Coach Thomas Henzler zum Projekt des KJR

Das Projekt "Jugendarbeit drei punkt null" des Kreisjugenrings kann aus Sicht von Coach Thomas Henzler dazu beitragen, Vereine ihre Nachwuchssorgen zu nehmen.

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Thomas Henzler vom Kreisjugendring begleitet das Projekt.  Foto: 

Herr Henzler, was war Ziel des Projekts „Jugendarbeit drei punkt null“?

THOMAS HENZLER: Viele Vereine klagen über Personalnot und haben Probleme, junge Leute für die Arbeit im Vorstand zu gewinnen. Die Idee des auf zwei Jahre angelegten Projekts war, jungen Menschen als ehrenamtliche Vereinsassistenten die Möglichkeit zu geben, im Verein mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Andererseits war der Gedanke, altgedienten Vereinsfunktionären auch die Sichtweise der Kinder und Jugendlichen näher zu bringen.

Was ist aus Ihrer Sicht der Grund, weshalb in den Vereinen so wenige Junge nachkommen, die Verantwortung übernehmen wollen?

HENZLER: Das ist nicht nur ein Problem der Jungen, auch immer weniger Erwachsene wollen sich im Verein engagieren. Manche, vor allem Jüngere, würden jedoch gerne bei bestimmten Projekten mitarbeiten, ohne sich längerfristig zu binden. Hier setzt „Jugendarbeit drei punkt null“ an. Unsere Intention war, dass sich die Vereine Gedanken über ihre Zukunft machen und über Veränderungen nachdenken. Die Vorstandsarbeit transparent zu machen, war dabei der erste Schritt. Die in dem Projekt inbegriffenen IT-Lösung für webbasiertes Vereinsmanagement ist ein weiterer Schritt in Richtung Modernisierung. Jeder Funktionär hat dabei Zugriff auf alle wichtigen Unterlagen und Daten. Gerade Jugendprojekte sind stark mit moderner Kommunikation verknüpft.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit den teilnehmenden Vereinen?

HENZLER: Positiv war, dass kein Verein während der ganzen Zeit das Projekt grundsätzlich in Frage gestellt hat. Wir haben jedoch festgestellt, dass viele eingefahrene Denkweisen vorhanden sind und wie schwierig es ist, aus dem Hamsterrad des alltäglichen Tuns auszubrechen und sich auf Neues einzulassen. Aber alle haben sehr aktiv mitgearbeitet, wobei der Faktor Zeit oft das größte Problem war.

Was würden Sie anders machen?

HENZLER: Es muss mehr Zeit für die Einarbeitung der Vorstände einkalkuliert werden. Die meisten konnten sich nicht vorstellen, was die Assistenten eigentlich machen sollen. Wir müssen künftiger eine gründliche Ist- und Sollzustandsbeschreibung machen und die Erwartungen und Interessen aller Beteiligten definieren. Auch die Kommunikation zwischen Vorstand und Vereinsassistenten muss noch intensiver begleitet werden.

Haben sich Ihre Erwartungen an das Modellprojekt erfüllt?

HENZLER: Durchaus. Es sind inzwischen zwei Assistenzkräfte stellvertretende Vereinsvorsitzende. In einem Verein steht die Gründung einer Jugendabteilung an. Eine andere junge Frau kann sich vorstellen, einen Vorstandsposten zu übernehmen.

Gibt es nach Auslaufen der Förderung eine Fortsetzung?

HENZLER: Der KJR will das Angebot unbedingt für den Landkreis erhalten. Immerhin gibt es hier rund 3000 Vereine. Der Bedarf ist da. Aber die Umsetzung als Flächenmodell bedeutet auch, dass mehr Coaches für die aufwendige Prozessbegleitung benötigt werden, und das ist letztendlich eine Frage der Finanzierung. Wir loten bereits Fördermöglichkeiten aus.

Zur Person

Thomas Henzler ist als Honorarkraft für den Kreisjugendring als Coach tätig. Im Hauptberuf leitet der Diplom-Pädagoge das Ebersbacher Kinder- und Jugendzentrum E3. Der 53-Jährige lebt in Unterensingen.

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