Degen sticht Dialoge aus

Vor lauter Aktionen vergaß die Regie, dass allein Shakespeares Sprache zum großen Theaterereignis werden kann. Doch ein spielfreudiges Ensemble brachte die brillierenden Wortgefechte gut zum Ausdruck.

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Nachdem der in Sachsen gebürtige Tilo Esche das Schwabenalter bereits deutlich überschritten hat, kann von einem nach Höherem strebenden Jung-Regisseur, der sich berufen fühlt, altgediente Klassiker mit besonders waghalsigen Aktionen vom Staube zu befreien, um sich auf diese Art einen Namen zu machen, kaum mehr die Redesein. Vielleicht ist er ja nur Motorrad- und Science-Fiction-Fan, lässt er doch Shakespeares wackere Helden im futuristischen Outfit auf mit Totenkopf und Gebeinen verzierten Quads vom Krieg zurückdonnern ins friedfertige Heim des Gouverneurs von Messina.

Aber nicht nur des Dichters Werk, auch den siegreichen Heimkehrern verpasst die Regie eine Entstaubung, haben diese sich doch splitternackt im wassergefüllten Bassin zu tummeln. Eine abendliche FKK-Show, der letztendlich der ganz große enthüllende Moment fehlte, blieb doch des Mannes Glück im Verborgenen. Obs nun an der schützenden Hand oder gar am Gemächt selbst lag - die eine zu groß, das andere womöglich zu klein geraten -, man weiß esnicht.

Die Inszenierung ist bemüht, den Klassiker aus seinem historischen Gewand zu befreien, doch allein mit der Entledigung der Klamotten ihrer Protagonisten ist es nicht getan. Im Einklang mit Bühnenbild (Elmar Thalmann) und Kostüm (Jenny Schall) taucht Esche immer wieder ein in die Mantel- und Degenromantik jener Zeit, dieer doch partout dem mit Irrungen und Wirrungen einhergehenden Kampf der Geschlechter entziehen wollte. Er ist eben bekennender Action-Freak, zumal man mit dieser Art von spektakulärer Abendunterhalt den überwiegenden Teil des Publikum immer auf der sicheren Seite weiß, selbst wenn dadurch Shakespeares kluge Sprache im ungestümen Tohuwabohu der Gags fast ungehört vom Wind hinweg getragen wird, obgleich sie doch nicht minder lustspielhafte Züge aufzuweisen hat.

Weitaus gediegener gings nach der Pause zu Werke, kamen doch die theatralischen Reize in den spannungsreichen Beziehungen zwischen Beatrix und Benedick sowie Claudio und Hero wunderbar zum Tragen. Große Momente für das ganze Ensemble: allesamt hatten sie"ihren" Shakespeare bestens drauf. Vor Spielfreude sprühend kam in den sich mehr und mehr zuspitzenden Dialogen der brillierende Witz der Komödie auf erhellende Art zur Entfaltung. Einer der wohl großartigsten Theatereinfälle Shakespeares, trotzdem es ihm versagt blieb, auf donnerndem Quad dichtend durch Stratfords Wälder zu düsen.

Am Schluss gab es fürs Esslinger Ensemble warmen Applaus in kühler Adelberger Nacht.

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