Denkmalamt sucht Spuren von Grenzwall

In Wäschenbeuren wird ein neues Baugebiet erschlossen. Das Landesamt für Denkmalpflege geht Vermutungen nach, nach denen dort ein römischer oder mittelalterlicher Grenzwall verlaufen könnte.

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"In gerader nordnordwestlichen Richtung" habe der Grenzwall vom Hohenstaufen weggeführt, schrieb der Archäologe Eduard Paulus 1863. Er habe die römische Befestigungsanlage, bestehend aus Wall und Graben, über Oberkirneck bis Lorch ausgemacht. Zwar sei diese vielerorts bereits zerstört worden. Doch Paulus schrieb, dass "weder die Menschen noch ein Zeitraum von beinahe 2000 Jahren vermocht, diesen gänzlich zu vertilgen". Darauf setzt auch Wolfgang Berge. Der Göppinger Stadtrat und ehemalige Chef der Energieversorgung Filstal vermutet Spuren dieses Limes-Teilstücks am östlichen Ortsrand Wäschenbeurens. Dort soll in diesem Jahr ein vier Hektar großes Baugebiet erschlossen werden. "Sehen kann man von Wall und Graben nichts", sagt Berge. Vielmehr rechne er damit, dass bei Bauarbeiten Funde zutage kommen, die Paulus' Annahme belegen. Limes-Fachmann Stephan Bender unterstützt diese Vermutung.

Allerdings denke er nicht an Spuren vom römischen Limes. "Paulus beschreibt eine spätmittelalterliche, frühneuzeitliche Landwehr", vermutet der Limeskoordinator aus dem Limesmuseum Aalen. Forscher im 19. Jahrhundert hätten oftmals solche mittelalterlichen Befestigungsanlagen mit dem Limes aus der Römerzeit verwechselt. Tatsächlich seien aber auch solche Funde als wichtige archäologische Bodendenkmäler zu bewerten. Weil Bender nur die Quelle von Eduard Paulus vorliegt, könne er keine abschließende Beurteilung aussprechen. "Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass diese Landwehr östlich von Wäschenbeuren verläuft." Paulus' Ortsangaben hätten sich auf der Karte genau verfolgen lassen.

Bender rechnet mit Auflagen vom Landesamt für Denkmalpflege für das zukünftige Baugebiet. Dort gibt es diesbezüglich noch kein Gutachten, sagt Andreas Thiel. Der archäologische Denkmalpfleger ist beim Regierungspräsidium Stuttgart für den Kreis Göppingen zuständig. "Ich werde den Hinweisen nachgehen und mir den speziellen Fall anschauen." Möglicherweise findet der Landwehrgraben dann Eingang ins Geoinformationssystem der Behörde. Nach diesem System bewertet das Amt, ob anstehende Bauvorhaben mit schützenswerten Denkmälern kollidieren. "Von 600 Bauanträgen im Jahr ist es eine Handvoll, denen wir deswegen widersprechen", sagt Thiel. Viel häufiger sei aber, dass Bodendenkmäler überbaut werden dürfen. "Sonst könnte man fast nirgendwo mehr bauen." Das Ziel sei in dem Fall, Historisches vorher zu finden und zu untersuchen. "Dann haben wir immerhin wertvolle Informationen, die uns in der Forschung weiterbringen", sagt Thiel. Damit sei im Fall Wäschenbeuren zu rechnen.

Spätestens bei der Erschließung, die in den kommenden Monaten ansteht, würden diese geophysischen Untersuchungen mit der Gemeinde abgestimmt werden müssen. Das werde kein Problem sein, sagte Karl Vesenmaier. "Allerdings hoffe ich, dass sich dadurch die Baupläne nicht verzögern", sagte der Bürgermeister. Er selbst glaube nicht an mögliche Funde. "Im benachbarten Baugebiet wurde seinerzeit auch nichts entdeckt." Und auch bei der Verlegung von Rohren in diesem Gebiet durch die Landeswasserversorgung habe es keine Hinweise gegeben. "Weder vor 70 Jahren noch vor fünf."

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