern überschritten werden. Allerdings sind diese Zahlen überholt, da die Bahn 2009 entlang der Schienenstrecke eine 725 Meter lange Lärmschutzwand errichtet hat. Die Ermittlung der aktuellen Belastung durch die Bahn wird eine der Aufgaben des Lärmaktionsplans sein.

Der Fachmann zählte am Montag schon mögliche Maßnahmen auf, wie man gegen den Lärm auf der B 10 vorgehen kann.

Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt brächte eine Reduzierung von 2,6 Dezibel. "Sofern man das schafft, würde man das auch hören", versicherte der Experte.

Verkehrsinseln und stationäre "Blitzer" könnten Tempo 30 als flankierende Maßnahmen unterstützen.

Der Einbau eines "Flüsterbelages" auf der Fahrbahn bringt zwei bis drei Dezibel. Das sei aber sehr teuer und von der Gemeinde nur bedingt zu beeinflussen, weil hier die Entscheidung beim Bund als Straßenbaulastträger liege, gab der Ingenieur zu bedenken.

BNL-Sprecher Walter Sigloch war entsetzt: "Die Zahlen sind noch schlimmer geworden, als wir befürchtet haben." Vor diesem Hintergrund forderte Sigloch vor allem den Flüsterasphalt: "Den brauchen wir unbedingt."

"Wir brauchen die Umgehung. Dann hätten wir eine Lösung, die alle Probleme beseitigt", konstatierte Hermann Eberhardt. Der Fraktionsvorsitzende der FUG wollte daher wissen, ob die mit dem Lärmaktionsplan gewonnenen Zahlen und Fakten auch in die Verkehrsleitplanung eingehen.

Berücksichtigt würde das schon - allerdings werde das "den Bundesverkehrswegeplan sicher nicht durcheinander werfen", machte der Experte den Amstettern nicht viel Hoffnung. Schließlich gebe es viele Gemeinden und viele Lärmaktionspläne - und damit auch viele Wünsche. "Die können nicht alle auf einmal bedient werden."

Lärmaktionsplan: Pflicht aber keine Verpflichtung

Lärmaktionspläne sind eine Vorschrift der EU und verpflichtend für alle Kommunen, die an Straßen und Eisenbahnstrecken mit über 8200 Kraftfahrzeugen oder 82 Zügen pro Tag liegen.

Die alle fünf Jahre zu erstellenden Pläne geben den Kommunen ein Instrumentarium, wie der Lärm gemindert werden kann. Eine unmittelbare Rechtspflicht für die Gemeinde zur Lärmbekämpfung besteht aber nicht. Die Bürger haben auch keinen Anspruch auf Umsetzung der Maßnahmen.

Kritiker halten die Lärmaktionspläne aus diesem Grund auch nur für nutzlose Papiertiger, die am Ende eh nur in der Schublade verschwinden.

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