Das Kinderhaus „Villa Filsblick“ ist ein Standortvorteil für Wiesensteig

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Veränderungen sind aus meiner Sicht nicht zwingend nötig: Das sehr attraktive Betreuungsangebot ist eine gute Basis für Zuzug nach Wiesensteig.“ Das ist das Fazit von Kommunalberater Martin Bauch, der beauftragt war, den Bedarf für den Kindergarten zu ermitteln. Ihm zufolge ist die Einrichtung gut belegt, teilweise sogar schon fast an ihren Grenzen –  nämlich wenn es um die Betreuung der Grundschulkinder geht, die ihre Hausaufgaben in der  „Villa Filsblick“ machen können .

Wichtig sei, dass Wiesensteig die Rechtsansprüche von Eltern abdecken könne, was Bauch der Stadt bescheinigte. „Sie sind gar in der guten Lage, Urlaub und Krankheitszeiten ausgleichen zu können.“ Dennoch sei beim Personal, das auf die spezielle Betreuungsstruktur der Villa Filsblick inklusive Hausaufgabenhilfe ausgerichtet ist, nur der Mindeststandard vorhanden. Kürzen geht da also nicht. Einzig, wenn die Betreuungsstrukturen geändert würden, würde ein neuer Personalschlüssel zu geringerem Personal führen.

Bauch errechnete eine Kostendeckung von 14 Prozent für dieses Haushaltsjahr, womit Wiesensteig im oberen Segment liege. „Vielerorts sind es nur zwölf Prozent.“ Zudem wiesen die für die kommenden Jahre prognostizierten Belegungszahlen nach oben. Er empfahl, die Ganztagsbetreuung auf den Freitagnachmittag auszudehnen, das könne Wiesensteig mit dem aktuellen Personalschlüssel ohne zusätzliche Kosten tun.

Wolfgang Hauser lobte das Vorgängergremium für seine einst weise Entscheidung, ein neues Kinderhaus zu bauen. „Die Villa Filsblick ist ein sehr wichtiger Standortfaktor für uns.“ Das bestätigte Bürgermeister Gebhard Tritschler, der von rund 200 Zugezogenen seit 2014 sprach. Renate Rothfuß grenzte das jedoch ein: Rund 80 davon seien Männer, sagte sie. Sie und Achim Braun waren die einzigen am Ratstisch, die beharrlich nach Optimierungsmöglichkeiten suchten, damit der Rotstift bei diesem „Porsche“, wie Rothfuß sagte, angesetzt werden könnte. Braun bezweifelte, dass Familien einen Zuzug von der Kinderbetreuung abhängig machten. Da widersprach ihm der Bürgermeister vehement. Noch einmal betonte Bauch, Kosteneinsparungen wären nur möglich, wenn die Strukturen geändert würden. „Das ist mit mir politisch nicht umzusetzen“, sagte Hauser. Auch der Bürgermeister wehrte sich: „Das ist meines Erachtens das einzige Pfund, mit dem wir wuchern können, um unsere Stadt für junge Familien interessant zu machen, darauf können wir nicht verzichten.“

Bauch warnte vor Konsequenzen, sollten die Räte doch an den Stellrädern in der Kinderbetreuung drehen: „Unterschätzen Sie den Fachkräftemangel nicht: schrauben Sie jetzt am Personalschlüssel und müssen in einiger Zeit das Personal wieder hochfahren, könnte das sehr schwierig werden.“ Er betonte erneut den Standortvorteil Wiesensteigs mit seiner sehr familienfreundlichen Betreuungsstruktur und riet davor ab, zurückzufahren.

Eltern könnten abwandern

Die Gefahr, dass Eltern ihre Kinder anderswo unterbringen, sei groß. Was wiederum den ­Abmangel in die Höhe treiben würde: „Sie können drehen wo Sie wollen, es wird immer irgendwo negative Konsequenzen haben.“ Genervt von der jährlichen Diskussion um das „immer gleiche Thema, wofür wir immer Stunden opfern“ bat Thomas Weimper die beiden Ratskollegen, doch endlich zu akzeptieren, dass sie „in diesem Gremium nie und nimmer eine Mehrheit bekommen“.

Bei den zwei Ent­haltungen von Rothfuß und Braun stimmten neun Räte dem Bedarfsplan, der keine Änderungen ­vorsieht, zu. Im selben Stimmenverhält­nis beschlossen sie, ab nächstem Kindergartenjahr die Ganztagesbetreuung zusätzlich auf den Freitagnachmittag auszudehnen.

Die Eltern von Kindergartenkindern bezogen in einem Schreiben an die Räte eindeutig Stellung. Aus Zeitnot sei es der Elternbeiratsvorsitzenden Nadja Plachky nicht mehr möglich gewesen, Unterschriften zu sammeln, meinte sie. In dem Brief bestätigen die Eltern, dass sie alle Angebote der Stadt gerne nutzten und baten, die Struktur wie sie ist zu belassen. „Oder wollen Sie riskieren, dass junge Familien eher in nahe gelegene Städte ziehen, wo die Kinderbetreuung passt, um einen gut bezahlten Teilzeitjob wahrnehmen zu können, fragten sie.

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