Der Mauerfall

So kann man auch Geld ausgeben. Kaum gebaut, wurde eine Lärmschutzwand in Böfingen zum Teil wieder abgerissen. Kosten: 30 000 Euro.

|
Plötzlich war es weg: ein 50 Meter langes Stück der Lärmschutzmauer am Lettenwald. Nach dem Bau eines achtgeschossigen Hauses der UWS soll es wieder ersetzt werden. Foto: Lars Schwerdtfeger

Anruf Redakteur bei der Abteilung Verkehrsplanung und Straßenbau der Stadt Ulm: "Wer hat die neue Lärmschutzwand vor dem Böfinger Neubaugebiet Lettenwald abgerissen?" Herumdrucksen am anderen Ende der Leitung. "Das können wir nur schriftlich beantworten." Schriftliche Antwort zwei Stunden später: "Bitte setzen Sie sich mit der Hauptabteilung Stadtentwicklung in Verbindung, da für den Abriss planungsrechtliche Gründe ursächlich sind." Anruf Redakteur bei der Hauptabteilung Stadtentwicklung, gleiche Frage. Antwort: "Wir sind nicht zuständig. Wenden Sie sich bitte an die Abteilung Verkehrsplanung und Straßenbau."

Niemand hat die Absicht, eine Mauer einzureißen, könnte man da frei nach Walter Ulbricht sagen. Bloß: Die Mauer ist weg. Zumindest ein Teil von ihr. Was bei Anwohnern für Kopfschütteln und Verärgerung sorgt. Vor einem halben Jahr erst wurde die mit Steinen gefüllte Gabionenwand errichtet. Vor wenigen Tagen rollte ein Bagger an und brach 50 Meter der Wand wieder ab. "Ist das nun ein gigantischer Fall von Fehlplanung oder einfach nur Dummheit? Und wer trägt für so etwas die Verantwortung?", fragte ein Leser aus dem Ulmer Stadtteil.

Offenbar niemand. Aber dann packt doch einer aus. Dr. Frank Pinsler, Chef der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) versteht, "dass jetzt die meisten an einen Schildbürgerstreich denken". Doch dem sei nicht so. "Wir haben das so im Sinne des Schutzes von Steuergeldern entschieden."

Als die Stadt die Wand 2013 errichtete, habe offenbar niemand bedacht, dass die UWS auf einem direkt an die Wand angrenzenden Grundstück in der Otl-Aicher-Allee ein achtgeschossiges Wohnhaus baut. Beim Ausheben der Baugrube stellte sich nun heraus, dass die Wand, die kein Fundament hat, sondern durch ihr Eigengewicht gehalten wird, im Zuge der Bauarbeiten umfallen könnte. "Der Abbruch war die wirtschaftlichste Lösung", sagt Pinsler, der die Kosten mit 30 000 Euro beziffert. "Das zahlen wir." Bei einem Gesamtbudget des Projekts von zehn Millionen Euro sei diese Summe vertretbar, findet der UWS-Chef. Peanuts also? "Dieses Wort nehme ich nicht in den Mund."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drama von Eislingen: Opfern die Kehle durchgeschnitten

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. weiter lesen