Alles bereit für Waldkindergarten in Deggingen

Mit ihrer Idee für einen Waldkindergarten rannte Initiatorin Johanna Schweier in Deggingen offene Türen ein. Jetzt ist schon alles bereit für den Start.

|

Am  oberen Ende der Nordalbstraße scheint Deggingen einfach aufzuhören: Hinter den letzten Häusern im Wohngebiet geht es nur noch auf einem steilen Schotterweg weiter  – vorbei an Streuobstwiesen und Schrebergärten ins Nirgendwo. Auf einer große Wiese mit alten Obstbäumen und herrlichem Blick ins Dorf steht ein grüner Bauwagen, davor ein Sitzkreis aus Baumstümpfen. Es ist der Standort des neuen  Degginger Waldkindergartens.  „Wir haben hier einen Traumplatz“, schwärmt Johanna Schweier, Initiatorin des Waldkindergartens und Vorsitzende des Fördervereins. Noch ist der Kindergarten nicht in Betrieb, man wartet noch auf die Zulassung des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS). Aber noch vor den Sommerferien soll es losgehen, zehn Voranmeldungen gibt es schon.

Auch ein Standort auf der Nordalb war im Vorfeld im Gespräch. „Aber wir haben einen Platz in der Nähe der Gemeinde angestrebt“, erklärt Schweier. Zum einen ist für die Eltern der Anfahrtsweg nicht so lang, zum anderen sollen die Kinder auch immer wieder im Dorf präsent sein – zum Beispiel durch Besuche in der Bücherei oder im Seniorenheim.

Der Waldkindergarten hat von 7.45 bis 13.30 Uhr auf und bietet Platz für bis zu 20 Kinder. In der Regel verbringen sie die gesamte Zeit unter freiem Himmel. Nur wenn es stark regnet oder es sehr kalt ist, geht man zum gemeinsamen Vesper in den Bauwagen. Wenn die Witterung so extrem ist, dass es für die Kinder draußen gefährlich werden könnte, stehen dem Waldkindergarten Räume der Gemeinde im Ort zur Verfügung.

„Das Beste, was man tun kann.“

Inzwischen konnte der Förderverein zwei junge Fachkräfte gewinnen, die für die Pädagogik zwischen Wald und Wiesen brennen: Jörg Müller (33) und Agnes Brendel (32). Beide haben zuletzt in Regelkindergärten gearbeitet, aber auch schon reichlich Erfahrung in Waldkindergärten in Rechberghausen beziehungsweise Reichenbach an der Fils gesammelt. „Die Anmeldung im Waldkindergarten ist das Beste, was man tun kann“, findet Brendel. Die Kinder hätten viel Bewegung und seien viel ausgeglichener. „Und man rennt nicht bei jedem Regentropfen sofort wieder ins Haus.“

Auf künstliche Bewegungslandschaften könne man im Waldkindergarten ganz verzichten, betont Johanna Schweier. Die Natur ist sozusagen Spielplatz und „Klassenzimmer“ zugleich: In der natürlichen Umgebung trainieren die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten, lernen ihre körperlichen Grenzen kennen und erforschen spielerisch ihre Umwelt. Die pädagogischen Zielsetzungen basieren wie in Regeleinrichtungen auch auf dem Orientierungsplan des Landes für Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen.

Und genau wie in „normalen“ Kindergärten gibt es auch im Waldkindergarten einen festen Tagesablauf. Die Eltern bringen die Kinder morgens nicht direkt zum Standort, sondern zu einem Treffpunkt beim Bürgerzentrum. Zusammen mit den Betreuern gehen die Kinder dann zum Waldkindergarten. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder“, meint Schweier. „Sie können sagen: Ich gehe jetzt.“  Und müssen nicht passiv zusehen, wie die Eltern durch die Türe verschwinden.

Ein fester Tagesablauf

Im Waldkindergarten angekommen beginnt der Tag mit dem gemeinsamen Morgenkreis. Danach folgt oft ein Spaziergang: In einem Radius von etwa drei bis vier Kilometern erkunden die Kinder zusammen mit Müller und Brendel  die Natur. Gevespert wird dann wieder am Standort. Zum Händewaschen gibt es auf dem Grundstück einen Wasserhahn. Als Toilette dient ein Kompostklo, ein geschlossenes System aus Rindenmulch und Torf.  Erfahrungsgemäß müssten Kinder aber eher selten ihr „großes Geschäft“ im Kindergarten machen, erzählt Agnes Brendel.

Viel Zeit nimmt im Waldkindergarten das Spielen ein. Dabei seien die Erzieher eher Impulsgeber als Animateure: Die Kinder können auf dem Gelände auf eigene Faust viel entdecken. Selbst ein von Käfern zerfressenes Rindenstück könne da zum faszinierenden Studienobjekt werden, hat Johanna Schweier beobachtet. Ausgerüstet mit Schaufel, Säge oder Raspel können die Kinder auf dem Gelände auch selbst werkeln oder basteln.  

Gibt es auch Kinder, für die ein Waldkindergarten nichts ist? Eher seien es manche Eltern, für die dieses pädagogische Konzept ungeeignet sei, meint Schweier. „Es gibt Kinder, die sich die Hände nicht schmutzig machen oder nicht barfuß gehen wollen. Aber das ist ankonditioniert.“ Ihre Erfahrung sei, dass die Kinder dieses Verhalten schnell ablegen und  dann die Möglichkeiten im Waldkindergarten  genießen.

Im Schulalltag kämen die „Waldkinder“ später erfahrungsgemäß gut zurecht, erläutert Agnes Brendel. Oft seien sie sehr gut dafür sensibilisiert, wie wichtig es ist, Regeln einzuhalten. Im Waldkindergarten sei dies besonders wichtig. Denn in der freien Natur gibt es natürlich auch Gefahren: Beim Spaziergang einfach vorausrennen oder das Gelände verlassen, ist tabu. „Die Kinder kontrollieren sich gegenseitig“, sagt Schweier. Durch die wichtigen Absprachen, an die sich die Kinder halten müssen, werde auch das Sozialverhalten gefördert, fügt Jörg Müller hinzu. Und auch für die Erzieher sei das Arbeitsklima sehr angenehm: „Das ist der schönste Arbeitsplatz überhaupt“.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wolff: Müllofen hilft dem Klimaschutz

Landrat Edgar Wolff beantwortet 28 Fragen von OB Guido Till: Im Klimaschutz-Konzept ist die Verbrennungsanlage ein regenerativer Energieträger. weiter lesen