Der Traum vom Fliegen wird auf dem Nortel wahr

Als Besuchermagnet entpuppte sich das Flugplatzfest auf dem Gruibinger Nortel. Spaß, Spannung umrahmt vom Fliegergruß der Sportpiloten und Modellbauern.

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Beim Flugplatzfest auf dem Nortel gab’s viel zu sehen – hier ein Oldtimer der Lüfte, die selbst gebaute Kiebitz von Pilot Heinz Hartmüller.  Foto: 

Wenn der Vater mit dem Sohne mal eben ein Flugzeug baut. Wolfgang Roth und sein 22-jähriger Sohn Philipp können mächtig stolz sein. Beide haben ihren Traum erfüllt und eine „Vans Aircraft RV-8“ binnen zwei Jahren aus rund 15 000 Einzelteilen zusammengesetzt. Von 2010 bis 2012 war Ausnahmezustand in der heimischen Garage in Schlierbach. Einerseits für Ehefrau und Mama Ilona, die ihre „Jungs“ selten zu sehen bekam, andererseits für Tochter Charlotte, die fürs präzise „Nietenzählen“ zuständig war und womöglich auch für die Zollbeamten und den Postboten: Denn jedes Teil kam aus Amerika, genauer gesagt aus Oshkosh, Wisconsin. „Nur der Propeller ist aus der Heimat“, verrät Wolfgang Roth lachend, der in seinem blau-silbrig-glänzenden, 200 PS starken und bis zu 370 Kilometer schnellen Zweisitzer bereits zahlreiche Flüge genießen konnte. Unvergessen der Jungfernflug vor vier Jahren, der nach intensivem Schaffen unter Beweis stellte: Das Vater-Sohn-Projekt hat sich nicht nur gelohnt, sondern „uns auch unheimlich zusammengeschweißt“, bestätigt das langjährige Aeroclub-Mitglied.

Jette Henninger überlegt noch. Reizen würde sie der Gyrocopter ja schon, doch der Drehflügler, der einem Hubschrauber ähnelt, sei halt ziemlich offen. „Das ist für mich noch ungewohnt, bisher bin ich nur in einer Boeing oder Cessna geflogen“, verrät die 67-Jährige lachend. Wer die Wahl hat, hat die Qual. So gab es auch am Wochenende unterschiedliche Möglichkeiten, ganz entspannt in die Luft zu gehen. „Wir haben doch ideales Flugwetter, es muss ja nicht immer ganz so heiß sein“, freut sich Peter-Michael Dauner vom Aero-Club Göppingen-Salach. Der Vorsitzende ist sehr zufrieden mit der Besucherzahl, für einen Samstag sei das Interesse super.

Sehens- wie hörenswert waren die Vorführungen der ferngesteuerten Modell-Flugzeuge, so sorgte unter anderem Johannes Bantleons Viperjet für mehrere „Aha-Momente“. Bereits mit sechs Jahren haben ihn Opa Hans sowie der Bausatz „Der kleine Uhu“ für den Modellbau infiziert. Fünf Jahre später kam die Fernsteuerung hinzu und infolge seines Talents und jede Menge Trainings, beeindruckte der 26-jährige Süßener beim Flugtag in puncto Präzision. So muss auch Paul Grimsel neidlos anerkennen: „Das war richtig super, bei dem ersten Looping hätte ich abgebrochen.“ Selbst Flugkapitän einer schwarz-gelben „Pitt’s Spezial S1“ im Maßstab „1:2,1“, weiß das Mitglied der Fliegergruppe Geislingen die Leistung dessen „Kubanischer Acht“ sehr zu schätzen. Selbst sei der Degginger vom Modell-Virus befallen, so schmücke seine Wohnung keine Frau, sondern etliche „Jets und Doppeldecker“.

Kein Jäger-, sondern kollektives Fliegerlatein macht bei den Zaungästen fröhlich die Runde. Man kennt sich, versteht sich und hat so richtig Spaß an der Freud’. Ebenso sind die Zuschauer begeistert, wenn diese schon rein optisch außergewöhnlichen Modelle mit 250 bis 300 km/h über den Flugplatz jagen oder mittels Einsatz von Turbinen einen fulminanten Kerosinstart an den Tag legen.

Da die Liebe zur Fliegerei alterslos zu sein scheint, hatten der 77-jährige Alfred Schnirch und der 89-jährige Desiderius Handl allerhand zu erzählen. Zwei alte Club-Haudegen der Fliegerei, die freilich seit Langem lieber am Boden bleiben. Letzterer lernte mit 18 das Segelfliegen, wurde 1946 aus Ungarn ausgewiesen und kam 14 Jahre später zum Aeroclub. Dort traf er seine Frau Elfriede, ist bis heute gern gesehener Gast auf dem Berg und interessiert sich als Rentner mehr für den Modellflug. „I bin nur g’floga, wo man au neihocka ka“, betont dagegen Schnirch, der auch bei seiner Passion seine Liebe fand und sich nie vor dem Arbeitsdienst drückte. „Willscht em Frühjahr fliega, muasch em Herbst schaffen.“

Gut zu tun hatte obendrein Werner Krauter. Bereits am Samstag gingen etwa 40 Passagiere für den guten Zweck seitens der Göppinger Patientenstiftung und des Aeroclubs in die Luft.

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