Debatte um Bünzwanger Halle

In der seit langem schwelenden Diskussion um eine neue Halle für den Stadtteil Bünzwangen glaubt die Ebersbacher Stadtverwaltung, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Aber die Vereine spielen nicht mit.

|
Vorherige Inhalte
  • Im Ebersbacher Stadtteil Bünzwangen wünscht man sich eine neue Halle, in der nicht nur geturnt, sondern auch Theater gespielt und gefeiert werden kann. Foto: Archiv 1/2
    Im Ebersbacher Stadtteil Bünzwangen wünscht man sich eine neue Halle, in der nicht nur geturnt, sondern auch Theater gespielt und gefeiert werden kann. Foto: Archiv
  • 2/2
Nächste Inhalte

Der Ebersbacher Bürgermeister Sepp Vogler ist nicht amüsiert. Vogler schmeckt es überhaupt nicht, wie sich die Diskussion entwickelt und schon gar nicht, "wenn die Verwaltung aus der Zeitung erfährt, wie die Vereine denken". Der Wunsch des Ebersbacher Stadtteils Bünzwangen, die marode Turnhalle des örtlichen Turnvereins durch eine neue Mehrzweckhalle zu ersetzen, in der nicht nur geturnt, sondern auch Theater gespielt und gefeiert werden kann, ist schon längst ein Politikum. Denn die Bünzwanger kämpfen auf breiter Front für ein neues Domizil und haben eigens einen Förderverein gegründet. Und Gemeinderat und Verwaltung zerbrechen sich den Kopf, wie das Vorhaben zu finanzieren ist.

Auch der Turnverein Ebersbach (TVE), der keine eigene Halle besitzt, benötigt zusätzlichen Übungsraum und liebäugelt damit, sein Stadion an der Jahnstraße zugunsten eines großen Sportzentrums am Raichberg-Schulzentrum aufzugeben. Die ursprüngliche Überlegung der Stadt, dort eine Mehrzweckhalle zu errichten - wie es die vor Jahren erstellte Sportstättenplanung vorsieht -, stößt bei den Bünzwangern aber auf wenig Gegenliebe. Sie wollen ihre Halle im Ort haben. Mit dem Standort im Bereich "Unterer Wasen" an der Kreisstraße nach Schlierbach glaubt man nun im Ebersbacher Rathaus, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Dort könnte nach Plänen des Bau- und Umweltamts eine Mehrzweckhalle für den TV Bünzwangen (TVB) nebst einem angedockten Hallenteil für den TVE errichtet werden. "Außerdem wäre noch Platz für eine Außensportanlage und eine Vereinsgaststätte", erklärt Amtsleiter Klaus Brenner.

Diese Lösung bietet aus Sicht der Verwaltung die Möglichkeit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Würden beide Vereine ihre jeweiligen Gelände einbringen, böte sich der Stadt die Chance, sie zu verkaufen, zumal die Kommune westlich des TVE-Geländes selbst eine Fläche hat, die sie mit Rücksicht auf die Sportanlage bislang nicht für Wohnbebauung nutzt. "Wir bekämen dadurch so viele Einnahmen, dass wir auch eine Nachfolgehalle für die Marktschulhalle bauen könnten", sagt Sepp Vogler.

Mitte Mai hatte die Verwaltung bei einem runden Tisch den Vereinen ihre Überlegungen für eine gemeinsame Lösung erläutert und ihnen Hausaufgaben mitgegeben. "Sie sollten sich an einen Tisch setzen und klären, was sie brauchen", sagt Hauptamtsleiter Günther Pfeiffer. Das gemeinsame Gespräch hat jedoch bislang nicht stattgefunden. "Es wird auch kein Gespräch geben, weil Bünzwangen eine Turn- und Kulturhalle und Ebersbach eine große Sporthalle braucht", erklärt der Vorsitzende des TV Bünzwangen, Hanspeter Effenberger. Sein Verein hat inzwischen ein Raumprogramm an die Stadt übermittelt. Mit dem Platz im Unteren Wasen sei man im Grunde einverstanden, erklärt Effenberger. "Es sollte aber so schnell wie möglich etwas passieren, damit nicht nochmal 15 Jahre ins Land gehen." Indes ist dem Vorsitzenden auch klar: "Der TVB kann alleine nichts machen, weil wir kein Geld haben."

Der Turnverein Ebersbach will von der Lösung "Unterer Wasen" hingegen nichts wissen. "Der Platz ist zu klein", sagt Gerhard Mayer, Vorsitzender des mit 1500 Mitgliedern größten Vereins der Stadt. Der TVE-Vorsitzende träumt schon seit zehn Jahren vom großen Wurf am Raichberg, entsprechend lautet auch ein Vorstandsbeschluss: "Raichberg oder gar nichts." Der TVE habe gut gewirtschaftet und Geld für eine neue Sportanlage angespart, die am Raichberg aus Sicht Mayers eine gute Lösung für alle Vereine und für die Schule sei. Der Vereinsvorsitzende, der auch für die CDU im Gemeinderat sitzt, lässt auch durchblicken, dass seine Vorstandskollegen wenig Lust verspüren, sich den "Bünzwanger Bedürfnissen" zu beugen. "Da ist schon ein bisschen Lokalpatriotismus dabei", räumt Mayer ein.

Das ist Wasser auf Mühlen des Rathauschefs: "Da wollen einige nicht", sagt Sepp Vogler, dem es nicht einleuchten will, "dass es keine Schnittmengen bei den beiden Vereinen gibt". Die Verwaltung sehe mit einem gemeinsamen Projekt im "Unteren Wasen" die Chance, etwas umzusetzen, das auch finanzierbar sei. Für das morgige Treffen mit Vereinsvertretern, Ortschafts- und Gemeinderäten in Sachen Hallenbau Bünzwangen kündigt Vogler deutliche Worte an.

An Zündstoff dürfte es bei dem Treffen ohnehin nicht mangeln. Inzwischen hat der Bünzwanger Förderverein auf eine Äußerung des Ebersbacher Turnvereinsvorsitzenden reagiert. Mayer hatte öffentlich den Abriss der alten Bünzwanger Turnhalle als Geldverschwendung bezeichnet. Stattdessen solle man das Gebäude sanieren. Das kommt für den Förderverein aber nicht in Frage, ein Neubau sei ohne Alternative. Auch die Bürgerinitiative Bünzwangen (BIB) mischt in der Hallendebatte kräftig mit und spricht sich entschieden gegen einen "Neubau auf der grünen Wiese", sprich dem "Unteren Wasen" aus und fordert eine Bürgerbefragung. Damit nicht genug: Erneut macht die BIB deutlich, dass Bünzwangen durch den Verkauf der Flächen im Baugebiet "Lange Wiesen" längst seinen Anteil zur Finanzierung der Halle geleistet habe, "da braucht die Stadt Ebersbach gar nicht mit weiteren Immobiliendeals liebäugeln".

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drama von Eislingen: Opfern die Kehle durchgeschnitten

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. weiter lesen