Bürgerbusverein will Elektrofahrzeug

Der Bürgerbusverein Süßen würde gerne auf ein Elektrofahrzeug umsteigen. Das scheitert nach wie vor am Gewicht.

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Der Süßener Bürgerbus ist in die Jahre gekommen. Das neue Fahrzeug ist bestellt.  Foto: 

Der erste elektrobetriebene Bürgerbus im Landkreis lässt weiter auf sich warten. Die Ehrenamtlichen des Süßener „Mobs“ – so heißt die Stadtlinie, die vor allem älteren Süßenern in vielen Alltagssituationen zu mehr Mobilität verhilft, liebäugeln immer noch mit dem Umstieg. Der böte sich jetzt an. Denn das Fahrzeug, das seit 2009 durch den Ort kurvt, wird ausgetauscht. Rund 260 000 Kilometer hat der Sprinter auf dem Buckel und ist zunehmend reparaturanfällig. „Allein in den letzten zwei Monaten haben wir 4000 Euro reingesteckt“, erzählt der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Uwe Riether.

Dieser Tage geht die Bestellung für den neuen Bus raus, der ab Frühjahr 2018 seine Runden durch die Stadt drehen soll. Die Vereinsmitglieder hätten ernsthaft mit einem E-Bus geliebäugelt, erzählt der Vorsitzende. Damit hätten die Süßener im Landkreis die Nase vorne gehabt. Auch die Stadt würde das unterstützen und sei auch bereit gewesen, eine Stromtankstelle einzurichten. Jedoch wird das Vorhaben wohl wieder scheitern und zwar an einem alten Problem. „Der E-Bus würde zu schwer“, sagt Riether. Die ehrenamtlichen Chauffeure in der Personenbeförderungen dürfen nur Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen steuern. So schreibt es eine EU-Richtlinie vor. Der elektrisch betriebene Bus würde jedoch wegen der 800 bis 900 Kilogramm schweren Batterien 4,3 Tonnen auf die Waage bringen.

Das Gewichtsproblem treibt den Verband „Pro Bürgerbus“, in dem die Bürgerbusvereine im Land zusammengeschlossen sind, schon lange um. Dessen Präsident, der Geislinger Landtagsabgeordnete Sascha Binder, hat derzeit wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Es sei Sache des Bundes, eine Änderung des EU-Rechts zu beantragen. Ein entsprechender Vorstoß aller Pro-Bürgerbus-Landesverbände bei Verkehrsminister Alexander Dobrindt sei erfolglos geblieten. „Das Ministerium sehe keine Notwendigkeit, diese Hürde auf EU-Ebene zu überwinden. „Für uns ist das nicht nachvollziehbar“, erklärt Binder. Denn für Paketfahrer mit denselben Führerscheinanforderung gelte die 3,5-Tonnen-Regel nicht. Ärgerlich findet der Verbandspräsident das Zögern des Bundes nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Dieselproblematik. Locker lassen wolle die Bürgerbus-Lobby dennoch nicht. „Wir werden das Thema nochmal in den Mittelpunkt unseres Verbandstags stellen“, erklärt Binder. Dieser findet am 17. September in Salach statt.

Auch Uwe Riether macht sich keine Illusionen: „Uns bleibt nichts übrig, als wieder einen Diesel zu kaufen“, meint er. Immerhin sei die Finanzierung des neuen Fahrzeugs, nicht zuletzt aufgrund der soliden Finanzbasis des Vereins gesichert. Rund 120 000 Euro kostet der neue, mit Niederflurtechnik ausgestattete Bus inklusive des Umbaus.  30 000 Euro bringt der Verein aus eigenen Mitteln auf, 11 000 Euro sollen durch Werbeeinnahmen reinkommen und 30 000 Euro durch Zuschüsse vom Land. Für den Rest übernehme die Stadt eine Ausfallbürgschaft für ein zinsloses Darlehen.

Geschichte Die Stadtlinie Mobs (mobil in Süßen) verkehrt seit 2009. Träger des Projekts ist der Verein „Bürgerbus Süßen“.

Fahrgäste Der Bürgerbus fährt pro Jahr rund 6000 Menschen durch die Stadt, 95 Prozent seien es Ältere, die den Bus nutzten. Im September wird der 50 000. Fahrgast erwartet.

Strecke Vormittags verkehrt der Bus zwischen 9 und 11 Uhr, nachmittags außer mittwochs von 14 bis 16 Uhr und legt pro Runde 60 Kilometer zurück.

Haltestellen Im Süßener Stadtgebiet sind im Abstand von 200 bis 300 Metern insgesamt 35 Haltestellen verteilt.

Fahrer 17 Ehrenamtliche chauffieren derzeit den Mobs.

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